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Kreis Viersen
Sterbebegleiter gehen in die Grundschulen

Kreis Viersen. Wenn die Mitarbeiter der Hospizinitiative kommen, reagieren die Kinder oft unverkrampfter als ihre Eltern Von Silvia Ruf-Stanley

Sterben, Tod und Trauer sind vielfältig. Sie werden von jedem Einzelnen anders erlebt, erklärt Gerda Kretschmann von der Hospizinitiative Kreis Viersen. Seit 1993 gibt es die Initiative. Mehr als 60 ehrenamtliche Mitarbeiter begleiten Todkranke und ihre Familien in einer für alle Beteiligten schweren Zeit. Dazu gehört die Zuwendung für den Sterbenden genauso wie eine Entlastung der Angehörigen. Gerade pflegende Familien benötigen eine Auszeit, um entspannen zu können. Doch nicht nur Sterbende und ihre Familien stehen im Fokus der Initiative - die Sterbebegleiter gehen verstärkt in Schulen. Für die Kinder des dritten und vierten Schuljahres werden Projektwochen angeboten. "Eltern reagierten oft zurückhaltend, wenn die Schule dies plant", erzählt Kretschmann. Mit Kindern über den Tod, über das Sterben oder die Trauer zu reden, davor möchten viele Eltern ihre Kinder lieber schützen. Denn auch Erwachsene haben ihre Probleme mit diesem Thema. Aber die Schüler, so berichtet Kretschmann, gingen sehr unverkrampft damit um. Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen, die diese Projektwochen betreuen, sind zusätzlich zu ihrer Ausbildung zum Sterbebegleiter für die Arbeit mit den Kindern geschult.

Die eigentliche Ausbildung zum Sterbegleiter umfasst 120 Stunden. Dazu gehört im ersten Teil die Beschäftigung mit eigenen Trauererfahrungen aber auch der eigenen Endlichkeit. Denn erst wenn man sich damit auseinander gesetzt hat, kann man stark genug sein für diese Arbeit. Davon ist das Team der Hospizinitiative überzeugt. Es folgt in der Ausbildung ein mehr medizinischer Teil, der die vielen Möglichkeiten der heutigen Palliativmedizin aufzeigt. Aber es gibt auch Gespräche mit Bestattern oder ein Besuch in einem Krematorium. Am Schluss stehen Praktika in Altenheimen oder Hospizeinrichtungen.

In ihrer praktischen Arbeit versuchen die Ehrenamtler, möglichst genau auf die Bedürfnisse der Sterbenden und ihrer Angehörigen einzugehen. Dazu gehöre viel Einfühlungsvermögen, berichten Irmgard Klewitz und Jutta Berger. Manchmal seien sie nur ein paar Stunden in der Woche bei jemanden, ein anderes Mal besuchten sie einen Kranken täglich. Der eine möchte gerne beschäftigt werden, um sich abzulenken. Ein anderer genießt die Hand, die ihm gereicht wird. Leichte Massagen der Hand wirkten oft Wunder, erzählt Irmgard Klewitz. Da gelte es, eine möglichst passende Betreuung anzubieten. Daher ist Gerda Kretschmann froh, dass es einen großen Pool an Helfern gibt. So kann sie versuchen, auf alle individuellen Wünsche einzugehen. Für die Betreuung entstehen den Betroffenen keinerlei Kosten.

Quelle: RP
 
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