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Veranstaltungs-Tipps
Theaterklasiker "Schuld und Sühne" in Krefeld

Viersen. Am Samstag feiert "Schuld und Sühne" Premiere. Krefelds Schauspieldirektor Matthias Gehrt inszeniert den 800-Seiten-Roman in der Bühnenfassung von Andrzej Wajda. Die drei zentralen Rollen übernehmen drei Schauspieler, die in Krefeld bisher noch gar nicht oder lediglich in kleineren Rollen zu sehen waren

Thomas Mann hielt "Schuld und Sühne" für den besten Krimi der Weltliteratur. Für Krefelds Schauspieldirektor Matthias Gehrt steht fest: Dostojewskis Hauptfigur Raskolnikow ist neben Jack the Ripper zumindest der berühmteste Mörder.

Immerhin begeht der völlig verarmte Student in "Schuld und Sühne" das perfekte Verbrechen. Doch kaum hat er eine alte Wucherin getötet, um mit dem geraubten Geld sein Studium zu finanzieren, muss er einen zweiten Mord begehen - und sein Gewissen setzt ihm so zu, dass er krank wird und fieberhaft einen Weg sucht, mit seiner Schuld klarzukommen. Der innere Kampf mit sich und mit dem Untersuchungsrichter Petrowitsch, der die Morde aufklären will, sind ein zentraler Aspekt in Gehrts Inszenierung. Am kommenden Samstag, 26. November, um 19.30 Uhr, feiert "Schuld und Sühne" Premiere im Theater.

Das zweite wesentliche Thema ist Raskolnikows "Mensch-Laus-Theorie". Der hoch begabte Student, der in ärmlichsten Verhältnissen haust, ist von der Überzeugung besessen, dass es außergewöhnliche Menschen gibt, die auch das Recht haben, gewöhnliche Menschen zu töten, um den Fortschritt mit den außerordentlichen Menschen zu ermöglichen. Vor den Diktatoren Stalin und Hitler hat Dostojewski (1821-1881) die Frage nach dem Wert des Lebens gestellt und seelische Abgründe gezeigt, wenn Nächstenliebe und Mitgefühl ausgeschaltet sind.

Dritter zentraler Punkt ist das Verhältnis zu Gott - das Dostojewski vor allem an der Figur der tiefreligiösen Prostituierten Sonja behandelt.

Die drei Hauptfiguren sind die Achsen, um die sich die Bühnenfassung dreht. Die 800-seitige Romanvorlage hat ein doppelseitiges Personenregister und ist auch erzählerischer so komplex, dass es ohne Einkochen gar nicht geht. "Das hat auch Dostojewski selbst gesagt. Denn kurz nachdem der Roman im Jahr 1866 als zwölfteilige Fortsetzung in einer Zeitung erschienen war, kamen die ersten Wünsche, ihn zu dramatisieren", erzählt Gehrt. Die Krefelder haben sich für die Dramatisierung des vor wenigen Wochen verstorbenen polnischen Film- und Theaterregisseurs Andrzej Wajda entschieden.

In den drei Hauptrollen stellen sich in Krefeld auch drei Schauspieler vor: die jungen Neuzugänge Philipp Sommer (Raskolnikow) und Anna Pircher (Sonja) sowie Michael Ophelders, der bisher nur in kleinen Rollen auf der Krefelder Bühne zu sehen war.

Das Publikum soll die Frage nach Schuld und Sühne aus der Perspektive des Mörders Raskolnikow erleben. Deshalb wird die Bühne, für die Gabriele Trinczek verantwortlich ist, ein Raum sein, der Raskolnikows Denken und Wahrnehmen abbildet: Es ist immer dunkel, immer heiß und voller wuselnder Menschen. Petra Wilke, deren Erfahrung, Stoffe historisch und alt wirken zu lassen, auch beim Film gefragt ist, wird die Kostüme dem späten 19. Jahrhundert nachempfinden, alt, arm, schäbig. "Und das bedarf extrem aufwändiger Bearbeitung", sagt Gehrt.

Petra Diederichs

Premiere Am kommenden Samstag, 26. November, um 19.30 Uhr, Theater Krefeld, Theaterplatz 3. Dauer: circa 2,5 Stunden, eine Pause. Kartenreservierung ist vorab möglich unter der Telefonnummer 02151 805125. Die Theaterkasse ist geöffnet montags bis freitags von 10 bis 19 Uhr, samstags von 10 bis 14 Uhr. Die Abendkasse öffnet eine Stunde vor Beginn der Vorstellung. Tickets sind erhältlich von 36 bis 15 Euro.

Quelle: RP
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