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Lokalsport
Feinschliff für Weltspiele in Los Angeles

Lokalsport: Feinschliff für Weltspiele in Los Angeles
Die Lobbericherinnen Mireille Vanfürt (vorne links) und ihre Schwester Lizzy Woyke spielen für die deutsche Mannschaft, die bei den Special Olympics Weltspielen in Los Angeles an den Start geht. FOTO: Detlef Ilgner
Fussball. Mireille Vanfürt und ihre Schwester Lizzy Woyke aus Lobberich bereiten sich ab heute in Mönchengladbach mit dem Hephata-Fußballteam auf die Special Olympics Weltspiele in den USA vor. Am 25. Juli beginnt das Großereignis. Von David Beineke

Wer in diesen Tagen mit Mireille Vanfürt spricht, der merkt, dass der jungen Frau ein ganz besonderes Ereignis in ihrem Leben bevorsteht. Sie redet schnell und viel, wenn sie nach den Special Olympics Weltspielen für geistig behinderte Athleten vom 25. Juli bis 3. August in der US-amerikanischen Metropole Los Angeles gefragt wird. "Ich freue mich riesig darauf. Damit geht für mich ein Traum in Erfüllung. Bei so einem Großereignis dabei zu sein, habe ich mir gewünscht, seit ich mit dem Fußballspielen begonnen habe", sagt die 35-Jährige aus Lobberich.

Für sie als Kapitänin und den Rest der Frauenmannschaft, die für Deutschland in den USA an den Start gehen wird, beginnt heute im Mönchengladbacher Stadtteil Hardt mit einem Trainingscamp die heiße Phase der Vorbereitung auf die Special Olympics Weltspiele. Das Gros der deutschen Mannschaft, nämlich acht Spielerinnen, stellen die Mönchengladbacher Hephata Werkstätten, die mit ihrem Frauenfußballteam seit vielen Jahren zur deutschen Spitze zählen. Zuletzt holte sich Hephata im vergangenen Jahr bei den nationalen Spielen in Düsseldorf den ersten Platz und qualifizierte sich somit für das Großereignis in Los Angeles, bei dem sich rund 30 000 freiwillige Helfer um 7000 Athleten und 3000 Trainer aus 177 Nationen kümmern werden. Auf dem zweiten Platz in Düsseldorf landete ein Team aus Berlin, das deswegen die deutsche Mannschaft mit sechs Spielerinnen ergänzt. Im April gab es in niedersächsischen Schöningen ein erstes Trainingslager zum Kennenlernen, in Mönchengladbach wird ab heute am Feinschliff gearbeitet. "Zunächst steht die Kondition im Mittelpunkt, dann werden wir noch an der Passgenauigkeit insbesondere bei langen Bällen arbeiten", weiß Mireille Vanfürt zu berichten. Morgen steht zudem eine Turnierteilnahme auf dem Programm.

Trainerin der Hephata-Fußballerinnen ist Sarah Weyers. Die 32-Jährige hatte das Amt vor 13 Jahren von ihrem Vater übernommen. Mit nach Los Angeles fliegt sie aus beruflichen Gründen nicht, dafür ihre Kollegin Sarah Splinter. "Für mich ist das nicht so entscheidend, ich war schon 2007 in Shanghai dabei und habe mitbekommen, was für ein unglaubliches Erlebnis die Sportlerinnen erwartet", erklärt Weyers. Deswegen freut sie sich auch so für die Spielerinnen, die bald über den Atlantik reisen. Denn aus ihrer Sicht ist der sportliche Ehrgeiz zwar wichtig, doch in erster Linie gehe es darum, den jungen Frauen durch die Zeit in einer für sie völlig ungewohnten Umgebung Selbstvertrauen einzuflößen. "Sie erleben eine andere Sprache und Kultur, ihnen wird im Gegensatz zum Alltag große Aufmerksamkeit zuteil, sie werden wie Topsportler behandelt. Deswegen kommen sie veränderte Menschen zurück", betont Sarah Weyers. Dass rund 500 000 Zuschauer zu den Wettkämpfen erwartet werden, ist ein Beleg dafür, welche Stellenwert der Sport der geistig Behinderten in den USA genießt - die Special-Olympics-Organisation wurde dort gegründet.

Neben Mireille Vanfürt, die im Meisterschaftsspielbetrieb sogar für den TSV Kaldenkirchen in der Landesliga kickt, wird auch ihre jüngere Schwester Lizzy Woyke in den Genuss dieses außergewöhnlichen Erlebnisses kommen. Die beiden kommen von der Lebenshilfe in Lobberich und werden jeden Freitag mit einem Fahrdienst zum Training nach Mönchengladbach gefahren. Zum einen steht das Hephata-Team allen geistig behinderten Spielerinnen aus der Region offen, zum anderen stehen die Qualitäten der Lobbericherinnen hoch im Kurs. Mireille Vanfürt agiert im Mittelfeld mit Drang nach vorne, ihre Schwester ist konsequente Abräumerin in der Abwehr. "Mireille bringt sich als Kapitänin aber auch neben dem Platz stark ein und übernimmt Verantwortung", sagt Trainerin Sarah Weyers. Verständlich, die 35-Jährige tut eben alles dafür, damit aus ihrem großen Traum schöne Realität wird.

Quelle: RP
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