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Viersen
Theater spielt gegen Cybergrooming an

Viersen: Theater spielt gegen Cybergrooming an
Theaterstück " Hast du mal ein Bild von dir ?" mit Michael Koenen und Verena Bill. FOTO: Busch, Franz-Heinrich sen. (bsen)
Brüggen. Das Niederrheintheater möchte Schüler für die Gefahren im Internet sensibilisieren und zeigt ein Stück, in dem sich ein sexueller Übergriff im Netz anbahnt. "Hast du ein Bild von dir?" wurde gemeinsam mit der Polizei entwickelt. Von Elena Orths

Lara steht mit ihrem Freund Tom an der Bushaltestelle. Sie schwärmt davon, was sie bei Facebook und in anderen Sozialen Netzwerken erlebt. "Einmal war ich sogar 'ne ganze Nacht online", erzählt sie aufgeregt. Ein ironisches "Wow!" geht durch das Publikum. Beeindruckt ist das Publikum nicht gerade von dieser Aussage. Die meisten von ihnen – die Zuschauer sind Neuntklässler von der Gesamtschule Brüggern – dürften auch schon mehr als einmal die Nacht hindurch YouTube-Videos geschaut oder Nachrichten verschickt haben. Jetzt waren Siebt- bis Neuntklässler der Gesamtschule Brüggen beim Niederrheintheater im Schloss Dilborn zu Gast und sahen sich die Premiere des Stücks "Hast du ein Bild von dir?". Das Stück stellt Cybermobbing und die Gefahren des Internets in den Mittelpunkt.

Die Geschichte der 13-jährigen Lara aus Mönchengladbach, die sich zunächst bei sozialen Netzwerken anmeldet und später von einer 40 Jahre älteren Internetbekanntschaft entführt wird, ist an dem realen Fall eines vermissten Mädchens angelehnt. Die Schauspieler Verena Bill und Michael Koenen verkörpern in dem Stück alle Figuren, etwa die besorgte Mutter oder einen Fernsehmoderator. Die jeweilige Rolle wird durch T-Shirts mit verschiedenen Aufschriften gezeigt. 2008 wurde das Stück in Krefeld uraufgeführt, entwickelt in Kooperation dem Kinderschutzbund Krefeld und der Polizei.

Das Niederrheintheater zeigt das Stück der heutigen Internetwirklichkeit gemäß aktualisiert. Die Themen Cybergrooming (sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche, die sich im Internet anbahnt) und Cybermobbing sind die zentralen Themen des Stücks. Die Schüler reagieren unterschiedlich auf das Gebotene: Manche schauen nachdenklich zu, andere kommentieren jede Szene. Als Lara ihren neu angeschlossenen Laptop vom Tisch nimmt und sich damit auf eine Bank setzt, kommt von einem Jungen aus den hinteren Reihen die Bemerkung: "Jetzt ist er doch nicht mehr angeschlossen!". Die Schüler nehmen die Szenen sehr genau. Das Stück will schließlich ihre Lebenswirklichkeit abbilden.

Lara meldet sich bei Facebook an und Tom meint, je mehr Informationen sie angibt, desto interessanter wirkt sie. Also steht neben ihrem Beziehungsstatus und ihrem Geburtsdatum bald auch ihre Adresse im Internet. Tom zeigt Lara sein Facebookprofil. Er hat über 230 Freunde, manche gar aus anderen Ländern, etwa Frankreich. Tom zeigt ihr die Welt der Chats. Das sei wie ein riesiger Maskenball, sagt er. Lara lässt sich ein, lernt im Internet einen Unbekannten kennen und verliebt sich in ihn, denn sie meint, er verstehe sie.

Zuletzt ist sie weg. Auf der Bühne liegen nur noch ihr T-Shirt und ihr Handy.

Quelle: RP
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