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Roel Brouwers
"Ich bin ein Fußball-Deutscher"

Viersen. Borussias scheidender Innenverteidiger, dessen Vertrag ende des Monats ausläuft, spricht über die EM ohne sein Heimatland, seine Rückkehr zu Roda Kerkrade und die deutsche Art des Verteidigens.

Herr Brouwers, 2008 sind Sie mit ein paar Kumpels in die Schweiz gefahren und haben in der Nähe des niederländischen Quartiers gecampt während der Europameisterschaft.

Brouwers Stimmt. Das war eine schöne Aktion, wir hatten viel Spaß. Dieses Mal wird es so etwas nicht geben, ich habe mit meiner Frau und unseren Kindern Urlaub in Frankreich gemacht, es war sehr erholsam.

Verfolgen Sie die EM am TV-Gerät?

Brouwers (grinst) Nur die Spiele der Niederlande.

Immerhin gab es noch keine Niederlage.

Brouwers Tja, wir sind halt gut. Aber Spaß beiseite: Es ist schon komisch, so ein Turnier zu schauen und wir sind nicht dabei. Wir sind nun mal eine Fußballnation - aber wir waren einfach nicht gut genug in der Quali. Ich habe zum Glück andere Team, denen ich die Daumen drücken kann.

Deutschland vermutlich. Sie haben elf Jahre Ihrer Profi-Karriere in Deutschland verbracht, neun davon bei Borussia.

Brouwers Stimmt. Genau darum kann ich auch zu Deutschland halten. Leider ist dieses Mal keiner von uns nominiert worden. Aber viele deutsche Spieler kenne ich ja auch der Bundesliga. Und ich drücke der Schweiz die Daumen. Das sind drei Borussen im Kader.

Was ist mit Belgien?

Brouwers Klar, auch auf die Belgier schaut man als Holländer.

Viele sagen, dass Belgien Geheimfavorit ist. Wer ist Ihr Tipp für den EM-Titel?

Brouwers Ich würde sagen: Deutschland. Aber auch Italien ist sehr stark. Die Italiener spielen mit der Abwehr, die wir mit Borussia in den Champions-League-Spielen gegen Juventus Turin kennengelernt haben. Sehr stark. Aber wir haben denen einige Probleme bereitet, wenn ich mich recht erinnere.

Erinnern Sie sich auch noch an das letzte Spiel, das sie für Roda Kerkrade gemacht haben?

Brouwers Puh ... (überlegt) ... Ich bin 2005 zum SC Paderborn gegangen, das irgendwann 2005 gewesen sein. Aber genau weiß ich es nicht.

Es war am 8. Mai 2005 2004 ein 4:4 beim FC Groningen NEC Nijmegen.

Brouwers Oh je, vier Gegentore, das ist nicht gut für die Abwehr. aber dafür vier Tore auswärts. Ist lange her.

Und jetzt werden Sie wieder für Roda in der niederländischen Eredivisie verteidigen.

Brouwers Ja, es ist eine Rückkehr zu meinem ersten Profiklub, für den ich schon in der Jugend gespielt habe. Ich gebe zu, dass ich gern noch bei Borussia weitergemacht hätte, doch das ging ja nicht. Aber jetzt freue ich mich auf die Herausforderung bei Roda.

Ist es gefühlt ein Schritt zurück?

Brouwers Ich bin 34 Jahre alt. Da passt es doch. Für mich sind die Rahmenbedingungen optimal. Ich werde mindestens noch zwei, vielleicht drei Jahre spielen - und habe danach einen Anschlussvertrag bei Roda. Ich weiß also, was nach dem Fußball kommt. Das ist sehr wichtig. Was genau wir da machen werden, ist noch zu besprochen. Vielleicht im Scouting. Oder im Marketing. In Richtung Trainer wird es, würde ich jetzt sagen, eher nicht gehen, aber man sollte nie nie sagen im Fußball. Für den Moment bin ich froh, weiter spielen zu können - und, dass ich künftig sehr kurze Wege habe. Es sind knapp zehn Minuten von mir zu Hause bis zum Klub.

Roda bekommt einen Abwehrmann mit deutschen Tugenden.

Brouwers Tja, ich bin wohl ein Fußball-Deutscher nach so langer Zeit, das stimmt. Ich werde mich sicher erst mal wieder daran gewöhnen müssen, wie Verteidiger in Holland spielen.

Wie denn?

Brouwers Da wird schon erwartet, dass ein Innenverteidiger immer wieder ins Mittelfeld vorrückt, um am Spielaufbau teilzunehmen. Das ist in Deutschland doch anders, zumindest war es in Gladbach so. Aber ich werde das tun, was ich immer getan habe, denn damit bin ich gut gefahren: Ich werde mich auf das konzentrieren, was ich kann. Ich bin kein Mittelfeldspieler oder Regisseur, ich bin Verteidiger. und ich denke, als solcher kann ich Roda helfen. Ich habe 300 Profispiele gemacht und kann daher viel Erfahrung einbringen.

Bei Borussia wurden Sie sehr emotional verabschiedet.

Brouwers Oh ja, das war Wahnsinn. Es kommt ja nicht mehr so oft vor, dass ein Spieler neun Jahre bei einem Verein ist. Ich habe mich sehr wohl gefühlt bei Borussia, und ich habe viel mit Gladbach erreicht. Als ich kam, waren wir Zweitligist, in meiner letzten Saison habe ich mit Borussia in der Champions League gespielt und wird sind Vierter geworden in der Bundesliga. Was für eine Entwicklung. Ich gebe zu: Der Abschied ist mir nicht leicht gefallen, der Tag meines letzten Heimspiels war schön und traurig zugleich.

Bei Kerkrade haben Sie keine internationalen Spiele. Da haben sie Zeit, sich bestimmt mal in Gladbach ein Europapokalspiel anzuschauen.

Brouwers Das werde ich sicher mal tun. Am liebsten natürlich ein Champions-League-Spiel, ich hoffe, dass Borussia in den beiden Play-offs bestehen kann. Ich traue es dem Team auch zu.

Sie könnten dann die alte Fahrgemeinschaft mit Filip Daems aufleben lassen.

Brouwers Ja, warum nicht. Wir haben ja viel zusammen erlebt in Gladbach. Zu erzählen gäbe es genug.

Quelle: RP
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