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Viersen
Über London und Sydney nach Viersen

Viersen: Über London und Sydney nach Viersen
Die Pianistin Sivan Silver und ihr Partner Gil Garburg (2.v.l.) mit dem Vogler-Quartett - Tim Vogler (Violine, l.), Frank Reinecke (Violine, 3.v.r.), Stefan Fehlandt (Viola, 2.v.r.) und Stephan Forck (Violoncello, r.) - auf der Bühne der Viersener Festhalle. FOTO: Franz-Heinrich Busch
Viersen. Das Piano-Duo Silver und Garburg und das Vogler-Quartett begaben sich in der Festhalle auf neue Kammermusik-Pfade. Zwei der drei gespielten Werke hatte vermutlich bisher keiner der Zuhörer in dieser außergewöhnlichen Fassung erlebt Von Heide Oehmen

Der Abend in der Viersener Festhalle begann mit acht "Contrapuncti" aus der "Kunst der Fuge" von Johann Sebastian Bach. Dieses komplexe Werk, für das es vom großen Thomaskantor keinerlei Besetzungsvorgaben gibt, ist immer wieder in unterschiedlichsten Instrumenten-Konstellationen zu hören. Gängig ist die Wiedergabe auf der Orgel oder - wie hier - mittels Streichquartett.

Das renommierte und weit gereiste Vogler-Quartett, das bereits seit 32 Jahren in der Besetzung Tim Vogler (erste Violine), Frank Reinecke (zweite Violine), Stefan Fehlandt (Viola) und Stephan Forck (Violoncello) besteht, wusste mit klarer Linienführung das kontrapunktische Geflecht zu entwirren und den Zuhörern des zweiten Kammerkonzerts der Spielzeit in der Festhalle nahezubringen.

Auf der Suche nach Erweiterung ihres Repertoires haben die Voglers das exzellente Piano-Duo Silver und Garburg gefunden - ein Glücksgriff. Die beiden jungen Israelis Sivan Silver und Gil Garburg hatten zunächst - jeder für sich und bereits vielversprechend - eine Solokarriere im Sinn. Dann begegneten sie sich, wurden ein Paar und beschlossen, auch gemeinsam zu musizieren. Ungeachtet weltweiter Konzertverpflichtungen, berief die Kunstuniversität Graz die beiden Pianisten auf eine der wenigen Professuren für Klavierduo, die es gibt, an ihr Institut.

Silver und Garburg sind, abgesehen von ihrem exquisiten technischen Standard, eine staunenswerte musikalische Einheit. Sie ist die Temperamentvolle, die im Diskant Glanzlichter setzt, er, als vollendete Ergänzung, der ruhende Pol im Bassbereich. Täglich sechs Stunden verwendet das Duo darauf, dieses absolut kongruente Miteinander zu erlangen.

Diese Tugenden übertrugen die Künstler auch auf das Musizieren mit dem Quartett. Dafür hatten sie die Sonate B-Dur D617 für Klavier zu vier Händen von Franz Schubert ausgesucht, die Richard Dünser sachkundig für Klavier und Streichquartett bearbeitet hat. Die beiden Pianisten und die Streicher vermochten es, in beschwingtem, minutiös abgestimmtem Miteinander die klanggesättigte Unbeschwertheit des Werks mit gezügeltem Temperament und musikantischem Schwung zu vermitteln.

Noch weit mehr gefordert waren die sechs Musiker beim Oktett Es-Dur op.20, das Felix Mendelssohn Bartholdy für die legendären "Sonntagskonzerte" im Haus seiner Eltern in Berlin schrieb und das bereits die kompositorische Reife des damals erst 16-Jährigen offenbart. Das ursprünglich für acht Streicher komponierte Opus, mit dem sein Schöpfer "einen sinfonischen Klang" darstellen wollte, hat Carl Burchard stilsicher für Klavier zu vier Händen und Streichquartett bearbeitet. Das Sextett stürzte sich mutig in die enormen Schwierigkeiten und die klanglichen Schönheiten des viersätzigen Tongemäldes, das ebenfalls überzeugend gelang. Hierzu sei noch besonders der dritte Satz, das "Scherzo", erwähnt, das unüberhörbar Mendelssohns "Sommernachtstraum" vorwegnimmt. Das gebannt lauschende Publikum feierte die Gäste in der Festhalle mit Bravorufen und ausdauerndem Applaus, und diese dankten gerne mit einer Zugabe - eben diesem "Sommernachtstraum"-Scherzo.

Quelle: RP
 
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