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Michael Berghausen
"Wir haben einen Namen zu verteidigen"

Michael Berghausen: "Wir haben einen Namen zu verteidigen"
Michael Berghausen Anfang des Jahres beim Baustart des neuen Kunstrasenplatzes am Hohen Busch. Mittlerweile wird schon darauf gespielt. FOTO: Busch
Viersen. Die Probleme beim Fußball-Landesligisten 1. FC Viersen häufen sich derzeit. Davon lässt sich der Vereinsvorsitzende nicht beirren. Von David Beineke

Viersen Seit dem vergangenen Wochenende steht der 1. FC Viersen in der Fußball-Landesliga wieder auf einem Abstiegsplatz in der Fußball-Landesliga. Doch das ist längst nicht der einzige Krisenherd bei dem Traditionsverein, der schon einen Trainerwechsel von Steve Jäck zu Daniel Saleh hinter sich hat. Auch um die beiden anderen Senioren-Mannschaften sowie die Jugendabteilung scheint es nicht gut bestellt. Der Schwung, der durch die Fertigstellung des neuen Kunstrasens entstanden war, ist schon wieder abgeebbt. Vor dem spielfreien Wochenende sprach unsere Redaktion mit dem FC-Vorsitzenden Michael Berghausen über die Problemfelder im Verein und über mögliche Lösungsansätze.

Herr Berghausen, macht es Ihnen zurzeit noch Spaß Vorsitzender des 1. FC Viersen zu sein?

Berghausen Spaß nicht gerade, aber ich kann den Kopf doch nicht in den Sand stecken. Ich bin gewählt und trage Verantwortung. Wir sind als Verein gut aufgestellt und haben einen Namen zu verteidigen. Der Name 1. FC Viersen macht immer noch etwas her, und wir haben den Anspruch, dass das auch so bleibt.

Im Moment scheinen sich die Probleme im Verein jedenfalls turmhoch zu stapeln. Dabei sollte der neue Kunstrasen doch für eine Aufbruchstimmung sorgen.

Berghausen Ich sehe das Ganze etwas differenzierter. Man kann nicht erwarten, dass der Kunstrasen fertig ist und zwei Wochen danach wird alles gut. Wir leiden heute noch unter strukturellen Fehlern, die vor fünf bis zehn Jahren in Sachen Mitgliederbetreuung und Vereinsmanagement gemacht wurden. Der Kunstrasen hat uns die Möglichkeit gegeben, wieder von Neuem anzufangen. In der Jugend sind wir in den unteren Altersklassen sehr gut aufgestellt, darüber sieht es derzeit nicht gut aus. Aber wir müssen jetzt eben von unten kontinuierlich aufbauen und arbeiten. Wir dürfen den Fokus zum Beispiel nicht mehr nur auf die erste Mannschaft legen. Natürlich wollen wir die Landesliga halten, aber sollten wir absteigen, würden auch Gelder und Ressourcen für andere Dinge frei. Mittelfristig haben wir dann vielleicht bessere Chancen, uns als Verein zu entwickeln. Aber das geht nicht von heute auf morgen. Wir wissen im Vorstand um die Problematik, da müssen wir jetzt gemeinsam durch.

Gehen wir die Problemfelder mal nacheinander durch. Wieso ist die erste Mannschaft nach dem Zwischenhoch unter Trainer Daniel Saleh wieder so aus der Spur geraten?

Berghausen Klar ist unsere Situation nicht rosig, aber wir haben drei Punkte mehr als zum selben Zeitpunkt der Vorsaison und da haben wir den Klassenerhalt ja auch noch geschafft. Aber wir können natürlich nicht leugnen, dass wir Probleme in der Mannschaft haben. Die haben wir in einem guten Gespräch vor dem letzten Spiel gegen Kapellen analysiert. Wir haben jetzt klare Vorstellungen, wo es hakt. Das müssen wir ansprechen und dann bis zur Winterpause so viele Punkte wie möglich holen.

Wo hakt es denn genau?

Berghausen Wir haben nun mal eine sehr junge Mannschaft, und in der wird nicht genug miteinander geredet. Die jungen Spieler brauchen Leader, aktuell ist Dennis Homann der Einzige, der diese Rolle ausfüllen kann. Auf seiner Position geht das aber nur bedingt. Hinzu kommt, dass wir in der Defensive große Probleme haben. Erschwert wird das Ganze dadurch, dass Schlüsselspieler nicht so funktionieren, wie sie es eigentlich könnten.

Zuletzt saß erstmals seit langem Dennis Richter auf der Bank. Er eigentlich das Zeug, ein Schlüsselspieler zu sein.

Berghausen Dennis Richter ist ein begnadeter Fußballer. Aber in seiner aktuellen Verfassung kann er einfach nicht genug nach hinten arbeiten, deswegen ist er auf der Doppelsechs derzeit fehl am Platz. Da fehlt uns jemand, der viel läuft und das Spiel des Gegners kaputtmacht. Da setzen wir große Hoffnungen auf die Rückkehr von Sean Herrmann. Ein anderes Beispiel ist Korbinian Beckers, der ein sehr verdienter Spieler im Verein ist. Auch er wird aktuell nicht seinen eigenen Ansprüchen gerecht. Die Probleme mit den Schlüsselspielern führen zu Reibereien im Team. Wir müssen wieder mehr eine Mannschaft werden.

Sind Ihnen noch keine Zweifel an der Landesligatauglichkeit Ihres Kaders gekommen?

Berghausen Ich bin der festen Überzeugung, dass die Mannschaft gut genug ist. Von den individuellen Fähigkeiten unserer Spieler her, sind wir sicher nicht schlechter als zum Beispiel Amern oder andere Teams in der Liga. Aber die Amerner machen uns vor, was es heißt, als Mannschaft aufzutreten.

Wird der 1. FC Viersen in der Winterpause personell noch mal nachlegen?

Berghausen Da bin ich grundsätzlich kein Freund von, weil es immer schwer ist, im Winter adäquate Spieler zu finden. Aber wegen unserer Defensivprobleme haben die Trainer den Auftrag, sich mal umzuschauen, was auf dem Markt ist.

Sie sprechen die Trainer an. Daniel Saleh wirkte zuletzt sehr unzufrieden mit dem Auftreten der Mannschaft und dünnhäutig. Haben Sie Befürchtungen, dass er zurücktreten könnte?

Berghausen Ich kenne ihn noch nicht gut genug, um das einschätzen zu können. Feststeht, dass wir als Verein nicht am Trainerteam zweifeln. An den Trainern liegt es nicht, sie stehen nicht zur Debatte. Einen weiteren Trainerwechsel wird es von uns aus nicht geben. Wir führen sehr konstruktive Gespräche, die in die Zukunft gerichtet sind. Wir müssen das spielfreie Wochenende nutzen, um den Kopf klar zu bekommen und das eine oder andere Thema offensiv im Team zu besprechen.

Die teils heftigen Niederlagen zeigen, dass es auch in den beiden anderen Senioren-Mannschaften Probleme gibt. Wieso kommt jetzt alles zusammen?

Berghausen Das ist Zufall und liegt im Fall der dritten Mannschaft an persönlichen Animositäten. Das war früher eine Thekenmannschaft, die überraschend den Aufstieg in die Kreisliga B geschafft hat. Da gab es Streitereien, so dass nur noch acht bis zwölf Spieler zur Verfügung stehen. Das ist zu wenig. Weil aber nach der Winterpause die Spieler unserer im Sommer aufgelösten A-Jugend dazukommen werden, löst sich das Personalproblem. Die zweite Mannschaft hat den Auftrag die Kreisliga A zu halten, das wird sie schaffen. Auch da gab es ein paar Kommunikationsprobleme, zum Beispiel war Trainer Olaf vom Ende nicht froh, dass er mal Spieler an die Drittvertretung abgeben sollte. Aber auch das wird es durch die Jugendspieler nicht mehr geben. Hinter den Kulissen sieht es bei weitem nicht so schlecht aus, wie es vielleicht nach außen scheint.

Sie spielen die Saison also mit drei Senioren-Mannschaft zu Ende?

Berghausen Davon gehe ich aus, die Weichen sind jedenfalls gestellt.

Die B-Jugend ist komplett zum TDFV Viersen gewechselt. Wie ist die Lage der Jugend-Abteilung insgesamt?

Berghausen Dazu habe ich eingangs ja schon etwas gesagt. Dass Karsten Rode als Jugendleiter im Sommer gegangen ist, war schade, hatte aber private Gründe. Ich behaupte, in der Jugend gibt es bei uns momentan mehr Aktivitäten und es wird zielgerichteter gearbeitet als noch vor fünf Jahren, unabhängig davon wie viele Jugendmannschaften wir haben. Zum Beispiel haben wir Kooperationen mit Schulen ins Leben gerufen, um Kontakt zu Kindern und Jugendlichen zu bekommen. Das kostet uns Geld, aber das ist wichtig für die Zukunft. Es macht einfach Spaß, wenn man sieht, dass Kinder sich bewegen wollen.

Glauben Sie, dass irgendwann mal wieder Spieler aus der eigenen Jugend den Sprung in die erste Mannschaft schaffen?

Berghausen Zunächst einmal wollen wir mit unseren Aktionen wieder das Interesse am Fußball wecken. Dann wäre es natürlich ideal, wenn sich der eine oder andere entscheidet, zu uns in den Verein zu kommen. Wobei ich auch eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung sehe, deswegen könnte ich damit leben, wenn die Schüler auch in andere Vereine gehen. Wir brauchen auf jeden Fall einen langen Atem, fünf bis zehn Jahre wird es dauern, bis mal wieder ein eigener Jugendspieler den Sprung in die erste Mannschaft schaffen kann.

In Sachen Jugendarbeit sollte Willi Kehrberg eine wichtige Rolle spielen. Haben Sie schon mal bereut, dass Sie ihn als Trainer entlassen haben und er sich in der Folge ganz verabschiedet hat?

Berghausen Ich finde es einfach schade, dass eine Person mit hohem fußballerischen Sachverstand und diesen Erfahrungswerten nicht mehr zur Verfügung steht. Aber was die Jugendarbeit anbelangt, hätte er sicher auch keine Wunder bewirken und auf einmal 80 Jugendliche herzaubern können. Es hat sich viel geändert, es gibt andere Voraussetzungen als vor zehn Jahren. Da muss man bei Adam und Eva anfangen. Und die Frage ist, ob Willi dazu Lust gehabt hätte. Aber wie heißt es doch so schön, man sieht sich ja immer zweimal im Leben.

Neben den sportlichen Problemen läuft auch noch das Stadionprojekt. Wie ist der Stand der Dinge?

Berghausen An den sportlichen Herausforderungen arbeiten wir, beim Stadionprojekt liegen wir zusammen mit der LG Viersen gut im Rennen. Nächste Woche gibt es noch mal Gespräche mit der Stadt, und die Ausschreibungen für die Bauarbeiten sollen rausgehen. Dann wird sich zeigen, ob wir mit dem veranschlagten Geld auskommen.

Noch mal zur Eingangsfrage: Wann wäre Ihre Schmerzgrenze erreicht, wann würden Sie nicht mehr weitermachen?

Berghausen Ich bin bis zum September 2018 gewählt. In meiner Position muss ich Gegenwind aushalten können, und ich habe ein dickes Fell. Trotz aller Probleme geht es weiter, wir müssen erhobenen Hauptes das Beste daraus machen. Ich habe ein gutes Vorstandsteam, das mit Herzblut dabei ist und sich ehrenamtlich jeden Tag den Hintern aufreißt.

Quelle: RP
 
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