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Begegnungsort
In der Tanzschule die Liebe gefunden

Viersen. Ein flüchtiger Blick zu dem jungen Mann in dem adretten Smoking, ein scheues Lächeln, bevor das Gesicht knallrot wird und die Konzentration wieder auf den Tanzunterricht gelenkt wird. Solche Berührungsängste werden heutzutage von Whatsapp, Facebook und weiteren Dating-Apps ganz einfach verhindert. Anders als noch vor rund 60 Jahren, als nämlich die Tanzschule eine Art Kontaktbörse für Jungen und Mädchen darstellte und beide Geschlechter eher zurückhaltend waren. "Damals hat man sich ja in der Tanzschule erst kennen gelernt", weiß Inge Fauth, Mitinhabern des Tanzstudios. "Heute kennt man sich ja bereits durch die Schule, aber früher gab es ja noch getrennte Klassenverbände, so dass die Mädchen und Jungen erst in der Tanzschule zusammen gefunden haben", erzählt sie. Sie selbst habe ihren Mann Eugen damals auch in der Tanzschule Fauth kennen gelernt, doch seien eben die Bedingungen heute ganz anders als noch vor rund 50 Jahren. "Heute gibt es keine Berührungsängste mehr. Jetzt kommen Paare, Eltern und Jugendliche zu uns, die hier ihrem gemeinsamen Hobby, dem Tanzen, nachgehen wollen", erzählt Inge Fauth.

Und das ist vielfältig. Neben Neuerungen wie Rockabilly- oder Hip-Hop-Kursen gibt es aber auch heute noch die klassischen Grundkurse der Standard-und Lateinkurse. Die wurden erstmals in den 1950er Jahren in der Tanzschule angeboten und waren bereits damals ein geselliger Treffpunkt für rebellische Mädchen und Jungen, die zu Rock'n'Roll und Swing ihrer Leidenschaft des Tanzens nachgehen konnten. Fast 60 Jahre später ist diese Leidenschaft noch immer ungebrochen, so Inge Fauth. "Viel geändert hat sich eigentlich nicht, der Ton ist lockerer geworden. Aber die Leute lieben das Tanzen noch genauso." Verändert haben sich jedoch die Ballettabteilung, die Inge Fauth 1967 gegründet hat, und die Jugendabteilung: Beide wurden größer. Was hinter jahrelangen erfolg steckt, weiß Inge Fauth auch: "Offenheit und Freude, das ist wichtig. Die Leute merken, wenn die Leidenschaft fehlt. Es ist schön, sich in die Mitte zu stellen und die Leute zu beobachten, während sie lernen", sagt sie. Teilweise kenne sie die Menschen seit 40 Jahren. "Man ist ein halbes Leben mit ihnen gegangen." Das Tanzstudio ist inzwischen für viele Menschen auch so etwas wie das zweite Zuhause. Nach wie vor steht das Tanzen im Mittelpunkt, aber auch Probleme werden angesprochen. "Die jungen Leute sprechen mit uns auch über ihre Sorgen, wir diskutieren dann und erzählen viel. Was gibt es Schöneres als so ein familiärer Umgang?", fragt Fauth. Auch die Kinder seien immer schon aufgeregt, wenn in den Ferien die Tanzkurse für sie starteten. "Die Kinder freuen sich, weil sie wissen, dass in den Ferien tolle Aktionen anstehen", so Inge Fauth.

All diese Momente und Erinnerungen machen für sie gemeinsam den schönsten Moment ihrer Karriere aus. Einen schönsten Moment zu benennen, fällt ihr schwer. "Generell kann ich nicht sagen, dass es den einen schönsten Moment gegeben hat. Der ganze Rückblick setzt sich aus vielen kleinen Teilen zusammen, die das ganze Große ausmachen", erklärt Inge Fauth. Dabei sei sie auch glücklich darüber, dass die Tanzschule bereits seit langen Jahren bestehe und in diesem Jahr ihr 80-jähriges Bestehen feiert. Auf ein besonderes Ereignis ist Inge Fauth dann aber doch besonders stolz. "Das erste Weihnachtsmärchen, das zum 35. Bestehen stattfand und das ich auf die Beine gestellt habe. Das war etwas ganz Besonderes." Isabelle Kessel

Quelle: RP
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