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Viersen
Star-Cellist begeistert in der Festhalle

Viersen. Das ist bezeichnend für den Vollblutmusiker Alban Gerhardt: Er belässt es nicht bei einem Solobeitrag, sondern ist glücklich, wenn er noch mehr spielen kann. So auch beim 3. Sinfoniekonzert in der ausverkauften Viersener Festhalle. Von Heide Oehmen

Mit der ihm eigenen Intensität, gepaart mit ausdrucksvoller Tongebung und atemberaubend sicherer Technik, gestaltete der inzwischen in der künstlerischen Premiumliga angelangte Cellist den komplizierten Solopart der "Rokoko-Variationen" op.33 von Peter I. Tschaikowsky. Beim temperamentvollen Schluss löste sich eine der Saiten seines Instruments, und Gerhardt meinte zum Publikum gewandt: "Das ist mir schrecklich peinlich." Doch flugs war der Schaden behoben, und nach erneutem Stimmen schloss der Gast die zweite, in Teilen ebenfalls hoch virtuose Komposition an, das "Pezzo capriccioso", ebenfalls von Tschaikowsky. Der Beifall nahm frenetische Formen an und Gerhardt spielte solistisch "noch etwas von Bach", wobei er sein einzigartiges Matteo Goffriller-Cello singen ließ. Ein bewundernswerter Künstler, dem der Konzertbetrieb die Freude am Musizieren nicht genommen hat.

Nicht weniger begeistert als die Zuhörer waren die Mitglieder der Bochumer Symphoniker, die ihren Solisten mit Hingabe (Soloflöte in den Rokoko-Variationen) begleiteten. Sie wurden an diesem Abend von Conrad van Alphen geleitet, der unaufgeregt und überlegen mit sparsamer Zeichengebung führte.

Das Konzert begann mit der "Symphonie classique" Nr.1 D-Dur, in der Sergej Prokofjew (1891-1953) fantasievoll und mit einem gewissen Augenzwinkern Zitate der Musik der Wiener Klassik mit kompositorischen Mitteln des 20. Jahrhunderts anreicherte. Als "bestes Beispiel von Humor in der Musik" bezeichnete einst Leonhard Bernstein dieses Opus. So fein austariert die Mittelsätze gerieten - so hätte van Alphen den zündenden Einfällen zuliebe die Lautstärke in den Ecksätzen etwas zurücknehmen sollen.

Krönender sinfonischer Abschluss des Abends war die "große" Sinfonie Nr. 40 g-Moll KV 550, die zusammen mit der Es-Dur-Sinfonie (KV 543) und der "Jupiter"-Sinfonie (KV 551) den Höhepunkt des sinfonischen Schaffens von Wolfgang Amadeus Mozart bildet. In diesem singulären Werk stehen Affekte von Unruhe, Klage und Verzweiflung neben "schönen" Passagen, wie man sie von Mozart gewohnt ist. Die "Bochumer" und ihr kundiger Dirigent wussten alle diese Aspekte gültig und fesselnd zu vermitteln - besonders eindrücklich die Seufzermotive im zweiten Satz, die wenig später in die "Bildnisarie" (Zauberflöte) einfließen sollten. Das Auditorium war begeistert und applaudierte ausdauernd.

Quelle: RP
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