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Lokalsport
Olympia hat Lust auf Olympia gesteigert

Grenzland. Zwischenzeitlich sah es so aus, als hätten sich Leichathletin Sarah Schmidt aus Süchteln und Taekwondoka Madeline Folgmann für Rio qualifizieren können. Beide wollen einen neuen Anlauf für Tokio 2020 in Angriff nehmen. Von David Beineke

Für zwei überaus talentierte heimische Sportlerinnen waren die Olympischen Spiele von Rio de Janeiro etwas Besonderes. Nicht etwa, weil sie sich schon in jungen Jahren für das größte Sportereignis der Welt qualifizieren konnten, sondern weil beide zwischenzeitlich davon träumen durften, dabei zu sein, es dann aber doch nicht schafften. So verfolgten sowohl 800-Meter-Spezialistin Sarah Schmidt aus Süchteln als auch Taekwondo-Kämpferin Madeline Folgmann aus Niederkrüchten die Wettkämpfe in Brasilien aus einer völlig neuen Perspektive. Und die beiden 19-Jährigen sind jetzt sicherer denn je: 2020 in Tokio wollen sie unbedingt bei Olympia an den Start gehen.

"Dieses Mal die Olympischen Spiele zu verfolgen, war schon etwas anderes als früher. Denn ich kenne ja viele der Sportler, die dort gestartet sind und weiß auch, wie hart man täglich trainieren muss, um dabei zu sein. Da war ich viel näher dran", sagt Sarah Schmidt. Natürlich war sie enttäuscht, dass sie die Olympianorm über 800 Meter von 2:01,50 Minuten nicht knacken konnte, obwohl ihre Bestzeit aus dem Jahr 2015 bei 2:01,44 Minuten liegt. Sie gibt offen zu, dass das an ihrem Selbstvertrauen genagt hat, obwohl die Gründe dafür auf der Hand liegen. Denn nachdem sie sich auf den Weg zu einem Studienaufenthalt an die Georgetown Universität in Washington D.C. gemacht hatte, traten plötzlich heftige Schmerzen in ihrem rechten Fuß auf. Eine sogenannte Stressreaktion in einem Mittelfußknochen hatte eine wochenlange Pause zur Folge, unter der freilich auch die Form massiv litt. "Mir hat das Grundlagentraining gefehlt. Ich bin zwar ganz gut in die Saison gestartet, aber danach kam dann nichts mehr. Ich konnte einfach nicht schneller laufen", erklärt Schmidt. Sie vermutet, dass sie die Verletzung und ihre Folgen besser verkraftet hätte, wenn sie sich in der Heimat aufgehalten und sich mit Trainer Johannes Gathen von ihrem Verein LAZ Mönchengladbach vorbereitet hätte. "Der Aufenthalt in den USA war aber dennoch ein tolles Erlebnis, das mich persönlich weitergebracht hat", betont Schmidt. Damit es jetzt mit Blick auf Tokio 2020 auch sportlich weitergeht - in Japan will sie nach den Eindrücken aus Rio unbedingt dabei sein - hat sich die 19-Jährige zu einem Vereinswechsel entschieden. Ab dem 1. Januar 2017 startet sie für Bayer Leverkusen. Für Leverkusen spricht neben den optimalen Trainingsbedingungen und den starken Trainingspartnern auch die Nähe zu Köln, wo Schmidt Medizin studieren wird.

Auch bei Taekwondoka Madeline Folgmann (Gewichtsklasse bis 53 Kilogramm) von der TG Jeong Eui Nettetal hat Rio noch mal für einen Motivationsschub gesorgt. "In ihr brennt das Feuer, sie will unbedingt in Tokio dabei sein", sagt ihr Trainer Björn Pistel. Auch weil sie 2014 schon mal bei den Olympischen Jugendspielen in China dabei und restlos begeistert war. Zurzeit macht die Niederkrüchtenerin noch Urlaub auf Gran Canaria, bevor dann die heiße Phase der Wettkampfvorbereitung beginnt. Am 17. September steht das erste internationale Turnier in Polen an.

Folgmann hatte im Sommer 2015 nach einigen internationalen Topergebnissen einen Satz in der Weltrangliste gemacht und war plötzlich in Reichweite eines Olympia-Startplatzes. Aber dann fehlte doch noch die Konstanz. "Rio war noch zu früh. In ihre persönliche Entwicklung passt Tokio besser", sagt Pistel. Deswegen wurden auch schon die ersten Weichen in Richtung der Spiele in Japan gestellt. Gespräche mit der Sportstiftung NRW und dem Olympiastützpunkt Rheinland haben ergeben, dass Folgmann als B-Kader-Athletin und eine von drei Top-Taekwondoka aus Nordrhein-Westfalen auf dem Weg zu Olympia 2020 unterstützt werden soll. "Das heißt natürlich nicht, dass wir nicht noch weitere Förderer gebrauchen könnten", sagt Pistel. Sicher ist, dass Folgmann dem Verein in Nettetal erhalten bleibt, auch wenn sie ab Oktober ein Studium an der Sporthochschule in Köln beginnt. Das nächste Ziel ist, bei den Open-Turnieren in diesem Jahr gut abzuschneiden und sich für die WM 2017 zu qualifizieren. Pistel: "Wir müssen einerseits Weltranglistenpunkte sammeln, andererseits aber auch die starke deutsche Konkurrenz in Schach halten. Dabei die Balance zu finden, ist die Kunst."

Quelle: RP
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