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Was Macht Eigentlich...? Gaby Reimann
Viersen als Basis für große Karriere

Was Macht Eigentlich...? Gaby Reimann: Viersen als Basis für große Karriere
Bis zum Jahr 2000 war Gaby Reimann mit 209 Partien Hockey-Rekordnationalspielerin von Deutschland. FOTO: Reimann
Viersen. Gaby Reimann hat im Hockeysport fast alles erreicht. Unter anderem gewann sie zwei WM-Titel und Silber bei Olympia 1984. Ihre außergewöhnliche Sporterlaufbahn begann beim Viersener THC. Von Jory Aranda Palomino

Dass Gaby Reimann die Spiele der deutschen Hockey-Teams bei den Olympischen Spielen in Rio bis hin zum Gewinn der beiden Bronze-Medaillen ganz genau verfolgt hat, versteht sich von selbst. Denn ein Leben ohne Hockey kann sich die gebürtige Viersenerin nicht vorstellen - auch wenn sie sich die inzwischen 58-Jährige betont, nie ausschließlich über den Sport identifiziert hat. Doch gerade während der Olympischen Spiele hat sie sich dabei ertappt, an die eigenen Erfahrungen bei Olympia zurückzudenken. "Immer wenn ich ein olympisches Podium sehe, dann kommen die vollkommen unvergessenen Gefühle wieder hoch", sagt Reimann. "Olympia war eine Begegnung der riesigen Freude. Jeder Sportler war froh, dabei zu sein", erinnert sie sich.

Sie selbst durfte das zweimal erleben - 1984 und 1988. Gekrönt mit dem Gewinn der Silbermedaille bei den Spielen in Los Angeles 1984. "Die Niederlande waren zur damaligen Zeit nahezu unschlagbar. Silber war wie Gold für uns", erinnert sich Reimann. Für sie zählt rückblickend dieser zweite Platz zu einem ihrer schönsten Hockeymomente ihrer Karriere. Zwei weitere prägende Ereignisse in ihrer Karriere waren die Gewinne der Weltmeistertitel in den Jahren 1976 und 1981. "Bei meinem ersten Turnier war ich gerade einmal 18 Jahre alt", erinnert sich Reimann. Das 2:0 im Finale gegen Argentinien bedeutete gleichzeitig den ersten Weltmeistertitel einer deutschen Damenmannschaft überhaupt. 1981, in Buenos Aires, folgte der zweite Titel. Der Finalgegner waren wie so häufig die Niederlande. Nach einem 1:1 in der regulären Spielzeit kam es zum Siebenmeterschießen. Den entscheidenden Siebenmeter zum 4:2 Endstand verwandelte Gaby Reimann. "Ich galt immer als besonders nervenstark", sagt sie.

Den Grundstein zu ihrer sportlichen Karriere legte sie beim Viersener THC, damals noch unter ihrem Mädchennamen Appel. "Meine Karriere basiert auf einer ausgesprochen intensiven und kompetenten Zeit in Viersen", betont sie. Die Qualität der Trainer und Betreuer ist für sie unbestritten: "Ruth Stuffertz, meine erste Trainerin, war fachlich exzellent." Als "wohlbehütet und streng" beschreibt sie die Art und Weise ihrer Trainingsmethoden. "Gerade diese Mischung fehle heutzutage vielen Trainern", ergänzt die gebürtige Viersenerin. Auch den Betreuern, allen voran der Familie Tweer und Plum, habe sie viel zu verdanken. "Hockey ist ein Familiensport, und das hat man zu jeder Sekunde in Viersen gelebt", sagt Reimann. Ihre Verbindungen nach Viersen sind bis heute nicht abgebrochen. "Meine Mutter lebt noch immer in Viersen", sagt die 58-Jährige. Ihren Eltern habe sie grundsätzlich viel zu verdanken. "Sie haben mich überall hingefahren und mich immer unterstützt."

Ihre internationale Karriere beendete sie zu Beginn der 1990er Jahre als Rekordnationalspielerin, als sie schon Hamburg lebte. Der Grund war die Familienplanung. "Wenn ich keine Kinder gewollt hätte, dann hätte ich vermutlich bis 45 weitergespielt", sagt Reimann. Gerade die Phase des Überganges, von der professionellen Sportlerin zur Mutter, war eine schwierige Zeit für sie. "Wenn die Nationalmannschaft nach 13 Jahren das erste Mal ohne einen zu einem Turnier fährt, dann ist das ein schreckliches Gefühl", sagt Reimann rückblickend. Über ihre 15-jährige Tätigkeit als Arzthelferin fand sie in der Naturheilkunde eine wichtige Säule ihres Lebens. Heute betreibt die 58-Jährige eine eigene Naturheilpraxis in Hamburg. Zu ihren Schwerpunkten zählen unter anderem Rückenbehandlungen, Meditation sowie Lu Jong, eine tibetische Heilyogaform mit über 8000 Jahren Tradition.

Den Hockeyplatz besucht die Ex-Rekordnationalspielerin auch heutzutage noch häufig, wenn auch hauptsächlich als Zuschauerin, schließlich spielen ihre Kinder Jessica und Christian beide in der Hockey-Bundesliga beim Club an der Alster. Doch nur die Zuschauerrolle einnehmen, kann Gaby Reimann dann doch nicht. Schließlich spielt sie immer noch in einer Hockey-Seniorenmannschaft. "Ich schieße noch immer schöne Tore - wenn auch im Stehen."

Quelle: RP
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