| 00.00 Uhr

Lokalsport
Was zählt das Wort eines Spielers noch?

Grenzland. In jüngster Vergangenheit gab's bei Fußballvereinen im Grenzland mehrere Absagen von Spielern, die mündlich ihr Kommen zugesagt hatten. Die Verantwortlichen sehen darin eine ungute Entwicklung, die für große Probleme sorgt. Von David Beineke

Amateurfußballer müssen sich bis Ende des Monats abgemeldet haben und dann einen Wechselantrag unterschreiben, wenn sie bei einem anderen Verein anheuern wollen. Doch eigentlich brauchen die Vereine jetzt schon Klarheit darüber, mit welchem Kader sie in die kommende Saison gehen. Allenfalls nicht ganz so wichtige Positionen sind noch zu besetzen, wenn nicht noch ganz unerwartete Dinge passieren. Dazu gehören etwa Absagen von Spielern, die sich vor längerer Zeit verbal an einen Verein gebunden hatten. Weil in jüngster Vergangenheit im Grenzland gleich mehrere solcher Fälle an die Öffentlichkeit geraten sind, stellt sich die Frage, ob diese Ballung nur ein Zufall ist oder ob sich da etwas verschoben hat im Wertekanon einer neuen Spielergeneration.

Für das größte Kopfschütteln sorgte zuletzt der Fall von Torwart Daniel Leupers, der sich schon im März mit dem TSV Kaldenkirchen über einen Wechsel einig geworden war, was die Kaldenkirchener mit Einverständnis des Spielers auch gleich an die lokalen Medien zur Veröffentlichung gaben. Doch nachdem Leupers mit dem Dülkener FC eine ganz starke Rückrunde mit einem Sieg abgeschlossen hatte, überlegte er es sich kurzfristig anders und teilte den Kaldenkirchenern per Textnachricht aufs Mobiltelefon mit, dass der Wechsel doch nicht zustande komme. "In dieser extremen Form habe ich das zum ersten Mal erlebt. Doch dass Spieler mit verschiedenen Vereinen sprechen, dann eine Zusage geben und es sich wieder anders überlegen, ist groß in Mode gekommen", sagt Jochen Heußen, Sportlicher Leiter des TSV Kaldenkirchen. Solche Geschichten hört er auch immer wieder von Kollegen. Seine ernüchternde Erkenntnis: "Bis zum ersten Training muss du abwarten, um sagen zu können, wer wirklich dabei ist. Auf alles andere kannst du dich nicht verlassen." Eine Entwicklung, die es den Vereinen immer schwerer macht und die aus Heußens Sicht vor rund zehn Jahren so nicht abzusehen war.

Das sieht Willi Kehrberg ähnlich. Der Trainer des Landesligisten 1. FC Viersen war bei seinen Planungen der nächste Saison auch von diesem Phänomen betroffen. In André Kobe und Nico Königs gingen ihm gleich zwei Spieler von der Fahne, deren Verbleib er schon gemeldet hatte. Kobe behauptete, er habe keine feste Zusage gegeben und bandelte mit Union Nettetal an. Königs gestand offen ein, sein Versprechen zugunsten seines Heimatvereins 1. FC Mönchengladbach brechen zu wollen. Kerberg will zwar nicht alle Fälle über einen Kamm scheren, doch auch er sieht im Vergleich zu früher eine negative Entwicklung. "Vor zehn, zwanzig Jahren gab es zwar auch Spieler, die so etwas gemacht haben. Aber da war verpönt, da gab es einen Ehrenkodex", erinnert sich Kehrberg und erklärt: "Heute finden Spieler eher Ausreden und sehen ein solches Verhalten schon fast als normal an. Sie bagatellisieren es, wenn sie ihr Wort nicht halten, und das wird oftmals toleriert." Für ihn ist es auch eine Frage, wie die Vereine untereinander miteinander umgehen. Wenn sich Kehrberg nach Spielern umschaut, dann stellt er in dem Moment seine Bemühungen ein, wenn er hört, dass der jeweilige Spieler sich schon mündlich an einen anderen Verein gebunden hat.

Dennis Sobisz, der seit einem Jahr die Landesliga-Mannschaft der VSF Amern hauptverantwortlich betreut, hält es genauso. Er allerdings musste die Erfahrung machen, dass er überzeugt war, in Kai Schink vom SC Waldniel einen neuen Torhüter gefunden zu haben, bis der einen Rückzieher machte. Er sieht in diesem Verhalten auch einen generellen Trend und vermutet dahinter ein Problem der aktuellen Generation. "Die Jungs sind nicht mehr so fokussiert auf bestimmte Dinge. Wer Hunderte Facebook-Freunde hat, dem ist der Einzelne wohl nicht mehr so wichtig. Es ist vieles beliebiger geworden", mutmaßt Sobisz. Er appelliert immer wieder an die Spieler, mit denen er über ein Engagement spricht, dass sie alles sauber und mit offenen Karten mit ihren Vereinen klären sollen. Denn er weiß aus leidvoller Erfahrung: "Da wird einfach nicht bedacht, was für eine wahnsinnige Arbeit hinter einer Saisonplanung steckt und was mit solchen Entscheidungen kaputt gemacht wird."

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Lokalsport: Was zählt das Wort eines Spielers noch?


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.