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Viersen
"Versunkene Kapelle" wieder zugänglich

Viersen: "Versunkene Kapelle" wieder zugänglich
Eine historische Aufnahme zeigt die legendenumwobene "versunkene Kapelle" im Johannistal. FOTO: Busch- aus: prost/ geschichte der versunkenen Kapelle
Viersen. Um das einstige Süchtelner Gotteshaus im Johannistal ranken sich zahlreiche Legenden. In den 1990.er Jahren wurden Weiher und Kirchturmspitze neu angelegt. Doch sie drohten, von der Natur überwuchert zu werden Von Daniela Buschkamp

Die "versunkene Kapelle" auf dem Gelände der LVR-Klinik trug diesen Namen nicht nur aus historischen Gründen zu Recht - war sie doch in den vergangenen Jahren hinter Bäumen und Sträuchern nahezu versunken. Ein Anblick, der den Heimatforscher und Heinz Prost betrübte: "Immer wieder haben sich Besucher und Angehörige von Patienten beim Besuch der ,versunkenen Kapelle' über den desolaten Zustand des Weihers und der Zuwegung beschwert", erzählt Porst. Durch Holzfällarbeiten mit schweren Gerät, die ausgeführt worden waren, war der Waldweg zum Weiher teilweise unpassierbar geworden. Ein Zustand, den Prost und die anderen Ehrenamtler der Heimatfreunde nicht selbst ändern konnten - abfinden wollten sie sich damit nicht und suchten nach einer dauerhaften Lösung. Sie fanden diese mit dem Landschaftsverband Rheinland (LVR).

Um die "versunkene Kapelle" selbst ranken sich Legenden - Legenden, die Heinz Prost dem wissbegierigen Nachwuchs aus Kindertagesstätten und Grundschulen bei Führungen gern erzählt. Dazu legt der Wahl-Süchtelner das Gewand eines Ritters aus dem Malteserorden an, setzt sich auch ohne Reitkenntnisse mutig aufs Pferd und nimmt seine Zuhörer mit auf eine Reise in die Geschichte Süchtelns.

Eine alte Fotografie zeigt den Weg zur versunkenen Kapelle. FOTO: Busch-

Im Johannistal soll das einzige Gotteshaus von Süchteln gestanden haben, geweiht war es dem Heiligen Johannes. Eines Tages versank es in der Erde und an dieser Stelle bildete sich ein Weiher, der nie versiegte. In der Johannisnacht, der Nacht vom 23. auf den 24. Juni, soll dort sogar das Geläut von Kirchenglocken zu hören sein. Nach einer anderen Variante stand eine Burg am heutigen Ort der "versunkenen Kapelle". Ihr Herr soll der Raubritter Johannis Baldinus gewesen sein. Nach einem erfolgreichen Beutezug fand hinter den Burgmauern ein Gelage statt, als ein schweres Gewitter die Burgmauern zum Zittern brachte. Baldinus soll Gott gelästert haben - und ein greller Blitz legte die Burg in Asche. Einzig ein kleiner Weihe soll zurückgeblieben sein.

An diese Sagen erinnert seit dem Jahr 1992 eine Kirchturmspitze, die nachträglich in den Weiher gesetzt wurde. Auch für dessen Anlage hatte sich Heinz Prost, der das LVR-Gelände als Leiter der Pflegeschule kannte, damals eingesetzt.

"Diese Legenden kennen nicht nur viele ältere Süchtelner, sondern auch die Kinder durch unsere Führungen", sagt Heinz Prost. Deshalb suchte er nach Unterstützern, um den sagenumworbenen Ort wieder ansehnlich gestalten zu lassen. Mit seiner Begeisterung für die Heimatgeschichte konnte er Ulrike Lubek, Direktorin beim Landschaftsverband Rheinland, überzeugen. Er hatte sie um Unterstützung gebeten, damit Wege und Weihe der "versunkenen Kapelle" regelmäßig gepflegt werden sollten. "Sie war begeistert, dass dieses Kulturgut bei den Süchtelner Bürgern so viel Anklang findet", sagt der Geschichtsbegeisterte, der 1992 ein Büchlein über die Historie der "Versunkenen Kapelle" verfasst hatte. Mit jeder Führung ins Johannistal halten er und seine Mitstreiter vom Süchtelner Heimat- und Verschönerungsverein diese Erinnerungen wach.

Jetzt sind Weg und Weiher kaum wiederzuerkennen. Mitarbeiter einer Gärtnerei haben den Waldweg instandgesetzt, die Pflanzen am Rand des Weihers zurechtgestutzt. Dies übernehmen sie jetzt regelmäßig. Ein Anblick, der Heinz Prost strahlen lässt: "Endlich ist dieser wunderschöne Ort wieder gepflegt und trockenen Fußes zu erreichen."

Quelle: RP
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