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Viersen
Umfangen von Klang und Licht

Viersen: Umfangen von Klang und Licht
Die Musiker dankten für "den wunderbaren Raum, der so schön klingt" - die Kirche St. Remigius, in die der Förderverein für Kirchenmusik eingeladen hatte. FOTO: Busch
Viersen. Das Byggeset-Orchestra gab in der Viersener Kirche St. Remigius ein besonderes Konzert. Von Angela Wilms-Adrians

Warmes Rot und mattes Blau, zuweilen mit einem Changieren ins Violett verwandelten im sanften Lichtfluss das Seitenschiff von St. Remigius, während das Byggeset-Orchestra Klangskulpturen im Raum schweben ließ. Bewegte Bilder ergänzten dieses Gesamtwerk aus akustischen und visuellen Eindrücken, das vom Förderverein für Kirchenmusik unterstützt wurde. Die Static Music der Gäste steht sicherlich nicht für Sakralmusik im herkömmlichen Sinne, doch sie fügte sich stimmig ein in die Viersener Pfarrkirche.

Kantor Thorsten Konigorski begrüßte zum "etwas anderen Konzert". Nachher betonte er, dass er auch in diesen Klängen religiöse Inhalte umgesetzt sehe. Es sei ein ungewohnter Ort und eine ungewohnte Zeit für das Orchestra, sagte Georg Sehrbrock, verantwortlich für Synthesizer und Piano, um zu ergänzen: "Wir spielen gerne in Räumen, die uns herausfordern, und wir spielen gerne mit Räumen."

So checkten die Musiker über Soundscapes die Architektur und ließen den Eigenhall des Kirchenschiffes Teil ihrer Interaktion mit komponierten und improvisierten Elementen werden. Die Besucher fühlten sich von Klang und Licht umfangen. Denn Thorsten Büschkes Lichtinstallation verlieh dem Seitenschiff eine besondere Intimität. Derweil war das große Mittelschiff über die sachte Beleuchtung einsehbar, doch zurückgenommen.

Die Bezeichnung "Orchestra" mochte verwundern, da in kleiner Besetzung nur zwei der insgesamt vier Musiker auftraten: Sehrbrock und Peter Körfer mit Loops, Sampling und Bass. Nach dem Selbstverständnis ist der Begriff "Orchestra" augenzwinkernd zu verstehen und zugleich Hinweis auf die Vielzahl der technische Klangerzeuger, die gleichzeitig benutzt werden und wie ein Orchester der Klangmaschinen wirken.

Die Musiker zelebrierten spannungsgeladene Entwicklungen, aber auch vielfach wiederkehrende Klangmuster, die in Jörg Pispers auf Leinwand projizierten Videoart in wiederkehrenden Abläufen ihr visuelles Pendant fanden.

Ein wiederkehrender, schlichter Ton durchzog das erste von drei Stücken, teilweise überdeckt von nachhallenden, expressiven Klangbildern, und dann wieder freigelegt. In beharrlich gereihten Bildfolgen schien etwa ein unermüdlich laufender Hund in eine Endlosschleife eingebunden. Diese beharrliche Wiederholung hatte eine überraschend entschleunigende Ausstrahlung. "Standing around Quietly" hieß das zweite Stück, das mit jedem Auftritt fortgesetzt wird. Sehrbrock verriet, dass das Ensemble von Konzert zu Konzert da weiter mache, wo es beim vorherigen Mal geendet habe. "Manchmal dauert es wenige Minuten, manchmal 20 Minuten", so der Pianist.

Nach dem Finale, visuell unterlegt von ziehenden Wolkenmotiven und einem mondgleichen Lichtpunkt, dankten die Musiker für "den wunderbaren Raum, der so schön klingt".

Das dritte Stück schließlich startete wie üblich ganz vorne.

Quelle: RP
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