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Todesfälle in Brüggen
Warnung vor Krebs-Wunderheilern

Todesfälle nach Therapie in Brüggen-Bracht:: Warnung vor Krebs-Wunderheilern
Das alternative Heilzentrum in Brüggen-Bracht. FOTO: Jungmann, G�nter
Exklusiv | Viersen. Nach dem Tod von Patienten einer Naturheilpraxis in Brüggen fordert Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe Konsequenzen. Rufe nach Kontrollen von unseriösen Therapeuten werden laut. Von M. Bröcker, W. Goertz, D. Hüwel und J. Isringhaus

Die Todesfälle von vier Patienten einer alternativen Krebspraxis in Brüggen sorgen für Unruhe am Niederrhein. Der Kreis Viersen untersagt dem Heilpraktiker, weiter im Kreisgebiet tätig zu sein und empfiehlt, dem Mann die Erlaubnis zu entziehen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung. Es besteht der Verdacht, dass die Behandlungsmethoden mit den Todesfällen in Verbindung stehen. Ein kausaler Zusammenhang ist aber noch nicht bewiesen.

Laut niederländischen Medien ist jetzt ein vierter Patient nach einem Besuch des Klaus-Ross-Zentrums für alternative Krebstherapie in Brüggen-Bracht gestorben. Die Polizei warnt: "Wer sich einer Krebsbehandlung dort unterzogen hat, sollte sich in fachkundige Behandlung begeben."

Info: Die wichtigsten Brustkrebs-Therapien FOTO: dpa, Patrick Seeger

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) zeigte sich erschüttert über die Todesfälle. "Es ist richtig, dass die zuständigen Strafverfolgungs- und Aufsichtsbehörden die Fälle zügig aufklären und auch deutliche Warnungen ausgesprochen haben. Die Verabreichung von Substanzen, die nicht zugelassen sind und sich in einer Grundlagenforschung befinden, ist nicht vertretbar." Selbst dann nicht, wenn Patienten diese Methode ausdrücklich wünschten, so Gröhe.

Experten verlangen eine schärfere Kontrolle von selbst ernannten Krebstherapeuten durch die Aufsichtsbehörden. In den Niederlanden verhindert es die staatliche Aufsicht, dass etwa Heilpraktiker eigenmächtig gefährliche oder unerprobte Medikamente verabreichen oder anbieten. "Ich fände eine Regelung sinnvoll, dass jeder Krebspatient, bevor seine Krankenkasse eine alternativmedizinische Therapie bewilligt, von einem Onkologen untersucht und beraten worden sein muss", forderte der Medizin-Professor Norbert Gattermann von der Uniklinik Düsseldorf. So könne verhindert werden, dass Patienten etwa bei Lymphdrüsenkrebs einen falschen und gefährlichen Therapiepfad einschlügen.

Der Brüggener Heilpraktiker wird auch in Praxen in Bottrop und Kamp-Lintfort aufgeführt. Da der Mann möglicherweise auch in anderen Orten tätig war oder ist, hat das NRW-Gesundheitsministerium alle Gesundheitsämter auf den Vorgang hingewiesen. Die Gesundheitsämter führen die Aufsicht über Heilpraktiker und können "Kontakt mit Polizei und Staatsanwaltschaft aufnehmen", wie eine Sprecherin mitteilte.

Wirkstoff noch in der Grundlagenforschung

Der Wirkstoff 3-Bromopyruvat (3-BP), der den Patienten in der Praxis verabreicht wurde, befindet sich nach Angaben des Krebsinformationszentrums Heidelberg noch in der Grundlagenforschung. Er muss wie jeder andere Wirkstoff klinische Tests in drei Phasen durchlaufen, in der ersten Phase an freiwilligen Patienten. Das Präparat ist somit nicht zugelassen.

Weil der Heilpraktiker seine Patienten nach dem Auftreten von Beschwerden mit Vitaminen behandelt haben soll, statt den Notarzt zu rufen, hatte die Amtsärztin Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Krefeld gestellt.

Das können Anzeichen von Brustkrebs sein FOTO: Kooperationsgemeinschaft Mammographie

Auf der Internetseite teilte die Praxis noch am Freitag mit: "Das aktuell beste Präparat zur Tumorbehandlung zeigt sich in der Nutzung von 3-Bromopyruvat, das effektiver ist als die heutigen Chemotherapeutika." Für diese Aussage gibt es keine wissenschaftliche Grundlage. Krebskranken wird aber eine optimale Therapie suggeriert. "Dubiose Heilversprechen nutzen nur dem Therapeuten, denn der verdient viel Geld", sagt der Naturheilkunde-Professor Josef Beuth von der Uniklinik Köln. Auf deren Liste wird das Präparat nicht erwähnt.

Quelle: RP
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