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Leichtathletik
Speerwerferin aus Nettetal freut sich riesig auf die Spiele von Rio

Viersen. Die inzwischen 81-jährige Anneliese Gerhards startete für Deutschland in Rom, Tokio und München bei Olympia. Ihre beste Platzierung war 1964 in der japanischen Hauptstadt Rang acht. Von Paul Offermanns

Nettetal Klar, auch die ehemalige Speerwerferin Anneliese Gerhards hat etwas gegen Doping. Dennoch ist sie nicht einverstanden mit den Konsequenzen, die letztlich aus den Diskussionen der vergangenen Wochen und Monate rund um das breit angelegte russische Doping-System gezogen wurden. "Eine ganze Mannschaft auszuschließen und so kurzfristig, halte ich persönlich nicht für richtig", sagte die Hinsbeckerin. "Was kann der einzelne Athlet in diesem Team dafür, der hart und sauber für seine Teilnahme bei den Olympischen Spielen trainiert und gearbeitet hat."

Anneliese Gerhards, die selbst 1960 in Rom, 1964 in Tokio und 1972 in München an Olympischen Spielen teilnahm, musste sich auch schon Dopingkontrollen unterziehen. Bei den Europameisterschaften 1962 in Belgrad verpasste sie als Vierte mit 50,92 Metern um knapp einen Meter eine Medaille und 1971 in Helsinki (im Olympiastadion von 1952) belegte sie den fünften Platz mit 55,98 Metern. Jedes Mal lagen starke Werferinnen aus den Ostblockstaaten vor ihr. Doch nicht nur das Thema Doping sorgte vor Rio im deutschen Sport für Aufsehen. Jüngst wollte eine Athletin aus der Gilde der Speerwerferinnen, die Weltmeisterin Katharina Molitor, mit Hilfe einer einstweiligen Verfügung gegen den Deutschen Olympischen Sportbund (OSB) ihre Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio erwirken. Drei Speerwerferinnen (die Deutsche Meisterin und zwei weitere) wurden nominiert, eine war in der Summe der Weiten im Laufe der Saison besser als sie. "Das hätte ich nicht gekonnt, dafür wäre ich nicht der Typ gewesen", sagte die 81-Jährige. Vergangenes Jahr im November war Gerhards mit der ehemaligen Sprinterin Jutta Heine (Olympia-Teilnahmen 1960 und 1964) bei der bundesdeutschen Sportlerwahl des Jahres in Baden-Baden: "Da traf ich viele Bekannte von früher. Das war ein ganz toller Abend", erinnert sich Gerhards, die aber auch Katharina Molitor über den Weg lief: "Sie sah so blass und ruhig aus, ich hätte ihr das nicht zugetraut." Was sie schade findet, ist, dass sich kein Mann fürs Speerwerfen in Rio qualifiziert hat.

Die gebürtige Oedterin und aus dem Handballsport hervorgegangene Anneliese Gerhards startete ihre sportliche Laufbahn im benachbarten Lobberich, zuerst beim Sportclub und danach beim Turnverein. Sie erreichte 1958 zum ersten Mal das Finale bei Deutschen Meisterschaften und holte Platz fünf. Bis 1974 qualifizierte sie sich für das Meisterschaftsfinale 17-mal und gewann in dieser Zeit beachtliche sieben Titel. Von 1960 bis 1972 (da warf sie mit 58,34 Metern ihre Bestweite) trug sie bei 30 Wettkämpfen das deutsche Nationaltrikot. 1960 qualifizierte sie sich für die gesamtdeutsche Mannschaft aus BRD, DDR und Saarland, die bei den Olympischen Spielen von Rom an den Start ging. Für Anneliese Gerhards sprang der elfte Platz heraus. Auch beim letzten Auftritt einer gesamtdeutschen Mannschaft 1964 in Tokio gehörte sie zum Aufgebot und belegte den achten Platz. Im April 1968 starb ihr Ehemann, der Mehrkämpfer Heinz-Willy Gerhards. Ab diesem Jahr startete die ausgebildete Sportlehrerin für den TSV Bayer 04 Leverkusen.

Auch wenn das Ende ihrer aktiven Karriere schon Jahrzehnte zurückliegt, ist Gerhards Begeisterung für den Sport und insbesondere für die Olympischen Spiele ungebrochen. Das wird kurz vor dem Start der Wettkämpfe in Rio de Janeiro deutlich. "Ich bin schon ganz süchtig darauf, insbesondere auf das Speerwerfen", sagt Anneliese Gerhards schmunzelnd.

Quelle: RP
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