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Waldniel
Ausstellung erinnert an 40 Jahre Theater-Liebe

Viersen. Die Tür zum Rathaus steht offen. Wer hinein will, muss sich dünn machen, so voll ist es. Am Eingang steht Lothar Lange und strahlt. Die Rührung darüber, wie viele Menschen gekommen sind, ist ihm anzusehen. Hinter ihm liegen sich die Gäste in den Armen. "Ina!" - "Barbara!" - "Wie schön, dass du da bist. Mensch, wie lange habe ich dich nicht gesehen!" Die Grüße fliegen hin und her. Vor den Stellwänden, die im Foyer des Rathauses aufgestellt sind, stehen die Gäste in Grüppchen. Bilder aus 40 Jahren Theater-AG am St.-Wolfhelm-Gymnasium sind dort zu sehen. Barbara Terbrüggen entdeckt auf einem der Fotos sich selbst - als "Jenny" in der Dreigroschenoper. Sofort stehen andere Mitspieler um sie herum: "Weißt du noch?"

Als Lothar Lange am 6. Juli 1976 im Büro des damaligen Leiters des Gymnasiums, Achim Besgen, stand, konnte er nicht ahnen, was aus diesem Gespräch werden würde. Eigentlich begleitete Lange, damals 30 Jahre alt, nur seine Frau Brigitte zum Antrittsbesuch an der Schule. Doch mit wenigen Sätzen war Lothar Lange bei seiner Leidenschaft, dem Theaterspiel. Und als er die Schule, an der er selbst nie unterrichtete, verließ, hatte er den Schlüssel zur Aula in der Tasche. Die Theater-AG war geboren.

Einige Schüler kamen zur AG hinzu, andere gingen. Die meisten blieben - und das deutlich über die Schulzeit hinaus. Thomas Schaut spielte in der ersten Aufführung die Hauptrolle, und am 3. Juni nun wird er diese Rolle wieder spielen, den "Faust", denn dieses Stück hat Lange für die Aufführung zum 40-jährigen Bestehen der Theater-AG gewählt. "Die Aktualität des ,Faust' ist schlagend. Das ist das, was uns umgibt. Hier findet die Kultur statt, über die in letzter Zeit so viel diskutiert wird", wird Thomas Loibl später in seiner Festrede sagen. Loibl, Jahrgang 1969, begann in der Theater-AG am St. Wolfhelm. Seit 23 Jahren ist er erfolgreicher Schauspieler auf Theaterbühnen und im Fernsehen. Fast schon bezeichnend ist die Anekdote, dass er bei seinem ersten Probenbesuch als kleiner Schüler den Seiteneingang der Aula nicht fand und dem Hausmeister, der ihn fragte: "Wo willste denn hin?" antwortete: "Zum Theater."

Auch einen anderen Augenblick hat Loibl nie vergessen. Als er anhebt, den Satz, den Lothar Lange dem Ensemble vor jeder Premiere sagt, zu zitieren, bewegen sich viele Lippen im Publikum: "Gebt dem Affen Zucker." Das bedeutet: Geht raus, gebt alles, begeistert die Menschen. Am liebsten, sagt Loibl, würde er "diesen Satz in Leuchtbuchstaben auf das Dach der Schule setzen lassen." Denn das solle Schule leisten: "Dass jemand seine Leidenschaft findet, auch Außergewöhnliches zu leisten." HEIKE AHLEN

Quelle: RP
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