| 00.00 Uhr

Brüggen
Verkohlte Erinnerungen in der Schule

Brüggen: Verkohlte Erinnerungen in der Schule
In dem Klassenzimmer, in dem das Feuer ausbrach, steht ein völlig verbogenes Metallgestell - wahrscheinlich das Lehrerpult (l.). Das Feuer brach in einer Ecke des Raumes zwischen Schrank und Waschbecken aus. Wände und Böden sind mit Ruß überzogen, auf dem Boden liegt ein Matsch aus Löschwasser und verkohlten Resten (r.). Geblieben ist eine Reihe mit Katzenbildern im Flur (u.). FOTO: Heike Ahlen
Brüggen. Nach dem Brand an der Brachter Grundschule ermittelt die Polizei. Sie geht von Brandstiftung aus. In der Schule untersuchen Fachleute die Kontamination der Räume. Sie prüfen auch, ob Pfeiler und Decken noch tragfähig sind. Von Heike Ahlen

Der Gestank ist bestialisch. Wer das Foyer der katholischen Grundschule in Bracht in diesen Tagen betritt, schlägt automatisch die Hände vors Gesicht oder zieht ein Tuch über Mund und Nase. Am Freitagmittag hat es gebrannt, und immer noch stinkt es. Die zerstörerische Kraft des Feuers ist überall zu sehen. Im Foyer sind Scheiben geborsten. Eine Rußschicht liegt auf den Wänden und auf dem Boden, sie überzieht Pflanzen und Bilder. Auch in den Räumen der Verwaltung ist überall Ruß. Alles ist schwarz.

Je weiter man durch den langen Flur in Richtung der Klasse geht, in der das Feuer ausbrach, desto schlimmer wird der Geruch. Und desto unwirklicher wird das Szenario. Alle Deckenlampen im Flur sind weg. Die Hitze war so groß, dass sie geschmolzen sind. Viele Scheiben haben Risse, einige sind schon in diesem vorderen Teil ganz zersprungen. Allein die Scheiben vor einer Wandnische, in der die Pokale für sportliche Erfolge ausgestellt sind, haben gehalten. Sie sind verrußt, aber nicht zersprungen. Verbrannte Teile von der Decke haben sich auf eine Leine mit Katzenbildern, die die Schulkinder gemalt haben, niedergelegt. Der rote Hintergrund der Bilder leuchtet, ein starker Kontrast zu dem schwarzen Ruß. Die Katzen sind noch deutlich zu erkennen, die Bilder sind von den Flammen nicht zerstört worden.

Im hinteren Teil des Flurs wird es dunkler. Hier sind die Fensterscheiben alle gesprungen. Zum Schutz wurden Grobspanplatten davorgesetzt. In dem Klassenraum, in dem das Feuer ausgebrochen ist, steht in der Mitte ein völlig verbogenes Metallgestell - wahrscheinlich die Reste des Lehrerpults. Dass an der Wand neben der Tür einmal ein Schrank gestanden hat, kann man noch erahnen. Darüber und dahinter sind die Ziegel des Sichtmauerwerks teilweise geplatzt, teilweise in dunklem Lila verfärbt. Auf dem Boden liegt ein Matsch aus Löschwasser und verkohlten Resten. Bürgermeister Frank Gellen ist am Dienstag nicht zum ersten Mal da. Er war schon während der Löscharbeiten am Freitagmittag zum Brandort geeilt, hatte hinterher gemeinsam mit der Schulleitung erste Notfallpläne entworfen.

Feuer bricht in Grundschule aus FOTO: Jungmann

Am Dienstag ist er noch sichtlich betroffen, aber auch froh, dass erste Anfänge gemacht werden können. Die Versicherung sei da gewesen, gemeinsam habe man die Kosten für die Wiederherrichtung der Schule überschlagen. "Vorsichtig geschätzt werden es es wohl etwa 200 000 Euro sein", sagt Gellen. Das gelte aber nur unter der Voraussetzung, dass kein Abriss erfolgen müsse. Ein Baustatiker wird in dieser Woche erwartet, um zu ermessen, wie stark die Hitze den Pfeilern und Decken zugesetzt hat, ob sie noch tragfähig sind. Links und rechts der abgebrannten Klassentür stehen Pfeiler aus Backstein. Berührt man die Steine, zerbröseln sie.

Auch ein Chemiker hat in der Schule die Arbeit aufgenommen. Er misst die Luftwerte, nimmt überall Proben, um ein Bild vom Ausmaß der Kontamination zu bekommen. Foyer, Verwaltung und die vorderen Klassenräume sollen möglichst schnell wieder fertiggestellt werden. Dass jetzt die Osterferien anstehen, erleichtert die Koordination der Arbeiten. Insgesamt soll es in vier Wochen schon deutlich entspannter aussehen, hofft Gellen. Das gilt nicht für den am stärksten betroffenen Teil. Für ihn rechnet der Bürgermeister nicht damit, dass dort vor den Sommerferien der Betrieb wieder aufgenommen werden kann. Bevor einzelne Gebäudeteile nach der Renovierung wieder freigegeben werden, wird durch erneute Messungen geprüft, ob keine Kontamination mehr vorliegt.

Die Polizei ermittelt, wie es zu dem Brand kam. Klar ist bislang nur, dass ein technischer Defekt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auszuschließen ist, denn die Brandspuren sprechen eine andere Sprache. Ausgebrochen ist das Feuer in einer Ecke des Klassenzimmers, zwischen Schrank und Waschbecken. Dort gibt es weder Steckdosen noch sonstige Leitungen. Die Ermittler gehen daher davon aus, dass es sich um Brandstiftung handelt. Ob diese vorsätzlich oder fahrlässig geschah, dazu äußern sie sich noch nicht.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Brüggen: Verkohlte Erinnerungen in der Schule


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.