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Ferienfreizeit
Beim Spielen Mut finden

Ferienfreizeit: Beim Spielen Mut finden
Die Kinder erlebten mit Katharina Linde (2.v.l.), Ralf Schröder (hinten Mi.), Dominik Schiffmann (2.v.r.) und Thomas Domonell eine tolle Woche. FOTO: Emily Senf
Viersen. Hewar steht mit nackten Füßen auf dem Nagelbrett und grinst. Der Zehnjährige kann sich gar nicht entscheiden, was ihm im Ferienlager am besten gefällt: Zirkusnummern wie das Fakir-Brett, Kistenklettern, Bogenschießen oder Fußball. "Ich fand alles cool", sagt der Junge im orangefarbenen T-Shirt. Mit ihm haben 29 Kinder und Jugendliche eine Woche lang in der Jugendherberge Hinsbeck gespielt, getobt und neue Freunde gefunden. Ihre Gemeinsamkeit: Sie alle stammen aus Familien, die aus ihrer Heimat geflohen sind.

Yasmin (10) ist wie Hewar mit ihrer Familie aus dem Irak nach Nettetal gekommen. Sie beschreibt, wie sie im Zirkuszelt der Jugendherberge oben auf der Plattform stand und von dort über das Seil gelaufen ist: "Ich hatte große Angst", sagt sie, "Aber ich habe es trotzdem geschafft." Die elfjährige Elisa aus Afghanistan ist stolz, wie schnell sie das Jonglieren gelernt hat. Diese Geschichten sind für Ralf Schröder, Mit-Organisator und Koordinator der Flüchtlingshilfe bei der Kolpingfamilie Nettetal, Erfolgsgeschichten. Denn das Ziel der Aktion von der Kolpingfamilie Hinsbeck und dem Förderverein Flüchtlingshilfe Nettetal war genau das: Die jungen Geflüchteten emotional stärken.

Das sei nicht immer ganz einfach, sagt Carolin Linde, deren Freiwilliges Soziales Jahr bei er Kolpingfamilie bald endet. "Sie haben alles sehr früh verloren und mussten lernen, am Existenzminimum zu leben. Das prägt", sagt die 19-Jährige. Am Anfang seien viele von ihnen egoistisch und leicht reizbar gewesen.

Um die Sieben- bis Zehnjährigen pädagogisch zu betreuen, waren zwei Erlebnispädagogen aus Köln dabei. "Mit Flüchtlingskindern zu arbeiten, ist eine gute Sache", sagt Dominik Schiffmann (32). Man müsse sie fordern, dürfe sie aber nicht überfordern. Die Gruppe besuchte außerdem den Aussichtsturm Hinsbeck und ließ sich durch das Stadion von Borussia Mönchengladbach führen.

Die meisten Geflüchteten sind seit rund einem Jahr in Nettetal, leben in Notunterkünften oder Wohnungen. "Wir hatten noch ganz viele Anfragen" sagt Carolin Linde. Sie hält das Angebot für sinnvoll: "Sonst sitzen die Kinder zuhause, weil sie nicht das Geld für das Schwimmbad oder den Zoo haben." Ralf Schröder würde das Programm gern wiederholen. "Es ist nur eine Woche, ich weiß", sagt er. "Aber dadurch führen wir die Kinder an unsere Kultur heran." Für eine weitere Aktion braucht er Spenden. Dieses Mal sprang die Caritas-Kinderhilfe Aachen ein. Emily Senf

Quelle: RP
 
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