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Viersen
Techniker und Tröster an der Schule

Viersen. "Fragen Sie mal den Hausmeister": An der Lindenstraße ist das Paul Mackenstein für die Anne-Frank-Gesamtschule. Seit 2013 ist er der Mann für Vieles. Defekte Steckdosen hat der Käfer-Cabrio-Fan ebenso in Blick wie kullernde Tränen Von Daniela Buschkamp

Auch im Advent beginnt für Paul Mackenstein jeder Arbeitstag pünktlich um 6.30 Uhr. Der Hausmeister, der sich um dem Standort Lindenstraße der Anne-Frank-Gesamtschule kümmert, ist von Montag bis Freitag der Erste im Schulgebäude. "Ich schließe die Eingangstüren auf, gehe einmal durch die Außenanlage und schaue überall nach dem Rechten", schildert der 57-Jährige den Beginn eines Arbeitstages.

Allerdings: "Kein Tag ist wie der andere", sagt Mackenstein. Und doch sei jeder Arbeitstag interessant, auch wenn er nicht wirklich planbar sei. Genau diese Vielseitigkeit ist es, die Paul Mackenstein seit 1998 gern Schulhausmeister sein lässt. In der Adventszeit gehört es auch zu seinen Aufgaben, den hohen Weihnachtsbaum im Eingangsbereich der Gesamtschule zu schmücken. Paul Mackenstein hat die hohe Leiter aufgebaut, platziert die Lichterkette in den grünen, nadeligen Ästen und drapiert goldene Christbaumkugeln.

Als Schulhausmeister steht Paul Mackenstein oft im Zentrum des Schullebens: "Fragen Sie mal den Hausmeister", lautet ein typischer Satz. Mackenstein ist der Mann, der sich um viele praktische Dinge kümmert. Er ist auch derjenige, der Besuchern bei der Suche zum richtigen Klassenzimmer helfen kann - immerhin sind es 63 am Standort Lindenstraße, in denen Kinder und Jugendliche lernen. "Und manchmal bin ich auch ein Ansprechpartner und Tröster, wenn ein Kind nach einer schlechten Note traurig ist", sagt der Viersener. Außerdem sorgt Paul Mackenstein für die Sicherheit im Gebäude und auf dem Außengelände und hat ein Auge darauf, dass Unfälle vermieden werden können. "Nasses Laub kann im Herbst zur Unfallgefahr werden, ebenso wie eine zerbrochene Glasscheibe oder eine herausgerissene Steckdose", sagt der Schulhausmeister.

Dass Paul Mackenstein nach der eigenen Schulzeit noch einmal in eine Schule zurückkehren würde, war ein Zufall. Im Jahr 1975 hatte er eine Lehre als Elektrotechniker absolviert, danach in seinem Beruf gearbeitet. "Dann gab es die Überlegung, mit einem Partner die Firma zu übernehmen", erinnert sich Mackenstein. Doch als verheirateter Vater von drei Töchtern zog er die Sicherheit dem Risiko der Selbstständigekit vor. Als der Viersener von einer freien Hausmeisterstelle an der damaligen Ostschule hörte, bewarb er sich - und ging kurz danach wieder regelmäßig zur Schule. Insgesamt 15 Jahre war er an der Ostschule der Mann, der nach dem rechten sah. Dann wurde die Stelle an der Lindenstraße frei.

Wer Paul Mackenstein in seinem Erdgeschoss-Büro aufsucht, kann dessen Hobby gar nicht übersehen: Auf einem Nostalgie-Blechschild ist ein VW Käfer geparkt, ein Kalender zeigt ebenfalls den harmonisch geformten Klassiker mit den markanten Scheinwerfern. Und auch neben dem Foto von Frau und Töchtern steckt ein VW-Cabrio-Bild im Rahmen. "Mein allererstes Auto war ein VW Käfer", erzählt der Schul-Hausmeister. "Mein Traum war es immer, einmal einen Käfer Cabrio zu besitzen."

Doch manchmal kommt das Leben vor dem Lebenstraum. Bei Paul Mackenstein waren es die Hochzeit, der Hausbau und die Gründung einer eigenen Familie, die den Traum vom eigenen Käfer Cabrio in weite Ferne rückten. Bis sein Vater ihn an den lang gehegten Wunsch erinnerte - und ihm das Lieblingsauto vor 18 Jahren schenkte. Paul Mackenstein hatte lange nach "seinem" Käfer gesucht - in einem dunkelblauen Modell 13.03 vom Dezember 1978 fand er seinen Traum auf Rädern. "Auch wenn die Farbe nicht die Originallackierung ist, habe ich sofort gewusst: ,Das ist mein Käfer'", erinnert sich der Viersener. Besonders angetan hatte ihm das rote Dach. Immer wieder hat er Teile an seinem rollenden Käfertraum instandsetzen lassen. Neu ist die Innenausstattung in leuchtend rotem Leder, auf die Paul Mackenstein stolz ist.

Doch der Schulhausmeister fährt nicht nur Cabrio, er engagiert sich auch. Für den Käfer Cabrio Club (KCC) Niederrhein, zu dem rund 25 Mitglieder aus Krefeld, Mönchengladbach und Viersen gehören, betreut er die Homepage. Jährliche Ausfahrten und Stammtische zählen ebenso zum Clubleben wie das ehrenamtliche Engagement für das Gerhard-Tersteegen-Haus, in dem Kranke, alte und Pflegebedürftige leben. Zwei Mal haben KCC-Mitglieder dort eine kleine Käfer-Ausstellung organisiert und Ausfahrten in ihren Cabrios zum Kaffeetrinken organisiert. "Es ist unglaublich, wie viel Freude und Dankbarkeit man dabei erfährt", sagt Paul Mackenstein und lächelt.

Dieses Hobby ist sein Motor - für jeden weiteren Arbeitstag.

Quelle: RP
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