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Lokalsport
Sporttests fördern Talente zutage

Kreis Viersen. Mit Hilfe finanzieller Unterstützung des Kreises wurde das "Kreis Viersener Modell" auf den Weg gebracht, um den leistungsorientierten Sport zu fördern. Im Frühjahr liefen die ersten Tests an Grundschulen, jetzt gibt's die Ergebnisse. Von David Beineke

Sportwissenschaftler Gregor Krolewski ist beim Kreissportbund zuständig für das sogenannte "Kreis Viersener Modell". Und in dieser Funktion hat er allen Grund zur Zufriedenheit. Denn seit er im Sommer des vergangenen Jahres den Job antrat, hat sich viel getan bei dem Projekt, für das die Kreispolitik Geld locker machte, um den Leistungssport zu fördern. Nach einer akribischen Vorbereitung erfolgten im Frühjahr sportmotorische Tests bei 1111 Zweitklässlern an 24 von 49 Grundschulen im Kreisgebiet. Diese Tests sind inzwischen ausgewertet und die Ergebnisse den Schulen und Eltern mitgeteilt worden.

"Das war ein gelungener Start. Dass 82 Prozent aller Zweitklässler der beteiligten Schulen mitgemacht haben, kann sich wirklich sehen lassen", betont Krolewski, der zusammen mit seinen Kollegen vom KSB im Vorfeld viel Aufklärungsarbeit leistete, um möglichst viele Schulen mit ins Boot zu holen. Auffällig war für ihn, dass die Akzeptanz durch die auf unterschiedlichen Wegen verbreiteten Informationen bei Schulen und Lehrern stetig zunahm. Erst recht nach Abschluss der Tests für den ersten Jahrgang. Im kommenden Jahr werden noch zehn weitere Grundschulen mitmachen, insgesamt dann also 34. Was so gut ankommt, ist der ganzheitliche Ansatz des Projekts. Durch die Überprüfung der motorischen Fähigkeiten Ausdauer, Schnelligkeit, Kraft, Koordination und Beweglichkeit werden wissenschaftlich valide und vergleichbare Daten gewonnen, die einerseits dazu dienen sollen, besondere Talente, andererseits aber auch Kinder mit besonderem Förderbedarf zu entdecken. Die Auswertungen haben ergeben, dass sich innerhalb der Premieren-Testgruppe 7,6 Prozent besonders talentierte Kinder, 11,2 Prozent haben Förderbedarf und 81,3 Prozent bewegen sich im Normbereich. Aufgeschlüsselt auf die acht beteiligten Kommunen des Kreises Viersen befinden sich die meisten Kinder mit Förderbedarf in Niederkrüchten (15,52 Prozent), die meisten Talente haben sich in Grefrath hervorgetan (10,19 Prozent). Über alle Übungen hinweg haben die Zweitklässler der Stadt Kempen am besten abgeschnitten, mit einem sogenannten Prozentrang von 51,26 liegen sie im Schnitt knapp über dem Normbereich. Wobei der Vergleich der Kommunen mit Vorsicht zu genießen ist, weil die Fallzahlen extrem unterschiedlich sind. So haben zum Beispiel in Viersen 355 Kinder mitgemacht, während in Niederkrüchten nur 58 dabei waren.

Doch egal, ob talentiert, der Norm entsprechend oder mit Förderbedarf: Keine der drei Gruppe wird sich selbst überlassen, der KSB arbeitet gemeinsam mit seinen Mitgliedsvereinen an Fördermaßnahmen für alle Kinder. In einem ersten Schritt wurde den Eltern zu den Test-Ergebnissen eine Liste mit allen 152 Sportvereinen im Kreisgebiet beigelegt, die Sport für Kinder im Grundschulalter anbieten. Denn von den 1111 getesteten Kindern gaben immerhin 32,3 Prozent an, keinem Sportverein anzugehören. Projektleiter Gregor Krolewski ist allerdings wichtig zu betonen: "Uns geht es darum, ein Bewusstsein zu schaffen. Wir wollen keinen Druck aufbauen, alle Maßnahmen, die wir aus den Ergebnissen ableiten, sind natürlich auf freiwilliger Basis." Aber nicht nur der KSB will die Ergebnisse zum Wohle der Kinder verwenden, auch die Schulen können die Resultate ganz konkret in ihren Alltag einbinden. Sieht zum Beispiel ein Sportlehrer, dass in seiner Klasse die Defizite im koordinativen Bereich auffällig groß sind, kann er den Unterricht entsprechend gestalten. Aber auch individuelle Förderung ist denkbar. So sind etwa sieben Viersener Grundschulen, die sich an der ersten Testphase beteiligten, Teil des Projekts "KommSport" von Landesregierung und Landessportbund. Mit entsprechender finanzieller Unterstützung soll es Förderstunden für Kinder mit motorischen Defiziten geben.

"Es ist einfach toll, wenn zu erkennen ist, dass die Ergebnisse ganz konkrete Ansatzpunkte für Fördermaßnahmen ergeben und der hohe Stellenwert von Bewegung und Sportunterricht für Kinder unterstrichen wird", sagt Gregor Krolewski. In dieser Hinsicht ist er auch schon auf die Fortsetzung des Projekts mit den Tests Anfang nächsten Jahres gespannt - und erst recht auf die Wiederholung der Testreihe, wenn die Schüler aus dem Premierenjahrgang die vierte Klasse erreicht haben. Dann lässt sich nämlich ablesen, ob die Fördermaßnahmen gefruchtet haben.

Quelle: RP
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