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Kreis Viersen
Unter Aufsicht des Groß-Rabbiners

Kreis Viersen: Unter Aufsicht des Groß-Rabbiners
Synagogen, Bethäuser, Schulen und Begräbnisplätze der Juden im Kreis Viersen (1808-1939). FOTO: Kreisarchiv, aufnahmen der Rabbiner, entnommen aus dem Buch Guido Rotthoff "Krefelder Juden", Bonn 1980
Kreis Viersen. Die Stadt Krefeld war seit vielen Jahrhunderten geprägt von einer außerordentlichen konfessionellen Vielfalt. Neben den Katholiken gab es dort Lutheraner, Calvinisten, Mennoniten, Pietisten und Juden. Und nach dem Ersten Vatikanischen Konzil war die Seidenstadt neben der Stadt Bonn ein Schwerpunkt der Alt-Katholiken.

Bis zur Bildung der Kreissynagogengemeinden waren ebenfalls Krefeld und Bonn Mittelpunkt der beiden israelitischen Konsistorien. Mit ihrer Auflösung erhielten die neuen Synagogen Autonomie. Dennoch blieb der in Krefeld amtierende Oberrabbiner die geistliche Autorität für die niederrheinischen Juden. Das galt weitgehend bis zum Untergang der Gemeinden im nationalsozialistischen Terror. Einen eigenen Rabbiner hätten sich viele der kleinen Judengemeinden auch gar nicht leisten können.

Die feierliche Einweihung der Synagoge in St. Tönis im Jahr 1907 ist ein handfester Beleg für die dominante Rolle des Krefelder Oberrabbiners: Er öffnete die heilige Lade, stellte die Thorarolle ein und hielt die Festpredigt. Dann folgte - bezeichnend für das lebhafte Ja der Juden zur staatlichen Ordnung - das "Gebet für Kaiser und Reich".

Im Hinblick auf die wichtige Rolle der Krefelder Oberrabbiner für die niederrheinischen Juden werden sie nachfolgend für die Zeit ab 1809 bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts genannt:

Löb Carlburg (Krefelder Oberrabbiner 1809-1835). Geboren war er in Carlsburg in Siebenbürgen, hatte er die Talmudhochschulen in Prag und Berlin besucht und außerdem Philosophie und Philologie studiert.

Baruch Lion Ullmann (Krefelder Oberrabbiner 1836-1843) aus St. Goar war Schüler des bekannten Bonner Arabisten Georg Wilhelm Freytag.

Löb Bodenheimer (Krefelder Oberrabbiner 1845-1868), geboren in Karlsruhe, war vorher Landrabbiner im Hildesheim im Königreich Hannover gewesen. In Würzburg hatte er unter anderem Philosophie und Staatswissenschaften studiert. Bodenheimer gehörte unter den religiös rivalisierenden Gruppen der Juden zu den Gemäßigten.

Jakob Horowitz (1869-1903) wurde von Vertretern der Juden aus Krefeld, Kleve, Goch, Geldern, Kempen, Rheinberg, Grevenbroich, Geilenkirchen, Heinsberg, Erkelenz, Bergheim, Mönchengladbach und Neuss gewählt, was belegt, dass er die zentrale kultische Persönlichkeit der Juden am Niederrhein war.

(plp)
 
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