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Radsport
Radtalent kämpft sich nach Verletzung zurück

Radsport: Radtalent kämpft sich nach Verletzung zurück
Die Straße hat Sebastian Stamm mit dem Wohnzimmer getauscht. Wegen eines Schlüsselbeinbruchs trainiert er derzeit auf der Rolle. FOTO: Franz-Heinrich Busch
Viersen. Ein Schlüsselbeinbruch hat den Süchtelner Sebastian Stamm ausgebremst. Doch die Zuversicht ist zurück, er hat schon neue Ziele. Von David Beineke

Nach einem ganz starken Jahr in der Altersklasse U 17 hatte sich Sebastian Stamm aus Süchteln ganz viel vorgenommen für den Wechsel in die U19. Mit dem Team Sportforum Kaarst-Büttgen wollte er in der Bundesliga angreifen und sich als Saisonhöhepunkt wieder für die Deutschen Meisterschaften in Nidda qualifizieren. Doch derzeit träumt er nicht von Treppchenplatzierungen bei wichtigen Rennen, sondern gibt sich schon mit viel weniger zufrieden. Ein Schlüsselbeinbruch mit anschließender Operation hat den Plänen des Radsporttalents einen heftigen Dämpfer verpasst. Stand jetzt wäre er schon froh, wenn er in zwei Wochen wieder auf der Straße trainieren könnte.

Die Zäsur in der noch jungen Karriere erfolgte am 1. Mai. Gerade hatte sich Stamm nach einer Erkrankung mit viel Trainingsfleiß wieder in Form gebracht und wollte mit seinem Team beim ersten Bundesligarennen in Frankfurt durchstarten. Doch dann kam der Moment beim Aufwärmen, als er mit 50 Kilometern in der Stunde eine Gerade entlang bretterte und sich plötzlich ein Fahrer vor ihm querstellte. Um einen Crash zu vermeiden, ging Stamm voll in die Bremsen, flog über den Lenker und landete auf der rechten Schulter. "Ich habe direkt gemerkt, dass da etwas kaputt war", erinnert sich Stamm. Zum Glück für ihn bewahrheitete sich nicht die erste Befürchtung der Notärzte, dass auch die Wirbelsäule betroffen sein könnte. Eine Röntgenaufnahme brachte die Gewissheit, dass "nur" die Clavicula, so der medizinische Fachbegriff, zertrümmert war. Drei Tage später erfolgte in Viersen die Operation. Klar, dass die Stimmung bei dem bald 17-Jährigen zunächst im Keller war, schließlich konnte er seine Ziele für 2016 abhaken. "Das ist eine harte Sache für uns alle. Schließlich sind wir eine radsporbegeisterte Familie, unsere komplette Freizeit dreht sich um den Sport", sagt Vater Axel Stamm.

Als erste Maßnahme gegen die schlechte Laune setzte sich Sebastian Stamm am Sonntag nach der Operation im Wohnzimmer das erste Mal wieder aufs Rad und absolvierte eine leichte Einheit mit Hilfe einer Trainingsrolle. Eine eigens angefertigte Konstruktion sorgte dafür, dass sich Stamm nicht so weit nach unten beugen musste. Begleitet von physiotherapeutischen Behandlungen kehrte dann nach und nach die Zuversicht zurück. "Wieder richtig positiv gedacht habe ich, nachdem die Fäden gezogen wurden und ich meinen Trainingsplan für die Rolle bekam", erinnert sich Sebastian Stamm. Sein Coach Hans-Peter Nilges hat ihm aufgeschrieben, wie er die Einheiten daheim absolvieren soll, um die Form wieder aufzubauen. Dass Nilges weiß, was er tut, liegt nicht nur daran, dass er ein guter Trainer ist, sondern auch daran, dass er selbst schon fünfmal das Schlüsselbein gebrochen hatte. Etliche Profis erlitten schon die gleiche Verletzung, für einen guten Radsportler gehört sie schon fast dazu.

"Ich glaube nicht, dass die Verletzung so schlimm für meine Karriere ist. Ich bin noch im ersten U19-Jahr, erst im nächsten Jahr geht um die Qualifikation für die Profi- und Amateurteams", sagt Sebastian Stamm und zeigt, dass die positiven Gedanken endgültig wieder die Oberhand gewonnen haben. Durch die schweren Wochen hat ihm auch der Kontakt zu seinen Mannschaftskameraden geholfen. Sie haben ihn auf dem Laufenden gehalten und versucht, ihn aufzubauen. "Ich muss das Beste draus machen", sagt der Süchtelner, der auch schon wieder Ziele hat. Sein Comeback-Rennen will er am 26. Juni in Heimbach fahren, wenn parallel die U 19-DM in Nidda läuft. Weil dort natürlich die besten Fahrer unterwegs sind, steigen die Chancen, in Heimbach mit einer guten Platzierung etwas fürs Selbstvertrauen tun zu können. Anschließend hofft Sebastian Stamm auch noch auf zwei Bundesliga-Einsätze am Bilster Berg und in Düsseldorf. Zum Abschluss eine gute Leistung ganz in der Nähe der Heimat wäre sicher ein weiterer Mutmacher für die Zukunft. Sebastian Stamm jedenfalls betont: "Ich will stärker zurückkommen, als ich vor der Verletzung war."

Quelle: RP
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