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Kreis Viersen
Stolpersteine auf dem Weg zur Geriatrie

Kreis Viersen: Stolpersteine auf dem Weg zur Geriatrie
Das St.-Irmgardis-Krankenhaus soll eine Geriatrie mit 60 Betten bekommen. Sanierung und ein neues Bettenhaus sind in Planung. FOTO: BUSCH
Kreis Viersen. Das St. Irmgardis hat den Zuschlag für die Altersmedizin erhalten. Doch Konkurrentenklagen, aber auch die Krankenkassen könnten dem Süchtelner Krankenhaus womöglich einen Strich durch die Planung machen. Von Sabine Janssen

Pünktlich zum Nikolaus-Tag vor knapp zwei Wochen konnte das St.-Irmgardis-Krankenhaus die frohe Botschaft verkünden, dass es vom NRW-Gesundheitsministerium mit dem Zuschlag für eine geriatrische Fachabteilung mit rund 60 Betten bedacht worden sei. Nun könne man glücklicherweise bald mit dem Neubau in Süchteln starten, so Sigrid Baum, Pressesprecherin von St. Irmgardis.

Süchteln erhält den Zuschlag für alle 65 Betten, die der Kreis Viersen erhält: 21 Betten sollen hinzukommen, 44 sollen umgewidmet werden. Kurzfristig könnten rund 30 Betten geschaffen werden. Für die Einrichtung der kompletten Abteilung ist eine Neubaumaßnahme nötig. Sie soll neun Monate nach Erteilung des Versorgungsauftrags in Anspruch nehmen.

Völlig in trockenen Tüchern ist der Zuschlag allerdings nicht. Durch mögliche Klagen von Krankenhäusern, deren Antrag auf Geriatrie negativ beschieden wurde, könnte sich das Verfahren erneut verzögern. Ein möglicher Einspruch könnte aus Tönisvorst kommen. "Wir werden intensiv prüfen, ob und wie wir dagegen vorgehen", sagte Regionalgeschäftsführer Michael Wilke.

Die Alexianer Tönisvorst GmbH hätten gern zumindest 20 bis 30 geriatrische Betten in den Ostkreis geholt. Nach Informationen unserer Zeitung hatten auch einflussreiche Kräfte aus dem Kreis Viersen Interesse an einer solchen Lösung. Baum rechnet nicht mit einer Verzögerung des Verfahrens: "Uns sind keine konkreten Klageabsichten bekannt", sagt sie. Nebenbei sei die Thematik von der Bezirksregierung umfassend geprüft und man gehe von einer planmäßigen Umsetzung des Bescheides aus.

Neun Krankenhäuser der Region hatten sich im Frühjahr um die Einrichtung einer Geriatrie beworben. Zum Hintergrund: Die Altersmedizin im Versorgungsgebiet 4, das den Kreis Viersen, den Rhein-Kreis-Neuss, Mönchengladbach und Krefeld umfasst, soll aufgebaut werden und mehr Betten erhalten. Ihre Vergabe war aus dem Krankenhausplan 2015 herausgelöst und vorgezogen worden. Der Plan sieht unter anderem einen Ausbau der Geriatrie vor, die in der Krankenhauslandschaft als Wachstumssektor gilt.

Zu den Krankenhäusern, die nach jetzigem Stand bei der Vergabe leer ausgegangen sind, gehören auch das Neuwerker Krankenhaus Maria von den Aposteln und die Kliniken Maria Hilf in Mönchengladbach. Sie warten bislang noch auf ihre Ablehnungsbescheide. Ebenso wie das Krankenhaus in Tönisvorst. Insider der Branche äußerten sich gegenüber unserer Zeitung verwundert, dass die Bescheide des Ministeriums nicht alle etwa gleichzeitig eingingen. Offenbar scheint die Postzustellung in der Vorweihnachtszeit seltsame Wege zu gehen: Während St. Irmgardis vor Nikolaus Kenntnis erhielt, erfuhren die Alexianer in Krefeld am vergangenen Freitag, also eine Woche später, von ihrem Glück.

Sie erhalten den Zuschlag für 30 Betten. In Neuss ging am Montag dieser Woche der Bewilligungsbescheid ein. Dazu das Gesundheitsministerium: "Im Rahmen der Krankenhausplanung werden die Entscheidungen den Antragstellern durch die jeweils Bezirksregierung bekannt gegeben. Wie in allen Behörden gilt dort das Prinzip der Arbeitsteilung, so dass von verschiedenen Bearbeitern Entscheidungen vorbereitet und nach behördeninternen Abläufen zur Versendung gegeben werden. Auch wenn die Region identisch ist, ist der Aufwand, die einzelnen Bescheide zu erstellen unterschiedlich."

Ungemach könnte für das Süchtelner Krankenhaus aber noch von anderer Seite drohen: Den Krankenkassen. Denn die sind mit dem Krankenhausplan 2015, zu dem der Aufbau der Geriatrie ja gehört, nicht im Reinen und wollen ihn wegen eines Formfehlers offenbar nicht akzeptieren. In einer Vorlage des Krankenhaus-Ausschusses des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) heißt es zum Krankenhausplan: "Hier wurde die Strategie der nordrheinischen Verbände der Krankenkasse und Ersatzkassen sehr schnell deutlich. Diese legen für ihre Planungsentscheidung nahezu ausschließlich die Leistungsdaten der Häuser in den vergangenen Jahren zugrunde und sehen auf dieser Basis keinen Anlass zur Beachtung der von den Bezirksregierungen errechneten Kapazitätsausweitungen aufgrund der Einwohnerzahl."

Und weiter: "Im Krankenhausplan NRW 2015 (. . .) werde die Regionalisierung ohne Ausnahme nach dem Pflegetagevolumen errechnet (. . .) Verteilungsmodell nach Einwohnern hätte vorher im Landesausschuss für Krankenhausplanung (. . .) beraten werden müssen. Dies sei nicht erfolgt und der Erlass habe daher für die Verbände keine Bindungswirkung." Baum rechnet allerdings auch hier nicht mit Folgen für den Aufbau der geriatrischen Fachabteilungen. Diskussionen seien normal, doch neu seien die Beschlüsse nicht: "Der Krankenhausplan ist seit Januar 2013 in Kraft und ich erwarte daraus keine Änderungen mehr für uns."

Quelle: RP
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