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Nettetal
Fahnen zeigen Heimatgefühl von Flüchtlingskindern

Viersen. Baby und Totenkopf, Pistole und Herzen: Das sind die Bilder, die geflüchtete Kinder mit dem Begriff Heimat verbinden. Was sie bewegt, was sie erlebt haben, haben die Kinder aus verschiedenen Ländern gemalt, gezeichnet und als Fotos aufgeklebt. Entstanden sind dabei beeindruckende Collagen. Diese ungewöhnlichen Kunstwerke sind als riesengroße Fahnen zu sehen. Kulturfahnen heißt das Projekt, das jetzt im Bürgerbüro Breyell vorgestellt wurde, und das künftig als Wanderausstellung gezeigt wird.

"Kinder mit und ohne Fluchterfahrung haben tolle Fahnen erstellt, die von der kulturellen Vielfalt in diesem Stadtteil zeugen", sagte Fleur Vogel von der Landesarbeitsgemeinschaft Kunst und Medien NRW (LAG) in Dortmund.

Die zwölf großen Fahnen, die vorm Eingang des Bürgerbüros standen, machten Eindruck : Über drei Meter hoch, senkrecht und schmal, wehten sie bunt im Wind. Um sie herum stehen Künstler, Projektleiter und natürlich viele Kinder, die stolz ihre Werke zeigten, wie Maisa und Abdullah, Aliresa und Kinda, Ahmed und Said.

Zufrieden zeigte sich Manuela Nazemi-Bogda vom Bürgerbüro: "Das Projekt war Neuland für alle Beteiligten. Wunderbar, dass es so gut geklappt hat." In Kooperation mit der LAG, unterstützt vom Familienministerium NRW, hatte das Bürgerbüro Kinder zu einer Kreativwoche in den Herbstferien eingeladen. Die meisten kamen aus dem Wohnquartier Speckerfeld und waren zwischen acht und dreizehn Jahren alt. Sie setzten künstlerisch Themen wie "Komm, ich zeige dir mein Land" oder "Alte und neue Heimat" um.

Die Jungen und Mädchen malten Früchte und Tiere aus ihren Heimatländern, die Flaggen von Syrien und Afghanistan sind zu sehen, Totenköpfe als Symbol für Tod und Terror; sie klebten Bilder von Bergen und Autos auf.

Mit Unterstützung von den beiden Künstlern Beate Krempe und Waleed Ibrahim aus Willich wurden daraus die großformatigen Collagen. Krempe digitalisierte die Werke - so entstanden daraus bedruckte Fahnen, die auch Fotos der jungen Künstler und Zitate von ihnen zeigen.

"Unsere Schule in Afghanistan ist zerstört worden", schildert Aliresa. Ganz anders ist Abdullahs Beziehung zu seiner Heimat : "Ich kenne meine Heimat nur aus Erzählungen."

Manches konnten oder mochten die Jungen und Mädchen nicht darstellen, aber sie erzählten davon in der Werkwoche. So schilderte ein Kind, wie es auf der Flucht vor den Taliban in Afghanistan seinen Lieblingshasen retten wollte. Fest drückte es ihn beim Laufen an sich - als sich ein Schuss löste, traf er das Tier tödlich, die Kugel blieb in dessen Körper stecken - und das Kind überlebte. "Das geht einem schon nahe, wenn Kinder von solchen Erlebnissen auf ihrer Flucht erzählen", sagt Manuela Nazemi-Bogda.

In ihrer bunten Vielfalt strahlen die Fahnen etwas aus - sie sind auch Zeichen für die Hoffnung nach der überstandenen Flucht und für die Lebensfreude der geflüchteten Kinder in der neuen Heimat: "Meine Welt ist bunt und wunderschön", wird die achtjährige Maisa auf ihrer Fahne zitiert.

Fleur Vogel lobt dieses Projekt: Die LAG habe landesweit 26 Projekte gefördert. Die Breyeller Aktion, die übrigens die einzige in dieser Region ist, sei "sicherlich besonders bemerkenswert". Nach diesem erfolgreichen Projekt kann Nazemi-Bogda auch jetzt schon zufrieden sein über die Zusage für eine weitere Förderung. Im nächsten Jahr werde eine neue Aktion des Bürgerbüros in Kooperation mit der LAG gefördert: "Mit einem neuen inhaltlichen Schwerpunkt", kündigte die Bürgerbüro-Leiterin an.

Die zwölf "Kulturfahnen", jede ist 3,30 Meter hoch und auf Ständern montiert, sind als Ausstellung zum Beispiel für kulturelle, schulische, öffentliche oder kirchliche Einrichtungen konzipiert.

Laut Roswitha Karallus von der Stadtverwaltung ist geplant, die Fahnen im kommenden Jahr im Rathaus zu zeigen. Wer mehr über die Ausstellung wissen möchte, kann im Bürgerbüro Breyell mit Manuela Nazemi-Bogda telefonisch Kontakt aufnehmen unter 02153 957235.

Das Bürgerbüro in Trägerschaft des Caritasverbandes Kempen-Viersen ist die Zentrale der Gemeinwesenarbeit in Breyell-Speckerfeld; es dient als Beratungsstelle und Treffpunkt. Dort werden auch unterschiedliche Aktionen wie die ehrenamtliche Hausaufgabenhilfe koordiniert. Joachim Burghardt

Quelle: RP
 
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