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Hinsbeck
Klezmer-Musik trifft heimische Dichtkunst

Viersen. Die 15. Veranstaltung der vom Männerkreis Lobberich-Hinsbeck in der evangelischen Kirche in Hinsbeck durchgeführten Jazzkonzertreihe wurde als Benefizkonzert für die Nettetaler Flüchtlingshilfe veranstaltet. Hierzu hatte man, wie Wilfried Niederbröcker vom Männerkreis in seiner Einleitung sagte, eine etwas weniger bekannte klassische Musik ausgewählt: die Klezmer-Musik (Musik der aschkenasischen Juden Osteuropas). Interpret war das bernshteyn-trio aus Grefrath, unterbrochen von passenden Texten des Niederrhein-Dichters Hanns Dieter Hüsch.

Mitglieder des bernshtyn-Trios sind Ute Bernstein (Geige und Vokal), Achim Lüdecke (Gitarre und Vokal) sowie Peter Hohlweger (Akkordeon).

Ute Bernstein stammt aus einer Musikerfamilie. Bereits mit fünf Jahren begann sie Geige zu spielen und liebte die klassische Musik. Bei einem Konzert von Giora Feldmann entdeckte sie 1997 die Klezmer-Musik für sich, nahm in der Folge an mehreren Workshops teil und fand dort ihre musikalische Heimat. Achim Lüdecke ließ sich von Ute Bernsteins Begeisterung anstecken. Durch seine Gitarre bereits mit der Folkmusik vertraut, konnte er sich leicht der gefühlvollen jiddischen Singweise annähern. Beide bildeten von 2004 bis 2014 das bernshteyn-Duo.

Dann kam Peter Hohlweger hinzu, der schon mit sieben Jahren Akkordeon-Unterricht erhielt. Nach dem Musikstudium an der Folkwang-Hochschule spielte er klassische Musik. Mehrere von ihm gespielte Solo- und Duo-Stücke für Orchester und Akkordeon erschienen bei verschiedenen Verlagen. Erst spät entdeckte Hohlweger bei einem Konzert des bernshteyn-Duos seine Liebe zur Klezmer-Musik und erweitert es seit 2014 zu einem Trio.

Klezmer-Musik ist die melancholische und zugleich lebensfrohe Musik der aschkenasischen Juden Osteuropas. In ihr drücken sie das Wehmütige des Exil-Daseins der Juden, aber auch ihre Lebensfreude aus. Beim Konzert in Hinsbeck verstanden es die Musiker hervorragend, diese Gefühle mithilfe ihrer Musik darzustellen - einmal voller Melancholie und dann wieder voller Lebendigkeit. Auch die Lieder in jiddischer Sprache verdeutlichten diese Gegensätze, die ewige Suche nach Liebe.

Zwischen den musikalischen Passagen trug Ute Bernstein Gedichte und Zitate des niederrheinischen Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch vor, die sich einerseits der Melancholie der Musik, an anderer Stelle dem lustigen und leichteren Leben zuwandten. Bei diesem Konzert wurden Klezmer-Musik und Hüsch zu verwandten Seelen, die zeitweise eine große Stille in der Kirche erzeugten. Anschließend folgte wieder fröhliche, lebenbejahende Musik, die sich mit Hüschs kabarettistischen Zitaten wechselte.

Es war somit ein Abend voller Kontraste, die die Besucher begeisterte und von ihnen mit großem Applaus bedacht wurden. Dank der Spendensammlung konnten die Veranstalter die Einnahmen des Benefizkonzertes an die Flüchtlingshilfe weitergeben. (heko)

Quelle: RP
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