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Niederkrüchten
Strom tanken auf dem Campingplatz

Niederkrüchten: Strom tanken auf dem Campingplatz
Elektrofahrer Marc Grübel (links) und Campingplatzbetreiber Georg van de Weyer wollen mit der neuen Stromtankstelle Impulse für die Elektromobilität und den Tourismus geben. FOTO: Smets
Niederkrüchten. Elektroautos und -fahrräder können eine neue Stromtankstelle am Campingplatz Dilborner Mühle anfahren: Sie wird am Samstag um 10 Uhr eröffnet, die Fahrzeuge können dort ihre Akkus aufladen. Der Campingplatz verspricht sich davon neue Gäste. Von Jochen Smets

Es sieht aus wie ein Briefkasten. Doch die gelbe Box, die neuerdings am Campingplatz Dilborner Mühle steht, schluckt keine Post, sondern spendet Strom. Fünf Zapfstellen verbergen sich hinter der Klappe. Eine ist gerade besetzt. Marc Grübel tankt.

Über ein blaues Kabel fließt der Strom in seinen Citroën Saxo, den der französische Konzern Ende der 1990er Jahre als Teil einer Prototypen-Reihe für Elektroautos gebaut hat. Zwei Akkusätze treiben den Kleinwagen an, der mit einem kaum wahrnehmbaren Klick startet und dann lautlos dahinschnurrt. Zu hören sind lediglich die Rollgeräusche der Reifen. Auf 95 Stundenkilometer Spitzengeschwindigkeit kann Grübel damit beschleunigen. 125 Kilometer beträgt die Reichweite bei vollen Akkus.

Zuhause in Schiefbahn hat Grübel eine eigene E-Tankstelle, gespeist mit Ökostrom aus dem Netz und einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach. Mit 250 gleichgesinnten E-Auto-Fahrern hat er ein "Drehstrom-Netzwerk" gegründet: Jedes Mitglied kann beim anderen Strom laden. Niederkrüchten und Umgebung waren für Grübel, der Dauercamper an der Dilborner Mühle ist, bisher allerdings weiße Flecken auf der Strom-Landkarte.

Das hat sich nun geändert. Am kommenden Samstag, 1. September, eröffnet Bürgermeister Herbert Winzen um 10 Uhr die Stromtankstelle. Campingplatzbetreiber Georg van de Weyer hat die Anregung seines Gastes Marc Grübel aufgegriffen und die Einrichtung installiert. Die mit rund 700 Euro überschaubaren Kosten teilen sich van de Weyer und Grübels "Drehstrom-Netzwerk".

Wirtschaftlich lohnt sich das E-Auto für Grübel schon jetzt: "Ab einem Benzinpreis von 1,35 Euro pro Liter fahre ich mit Strom günstiger", hat er ausgerechnet. Über Benzinpreise ärgert er sich schon lange nicht mehr. Van de Weyer würde sich freuen, wenn Grübels Beispiel Schule macht. "Wir haben jetzt schon einige Dauercamper, die wegen der hohen Spritpreise nur noch jedes zweite Wochenende kommen", sagt er. Insofern sei die Stromtankstelle auch ein Beitrag zur Tourismusförderung: Gäste, die elektrisch anreisen und zwei Nächte bleiben, zahlen bis zum Jahresende nur für eine Über-nachtung, lautet sein Angebot.

An der neuen Stromtankstelle können Elektro-Autos und Elektro-Fahrräder ihre Akkus aufladen. Van de Weyer bietet diesen Service für Gäste des Campingplatzes oder der Gaststätte "Pferdestall" bis zum Jahresende kostenlos an.

"Getankt" wird vorerst noch konventionell erzeugter Strom. Doch mittelfristig will van de Weyer auf dem Campingplatz Dilborner Mühle eigenen Strom erzeugen – mit Photovoltaik und mit Wasserkraft: Dazu soll das alte Mühlrad restauriert werden. Dann liefert die Schwalm den Strom für die Elektromobilisten.

(RP/rl)
 
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