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Gackernde Geschenke
Liesel legt bald Eier für den Likör

Viersen. Seit Februar gibt es die "Wohngruppe Am Kaiserpark" in Waldniel für Demenzkranke. Jetzt sind im Garten vier Hühner eingezogen. Sie sind eine Art verspätetes Einzugsgeschenk für die Bewohner der Demenz-Wohngruppe (WG), die im Februar eingerichtet wurde. Vier Hühner-Damen gehören ab sofort dazu.

Die Bewohner hatten ihre Ankunft aufgeregt erwartet, hatten sogar schon eine Liste mit möglichen Namen zusammengestellt. Als die Idee aufkam, im Atrium-Garten der WG auch ein Hühnerhaus aufzustellen, hatte Ellen Fiddrich, Geschäftsführerin des ASB, der dort die Pflege der Bewohner übernommen hat, der Gruppe das Haus geschenkt.

Jetzt wurde es aufgebaut. Ein Zaun verhindert, dass die Hühner an die Blumen und Wildtiere an die Hühner gehen. Es fehlten nur noch die Hühner. Wohnungseigentümer Hubert Wetzels, der das Haus so gebaut hat, dass die WG entstehen konnte, stellte sofort einen Kontakt zu Hermann-Josef Güldenberg, dem Vorsitzenden des Kleintierzuchtvereins Elmpt, her. Der suchte in seinem eigenen Bestand vier junge Hühner-Damen aus, die in Zukunft Eier für die Bewohner legen sollen. Lotte bekam als erste ihren Namen. "Das weiße Huhn sieht wie eine Lotte aus", sagt Claudia Kemkowski, die Leitung von Betreuung und Hauswirtschaft in der Wohngruppe. Sie erntet Zustimmung von den Bewohnern. Monika Forrester darf sofort ein Huhn auf den Schoß nehmen. Sie tauft es "Liesel", und Liesel macht es sich tatsächlich für einen Moment gemütlich zwischen den alten Menschen. Lotte ist ein Sundheimer Huhn, sie ist weiß. Liesel und Berta sind New-Hampshire-Hühner. Aber auch hier ist die Unterscheidung leicht: Liesel ist fast richtig orangefarben, stellen die Bewohner fest. Berta ist größer und eher braun. Das Quartett macht die schwarze Wally komplett. Sie ist ein Hühnermischling.

Nach wenigen Minuten im neuen Zuhause picken die vier eifrig im Gras. Jetzt warten die Bewohner der WG auf die ersten Eier. Derzeit machen die meisten Hühner eine winterliche Legepause, ab dem Frühjahr sollten die Bewohner täglich drei bis vier Eier im Stall finden. Sie freuen sich darauf. Auch die alte Dame, die als einzige nicht so gerne Hühner mag: Sie schätzt den Eierlikör, der in der Küche der Wohngemeinschaft zu besonderen Anlässen zubereitet werden soll. Hermann-Josef Güldenberg freut sich mit den Bewohnern. "Wenn wir mit unserem Schaubrüter in Altenheime kommen, dann vergessen die Bewohner meist völlig das Fernsehen. Sie wollen erleben, wie die Küken schlüpfen, und erinnern sich an vergangene Zeiten", erzählt er. (hah)

Quelle: RP
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