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Schwalmtal
Unglück im Klärwerk: Wasser wird geprüft

Schwalmtal: Unglück im Klärwerk: Wasser wird geprüft
Im hohen Bogen führte die Schwalmtaler Feuerwehr dem Kranenbach frisches Wasser zu. Der Riesel-Effekt trägt viel Sauerstoff ins Wasser. FOTO: Jungmann
Schwalmtal. Bei Reparaturarbeiten an der Kläranlage in Amern traten gestern mehrere hundert Kubikmeter Klärschlamm aus. Ein Teil floss in den Kranenbach, die Wasserproben werden jetzt ausgewertet. Von Heike Ahlen

Vor einigen Wochen war in der Leitung, die vom Faulturm der Kläranlage weg führt, ein Haarriss entdeckt worden. Die Leitung musste repariert werden. Das war für gestern geplant. Spezialtaucher stiegen in den Schlamm des Faulturms hinab, um von innen in die Öffnung der Leitung eine Gummiblase einzusetzen. Diese wird dann mit Pressluft gefüllt und verschließt die Leitung, damit man an der schadhaften Stelle arbeiten kann. Bis gegen 11.30 Uhr ging alles gut. Die Blase wurde eingesetzt, dichtete die Öffnung ab.

Die Arbeiten außerhalb des Faulturms begannen. Wenige Minuten später wäre alles abgesichert gewesen, denn bei der Reparatur sollte zunächst eine weitere Sicherung von außen angebracht werden. Doch dann platzte die Blase. Durch das Rohr mit einem Durchmesser von 12,5 Zentimetern schoss der schwarze Schlamm mit einem Druck von etwa einem Bar. Die Mitarbeiter der Anlage, die dort arbeiteten, wurden zum Glück nicht verletzt, allerdings von oben bis unten mit der stinkenden Brühe begossen.

Dem Druck hatten sie zunächst wenig entgegenzusetzen. Der Schlamm floss über das Gelände der Kläranlage in Richtung Kranenbach. Die Gullys auf dem Gelände sind so angelegt, dass das Abwasser, das in ihnen landet, nicht in den Boden fließt, sondern wieder zum Vorklärbecken geführt wird. Doch die Menge der Brühe war zu groß, um dort wieder zu versickern. Die Feuerwehr eilte zur Unterstützung herbei. Die einen Helfer schütteten einen Erdwall in Richtung Kranenbach auf, damit der Schlamm nicht ungehindert weiterfließen konnte. Andere quetschten das Rohr mit einem hydraulischen Gerät so weit zu, dass man einen Flansch aufsetzen konnte, so dass kein weiterer Schlamm ausfließen konnte.

Feuerwehrleute pumpten Frischwasser in den Kranenbach, um sein Wasser zu verdünnen, das zu diesem Zeitpunkt trübe unter der Brücke dahinplätscherte. Die Wehrleute führten das Wasser dem Bach in einem breiten Bogen zu - der Riesel-Effekt trägt besonders viel Sauerstoff ins Wasser. Und der Sauerstoff war vonnöten, denn die Bakterien in dem Schlamm verbrauchen den Sauerstoff im Wasser - was für die Lebewesen gefährlich sein könnte.

Etwa einen Kilometer weiter mündet der Kranenbach in den Borner See. Mitarbeiter des Schwalmverbands kontrollierten dort das Wasser, um gegebenenfalls eingreifen und das Wasser durch Umpumpen mit Sauerstoff anreichern zu können. Doch gut drei Stunden nach dem Unglück schien es, als würde die Welle dreckigen Wassers den See nicht erreichen. Das Wasser, das dort ankam, war klar.

Gegen 17 Uhr setzte ein Taucher erneut eine Blase vor die Leitung im Faulturm, am Abend sollte dann die Reparatur beginnen, die man für morgens geplant hatte.

Welche Konsequenzen der in den Kranenbach gelaufene Klärschlamm für die Tierwelt im Bach hat, ist noch nicht klar. Wasserproben aus dem Kranenbach und dem Borner See waren bei Redaktionsschluss noch nicht fertig ausgewertet. Die Untere Wasserbehörde und das Landesumweltamt nahmen am Abend weitere Proben.

Wie viel Klärschlamm ausfloss, wusste man am Abend auch noch nicht. Die Feuerwehr schätzte, dass mehrere hundert Kubikmeter Schlamm austraten, in den Kranenbach gelangte wohl deutlich weniger. "Wir gehen jetzt davon aus, dass etwa 50 Kubikmeter des Schlamms in den Bach geflossen sind", sagte Schwalmtalwerke-Geschäftsführer Dirk Lankes am Abend. Zur Schadenshöhe konnte er noch keine Angaben machen. Die Schwalmtaler Wehr konnte ihren Einsatz gegen 18 Uhr beenden.

Quelle: RP
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