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Niederkrüchten
Teil des Flughafens ist jetzt Naturerbe

Niederkrüchten: Teil des Flughafens ist jetzt Naturerbe
Die DBU-Naturerbefläche Elmpt umfasst 250 Hektar. Kiefern- und Eichenwälder gibt es dort, Heide und Sandtrockenrasen. Dort leben seltene Tiere, zum Beispiel Ziegenmelker, Heidelerche und Schlingnatter. FOTO: DBU Naturerbe
Niederkrüchten. Auf dem ehemaligen Briten-Gelände in Elmpt hat sich eine wertvolle Landschaft entwickelt. Seltene Arten leben in dem Gebiet. Ausflügler dürfen die Fläche nicht betreten. Erst muss geklärt werden, ob dort Kampfmittel liegen Von Birgitta Ronge

Ein Teil des ehemaligen britischen Militärflughafens in Elmpt ist jetzt Naturerbe. Ein 250 Hektar großer Bereich ist in die Hände der DBU Naturerbe übergeben worden, eine gemeinnützige Tochter der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Sie übernimmt die naturschutzgerechte Betreuung und Verantwortung für die Fläche. Mit der Sparte Bundesforst der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) sollen die Naturschutzmaßnahmen umgesetzt werden, teilt die DBU Naturerbe mit. "Wir wollen diese wertvollen Lebensräume schützen und gleichzeitig die Natur erlebbar machen, soweit keine Gefahr für Besucher durch Munitionsbelastung besteht", sagt Werner Wahmhoff, stellvertretender Generalsekretär der DBU und fachlicher Leiter der DBU Umwelt.

Inwiefern das Gebiet durch die frühere militärische Nutzung belastet ist, ob dort Kampfmittel liegen, ist nicht klar. Das gesamte Gebiet ist eingezäunt, ein Teil ist Naturerbe. "Vor der Öffnung der DBU-Naturerbefläche Elmpt müssen wir zunächst noch Fragen der Munitionsbelastung klären", sagt DBU-Sprecherin Kerstin Heemann. Nach der jetzt erfolgten Besitzübergabe beginne man mit Phase 1: der Analyse vorhandener Aufzeichnungen und Archivunterlagen. "Dokumente werden gesichtet, um einschätzen zu können, ob eine Belastung vorliegt und wenn ja, mit welchen Kampfmitteln zu rechnen ist", so Heemann. Wenn notwendig, beginne die zweite Phase der Sondierung: die Suche vor Ort.

Sie verweist darauf, dass es neben der DBU Naturerbe weitere Flächenbesitzer gebe, zum Beispiel den Bundesforst. Auf dem gesamten Gelände befindet sich nicht nur der ehemalige Fluglatz, es gibt dort auch noch ein Munitionsdepot, Feuerlöschbecken und Gebäude, "die eine gewisse Gefahr beim Betreten darstellen können", so Heemann. Bevor man die Fläche für Besucher öffne, müsse man die Verkehrssicherung gewährleisten.

Peter Kolshorn von der Biologischen Station Krickenbecker Seen (l.) und Revierleiter Martin Wingertszahn haben die Info-Tafel aufgestellt. FOTO: DBU Naturerbe GmbH

Für alle, die mehr über die Naturerbefläche, ihre Besonderheiten und die militärische Historie wissen wollen, haben Revierleiter Martin Wingertszahn vom Bundesforstbetrieb Rhein-Weser und Peter Kolshorn, Gebietsbetreuer der Biologischen Station Krickenbecker Seen, jetzt eine Info-Tafel dort aufgestellt. Sie gibt auch durch Bilder Einblicke in die Tier- und Pflanzenwelt, die sich auf dem einstigen Militärgelände entwickelt hat.

Danach zeichnet sich die Fläche durch Wälder auf Dünenstandorten und nährstoffarmen Sandböden aus. Überwiegend stehen dort Kiefern, doch es kommen auch alte, bodensaure Eichenwälder vor. Ziegenmelker, Heidelerche und Schlingnatter sind dort zu Hause, Besenheide, Glockenheide und Silbergras wachsen dort. Revierleiter Wingertszahn warnt allerdings davor, dort spazieren zu gehen: "Die gesamte Fläche ist aufgrund der ehemaligen militärischen Nutzung belastet. Es ist somit von großer Bedeutung, dass das Betretungsverbot bis auf weiteres eingehalten wird."

Die heute für den Naturschutz so wertvolle Landschaft konnte sich durch die militärische Nutzung überhaupt erst entwickeln. Anflugschneisen etwa mussten vom Baumbewuchs freigehalten werden, so bildeten sich Heideflächen und Sandtrockenrasen. "Diese Flächen wachsen zu, wenn man sie nicht pflegt", warnt Biologe Kolshorn. Die Biologische Station Krickenbecker Seen habe schon Erhebungen in diesem Gebiet durchgeführt und Vorschläge für die Pflege gemacht. Solche Flächen können beispielsweise durch Beweidung, Abbrennen Mahd von Baumbewuchs freigehalten werden.

Das müsse "relativ dringend" geschehen, sagt Kolshorn, "auf dem Gelände in Elmpt droht die Heide zuzuwachsen". Die Bäume, die dort gewachsen sind, haben Kolshorn zufolge inzwischen eine Höhe von sieben bis acht Metern erreicht - für die seltenen Tiere, die dort leben, ist das gefährlich. "Ziegenmelker, Heidelerche, Schlingnatter und Zauneidechse leben in der Heide", sagt Kolshorn. "Die meisten dieser Vogelarten brüten auf dem Boden, finden dort Insekten als Nahrung. Verschwindet die Heide, verlieren die Tiere ihre Lebensgrundlage. Dann verschwinden auch sie.

Quelle: RP
 
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