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Brüggen
Touristenattraktion mit Wehrfunktion

Brüggen: Touristenattraktion mit Wehrfunktion
Die Stämme von Eichen und Ahornbäumen liegen aufgeschichtet neben dem Bouleplatz. Die Baumfällarbeiten dauern voraussichtlich zwei Wochen. FOTO: Busch
Brüggen. In Brüggen haben die Baumfällarbeiten auf dem Burgwall begonnen. Morgen beschäftigt sich der Ausschuss für Tourismus mit der Umgestaltung des Walls. Die Grünen schlagen vor, ihn so zu gestalten, wie er 1793 aussah Von Birgitta Ronge

Am Burgwall kreischen die Motorsägen. In den kommenden zwei Wochen sollen große Bäume gefällt, andere beigeschnitten werden - aus Sicherheitsgründen noch innerhalb der Schutzzeit. Gestern Morgen waren Mitarbeiter eines Forstbetriebs damit beschäftigt, die ersten Eichen und Ahornbäume zu fällen. Nach und nach wird der Wall sichtbar werden, den die Burggemeinde jetzt umgestalten will.

Morgen Abend sind die Umgestaltung des Walls und die Sanierung der denkmalgeschützten Kasematten Thema im Ausschuss für Wirtschaftsförderung, Stadtmarketing und Tourismus. Im Juli hatten die Fraktionen verabredet, bis zu dieser Sitzung Stellungnahmen dazu abzugeben, wie sie sich das weitere Vorgehen vorstellen. Im August schickte die CDU ihre Stellungnahme an die Gemeindeverwaltung, am Montag gaben nun auch die Grünen ihre Stellungnahme ab. Stellungnahmen der übrigen Fraktionen (SPD, FDP, AWB, UBW) standen bis gestern Abend noch aus.

Die CDU spricht sich dafür aus, die Kasematten zu sichern, aber nicht aufwendig zu rekonstruieren. Sie befürwortet eine multimediale Führung durch die Kasematten ebenso wie behindertengerechte Zugänge zu den Kasematten und die kurzfristige Abholzung des gesamten großen Baumbestands, um die Gefahr für Fußgänger und Kasematten endgültig zu beseitigen.

Die Grünen möchten, dass die westliche Kasematte begehbar und vom Burgweiherplatz aus barrierefrei zugänglich gemacht wird. Außerdem wollen sie die östliche Kasematte gesichert wissen, sie ist in Teilen einsturzgefährdet. Dabei sei das unterirdische Klima "so zu gestalten, dass Salze die Baustoffe nicht angreifen", erläutert Fraktionschef René Bongartz. Auch um die Ursachen einzelner Schäden zu erforschen, wollen die Grünen fachlich fundierte Diagnosen. "Der Burgwall mag ein unscheinbares Bauwerk sein", führt Bongartz aus, doch stehe für alle bislang beteiligten Fachleute fest, "dass wir es mit einem seltenen, wertvollen und nicht zuletzt infolge einer 200 Jahre währenden Geringschätzung sensiblen Bauwerk zu tun haben."

Die 200 Jahre währende Geringschätzung lässt sich Bongartz zufolge an historischen Ereignissen festmachen. Wie Bernhard Röttgen in seiner Schrift "Brüggen und Born im Schwalmtal" erläutert, gab es schon früh eine Umgürtung mit Mauern, Türmen und Wassergraben. Im 16. Jahrhundert errichtete man Gräben und Erdwälle, die durch Zäune und Palisaden gesichert wurden. Die Wälle bepflanzte man "mit sich schnell entwickelnden Bäumen, deren Wachstum durch Abschneiden der Spitze seitwärts gelenkt wurde, sodass schon bald ein wahres Durcheinander von Ästen und Zweigen entstand." Bongartz nimmt an, dass der Burgwall noch so aussah, als die Franzosen 1794 einrückten. Er schlägt deshalb vor, den Burgwall wieder so zu gestalten, wie er 1793 aussah - also bevor der Wall seine Wehrfunktion verlor. Denn danach gelangte die Burg in Privatbesitz, der letzte Brüggener Amtmann übernahm sie. Dieser habe die Bäume wachsen lassen, "und das ist auch der Grund, warum die ältesten Bäume, die jetzt gefällt werden, 200 Jahre alt sind", sagt Bongartz. Zum Glück gebe es schriftliche Zeugnisse, die zeigten, dass der Burgwall eigentlich kein Wald sei. Der nach historischem Vorbild gestaltete Wall könnte eine touristische Attraktion werden, hofft Bongartz: "Man besucht doch eine Burg, um zu sehen, wie es früher aussah."

Quelle: RP
 
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