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Niederkrüchten
"Eine ganze Messe in polnischer Sprache wäre noch toller"

Viersen. Die Stille in der Kirche St. Laurentius in Elmpt kurz vor Beginn des Gottesdienstes ist herrlich. Man hört ganz leise draußen die Vögel zwitschern, bevor die Glocke ertönt und Pastor Wolfram Weihrauch den Altarraum betritt. Rund 50 Menschen sind zum Gottesdienst gekommen, bei dem an jedem ersten Sonntag im Monat nun die Lesung und die Fürbitten auf Polnisch vorgetragen werden. Tobiasz und Mariola Kubiak leben zusammen mit ihrem zehn Monate alten Sohn Nikodam in Elmpt. "Die Heimatsprache zu hören ist schön", sagt die 25-Jährige.

Die Kubiaks haben Erfahrung damit, ihren Sohn während der Messe "zu beschäftigen". Der Kleine ist erstaunlich ruhig, man hört ihn ganz selten. "Er kennt das schon, wir gehen jeden Sonntag in die Kirche und besuchen einen polnischen Gottesdienst", sagt seine Mutter.

Dafür fährt die junge Familie jeden Sonntag 50 Kilometer pro Strecke in die Niederlande. "Das ist uns sehr wichtig und hat schon Tradition", ergänzt der 29-jährige Tobiasz Kubiak. Die deutschen Gottesdienste wollen sie nicht mit denen in ihrem Heimatland vergleichen: "Die sind ganz anders", sagt der Mann. Die Gottesdienste seien etwas länger, es kämen mehr Menschen in die Kirche, die Hostie werde den Menschen direkt in den Mund gegeben. Auch Kirchensteuer gibt es in Polen nicht. Die jungen Eltern sind erstaunt, dass sie in Deutschland automatisch vom Gehalt abgezogen wird, wenn man der Kirche angehört. "Alles, was in Polen gezahlt wird, ist freiwillig", sagt Mariola Kubik und ergänzt: "Und das finde ich auch gut so". Dem Paar fehlt die Heimat. "Besonders sonntags, wenn alle frei haben, da fühlt man sich in der Kirche den Familien näher", sagt Mariola Kubiak.

Für die mehr als 250 Polen, die zur Pfarrgemeinde St. Laurentius in Elmpt gehören, bietet die Kirche nun die Messen mit Lesung und Fürbitten auf Polnisch an. "Eine ganze Messe in Elmpt in polnischer Sprache wäre noch toller", finden die Kubiaks. Zum Gottesdienst am Sonntag sind viele, meist junge Saisonarbeiter gekommen, die in der Umgebung arbeiten und im Herbst wieder nach Polen zurückkehren.

Mariola Kubiak hingegen wohnt seit fünf Jahren in Elmpt. Bevor sie ihren Mann in einer Diskothek kennenlernte, arbeitete sie in den Niederlanden als Erntehelferin. Sie wurde schwanger, das Paar suchte sich eine Wohnung in Deutschland. "Elmpt war Zufall", sagt Tobiasz Kubiak. Zwei- bis dreimal im Jahr fährt die kleine Familie nach Polen, um Angehörige zu besuchen. Das Leben in Deutschland sei besser, man könne von einem Gehalt leben, sagen die beiden. Doch die Sehnsucht nach der Heimat ist groß: "Wenn wir im Lotto gewinnen, gehen wir zurück", witzelt die 25-Jährige. (janj)

Quelle: RP
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