| 00.00 Uhr

Nettetal
Mit piepsenden Kurbeln auf der Suche nach Wasser

Viersen. Meter um Meter ins Erdreich hinab, Schülerin Kyra dreht und dreht, lässt das Maßband von der Kurbel immer tiefer durch die Öffnung der Messstelle sinken, bis plötzlich ein Signal ertönt: Die Kurbel piepst und blinkt. "Grundwasser bei acht Meter einundvierzig", verkündet Klaus Steves nach einem Blick aufs Maßband. Der Wassermeister der Stadtwerke Nettetal lässt die Teilnehmer des Projektkurses Naturwissenschaften am Werner-Jaeger-Gymnasium weitere Messungen und Untersuchungen im Gelände anstellen, bevor es zur Auswertung ins Wasserwerk Lobberich geht. "Hier sieht man, wie das Grundwasser von den Seiten wie bei einem Trichter in die Mitte zufließt", erläutert Steves die Computeranimation. Gegenüber der riesigen Schalttafel mit blinkenden Knöpfen, die die einzelnen Wasserstellen und Brunnen in der Region anzeigen, sitzen zehn Schüler, stutzen und staunen. "Ich hätte nicht gedacht, dass wir hier so gutes Wasser haben", meldet sich einer.

Der Experte sagt nickend: "Ja, wir sind hier schon gut dran, müssen zwar ordentlich filtern, aber nichts chemisch aufbereiten." Und zur Sicherheit werde das Wasser nicht aus der obersten Schicht entnommen, wo es durchaus auch Nitratbelastungen geben könnte, sondern aus zwei Schichten darunter, "so ab 80 Metern Tiefe".

Viel Praktisches und Nützliches erleben und lernen die Schüler über Hydrogeologie, der Wissenschaft vom Wasser in der Erdkruste. Das Seminar führen die Stadtwerke im Rahmen ihrer Schülerakademie durch, an der das Werner-Jaeger-Gymnasium mit dem Projektkurs Naturwissenschaften der Oberstufe teilnimmt. "Wir haben vier Module im Projektkurs, eins davon ist Gewässerökologie mit den Stadtwerken als Partner", erklärt Dirk Hintze. Der Lehrer für Bio und Chemie ist zwar angetan, dass seine Schüler mit viel Interesse und Neugier bei der Sache seien: "Aber das müssen sie auch, schließlich werden sie das Erlernte in einer Präsentation zusammenfassen, die benotet wird."

Da haben die Schüler ordentlich was vor der Brust, denn was sie am meisten überrascht, ist die große Palette an Arbeitsfeldern, für die die Stadtwerke zuständig sind: "Das geht ja von Straßenlaternen bis zur Trinkwasserversorgung", meint Sina. Die Organisation und Verwaltung in der Zentrale interessiert die 17-Jährige besonders: "Da gibt es ja auch im Büro interessante Berufsfelder."

Ansonsten sind die jungen Wissenschaftler viel unterwegs, eine Exkursion zur Uni Aachen steht auf dem Programm, dazu Vorträge und Feldversuche im Gelände ums Wasserwerk Lobberich. Und da muss Wasserwerker Steves erst mal erklären, wieso die Kurbel mit dem Maßband plötzlich piepst: "Im Maßband, dem Kabellot, sind zwei hauchdünne Kupferleitungen, die schwach unter Strom stehen und bei Kontakt mit Wasser den Kurzschluss-Alarm auslösen."

In der nächsten halben Stunde piepst es dann bei den Schülern unentwegt: Im Minutentakt sollen sie messen und auswerten, ob und wie das Wasser an den Messstellen absinkt. Und so drehen Kyra und ihre Mitschüler abwechselnd an der Kurbel, lassen das Maßband herunter, notieren die Piepstöne, die aus dem Wasser in der Erdkruste zu kommen scheinen. Tatsächlich aber piepst es nur aus der Kurbel. jobu

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Nettetal: Mit piepsenden Kurbeln auf der Suche nach Wasser


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.