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Brüggen
Szenen aus der Weltliteratur — mit Tai Chi und Kampfsport

Brüggen: Szenen aus der Weltliteratur — mit Tai Chi und Kampfsport
Die Bewegungsabläufe der jungen Darsteller sind synchron, sie bewegen sich im Einklang. Auf Schloss Dillborn haben sie gezeigt, was engagierte Teilnehmer bei intensiver Arbeit mit zwei Profis in kurzer Zeit erreichen können. FOTO: Jörg Knappe
Brüggen. Mit einer Präsentation ging die Sommerschauspielschule des Niederrheintheaters auf Schloss Dillborn zu Ende

Donnernder Applaus belohnt die erste Etappe der Endpräsentation der achten Sommerschauspielschule: Die Bewegungsabläufe sind synchron. Die neun jungen Darsteller auf der Bühne im Theatersaal von Schloss Dilborn bewegen sich im Einklang. Wobei die Gruppenübung der 14- bis 19-Jährigen, die barfuß auf der Bühne stehen, eine Kombination von Tai Chi und Kampfsport ist. Dann wird es pantomimisch. Alle drehen sich um, ziehen einen imaginären Köcher über den Kopf und greifen zum Bogen. Umdrehen, Pfeil aus dem Köcher ziehen, Bogen spannen.

Neun Augenpaare verfolgen die in die Besuchermengen abgeschossenen Pfeile. Danach werden die Köcher ausgezogen und die Darsteller greifen zu fiktiven Kugeln, die sie ebenso ins Publikum werfen. Die Anstrengung ist ihnen anzusehen. Muskeln spannen sich, Gesichter verziehen sich, Mimik und Gestik sind völlig auf den Vorgang abgestimmt. Dann laufen die Bewegungen in Zeitlupentempo ab. Eine lautlose Präsentation, die die Zuschauer in den Bann zieht. Das gilt auch für die plötzlich explodierende Wut. Eine der jungen Darstellerinnen springt wie von Sinnen nach vorne und schleudert ihre Empfindungen von der Bühne herunter. Nicht nur ihre Stimme, sondern ihr ganzer Körper spricht.

Diese überzeugende Dynamik ist bei allen vorhanden. Das gilt auch für das völlig gegensätzliche Gefühl der Freude, die nahezu an Albernheit grenzt, das alle Teilnehmer der Sommerschauspielschule danach demonstrieren. Wobei jeder mit den gleichen Sätzen arbeitet, die beim Wutgefühl ausgesprochen wurden.

Zehn Tage lang haben die jungen Menschen mit Verena Bill und Michael Koenen vom Niederrheintheater gearbeitet und sind in die Theaterwelt eingetaucht. Was die Besucher zu sehen bekommen, ist exzellent. Dem ungewöhnlichen Auftakt schließen sich acht Szenen an, in denen jeder zeigt, was er gelernt hat. Ob Thea Rölkes in der Rolle der Lizzie aus "Der Regenmacher" oder Nadia Shahdoust in einer Szene des Stückes "Die Heirat", die sieben Frauen und zwei Männer gehen in ihren Rollen auf.

Die Besucher erleben einen Auszug aus dem Stück "Der Pelikan" mit Noha Neuen. Moliere grüßt mit "Die gelehrten Frauen", bei dem Julia Das und Johanna Peters zu sehen sind. "Die Glasmenagerie" wird dank Erik Pösken lebendig, und Annika Strey ist in "Das kunstseidene Mädchen" zu sehen. "Der Name" ist mit Fenna Stanschewski verbunden und Aurelia Föllner begeistert mit einem Auszug aus "Es bleibt ja in der Familie". Ein Abend, der zeigt, was engagierte Teilnehmer bei intensiver Arbeit mit zwei Profis in kurzer Zeit erreichen können.

(tre)
 
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