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Viersen
Vier Denkmäler, vier Geschichten

Viersen: Vier Denkmäler, vier Geschichten
Die Villa Höges an der Süchtelner Straße ließ der Unternehmer August Hoeges 1908 bauen. FOTO: Horst Siemes
Viersen. Am Sonntag, 10. September, ist bundesweiter Tag des offenen Denkmals. Unsere Redaktion stellt vier Bauwerke in Viersen vor, die mit dem Bus-Shuttle zu erreichen und zu besichtigen sind Von Ingrid Flocken

Architektur und Kunst drücken den Wunsch ihrer Erbauer, Erschaffer und Auftraggeber aus, Schönheit, Wohlstand und Machtansprüche abzubilden. Deshalb regt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz in diesem Jahr am bundesweiten Tag des offenen Denkmals, 10. September, dazu an, sich mit den vielfältigen Ausdrucksformen von "Macht und Pracht" auseinanderzusetzen. Zum 25. Mal gibt es auch in Viersen an diesem Tag die Gelegenheit, Denkmäler zu besichtigen. "Das rege Interesse der Besucher hat über die Jahre immer noch zugenommen", sagt Viersens Denkmalpflegerin Ellen Westerhoff.

Der Tag beginnt um 10 Uhr mit einer Wanderung, auf der Fred Pollmanns vom Verein für Heimatpflege Viersen zum Süchtelner Erbenbusch-Wall - eine mittelalterliche Grenze - führt. Treffpunkt: Schutzhütte am Fanny-Zahn-Heim.

Bis 1970 wohnten die Direktoren der LVR-Klinik in der Direktorenvilla Johannisthal. Seit fünf Jahren steht das Gebäude leer. FOTO: Jörg Knappe

Geöffnet sind am Denkmaltag das ehemalige Kreuzherrenkloster St. Sebastian in Dülken, Kreuzherrenstraße 49, das Wohnhaus des Direktors im Johannisthal, Johannistraße 70 in Süchteln, das Rathaus Süchteln, Tönisvorster Straße 24, die Villa Höges in Viersen, Süchtelner Straße 130, die Deutsche Reichspost in Viersen, Freiheitsstraße 190, und der Schellershof in Viersen, Heimerstraße 75 (Eingang von hinten). Alle Denkmäler können auf eigene Faust von 13 bis 17 Uhr erkundet werden. Außerdem werden zwei Busse mit Ellen Westerhoff und Fred Pollmanns eingesetzt: Bus 1 startet um 13.15 Uhr an der Bushaltestelle Westring in Süchteln, um 13.40 Uhr ist Zusteige-Möglichkeit an St. Peter in Boisheim, um 13.45 Uhr am Busbahnhof Dülken. Bus 2 startet um 14.10 Uhr in Viersen an der Haltestelle Remigiuskirche Richtung Dülken, Zusteige-Möglichkeit: 14.20 Uhr am Busbahnhof Dülken. Rückfahrt zu allen Stadtteilen um 18 Uhr.

Direktorenvilla Johannisthal In den Jahren 1905 bis 1908 in der Neurenaissance-Form einheitlich geplant und erbaut, sind viele der Häuser in der Heil- und Pflegeanstalt Johannisthal in Süchteln denkmalwert. Sie wurden von der Stadt Viersen 1996 zum 90-jährigen Bestehen der Klinik unter Denkmalschutz gestellt. Auch die Villa in der wohlproportionierten Backsteinornamentik, die lange Jahre dem Direktor der Anstalt als Wohnhaus diente, zeugt von dem damaligen Anspruch von "Macht und Pracht" - Thema des Denkmaltages. Zwei Tierfiguren - der Hase steht für die gequälte Seele, der Vogel für die freie Seele - zieren als Reliefs den Bogen über dem Eingang zu der Villa, dessen erster Bewohner Direktor Gustav Flügge war. Die Direktive des LVR war immer: "Wer die Klinik leitet, muss auch hier wohnen." Als der letzte Direktor 1970, weil die Zuständigkeiten aufgeteilt wurden, kamen die Kinder: Der Betriebskindergarten der Landesklinik lud zum Spielen ein. Doch schon 1982 mussten die Kinder weichen, die Apotheke der Klinik wurde hier eingerichtet. Seit fünf Jahren steht die Villa leer - und jetzt zum Verkauf.

In der ehemaligen Reichspost sind am Tag des Denkmals Fotos und Erinnerungsstücke ausgestellt. FOTO: Knappe Jörg

Reichspost Viersen Wer über die Freiheitsstraße von oder nach Mönchengladbach fährt, kommt an dem imposanten Gebäude der Reichspost vorbei. Der Blick geht dabei zu dem mächtigen Reichsadler über dem Eingang und den beiden großen Relieffiguren rechts und links der Tür. 1927 ließ die damalige Reichspost das Gebäude im Expressionismus-Stil errichten. Bis vor wenigen Monaten diente es als Briefsortier- und Paketstelle, dann wurde es verkauft. So kann Denkmalpflegerin Westerhoff zum diesjährigen Tag des Denkmals das Haus für die Besucher öffnen. Die Gäste, die das dreigeschossige Gebäude betreten, werden von den gewaltigen Ausmaßen der Räumlichkeiten beeindruckt sein. Im Erdgeschoss will Westerhoff eine Ausstellung mit Fotos und Erinnerungsstücken aufbauen, Hausmeister Wilhelm Michels wird ihr dabei helfen. Wer sich die beiden Obergeschosse mit den ehemaligen Büroräumen ansehen möchte, muss die Treppe nutzen, der Fahrstuhl ist außer Betrieb.

Villa Höges Die Villa Höges an der Süchtelner Straße 130 fällt durch ihre Zweifarbigkeit ins Auge: Roten Backstein und weiße Umrahmungen der Fenster hat nicht jedes Haus. Und so hat sich der Unternehmer August Hoeges - Mitinhaber des benachbarten Ringofens - im Jahre 1908 diese Villa vom Architekten Johann Peerlings erbauen lassen, um auf dem riesigen Gelände des ehemaligen Peschhofes seine "Macht durch Pracht" zu zeigen. Auch das Innere der Villa frönt diesem Anspruch, sodass die jetzige Besitzerin Patrizia Wintzen, die das 1989 unter Denkmalschutz gestellte Gebäude gemeinsam mit ihrem Mann Bernd vor fünf Jahren erwarb, feststellte: "Dieses Haus umarmt uns!" Erdwärme versorgt es über Decken und Wände - die alten Heizkörper restauriert und dekoriert - sind an die Heizung angeschlossen. Auch die restaurierten Stuckverzierungen an den Decken, die originalen Fenster und Türen, fallen ins Auge des Betrachters.

Der Schellershof ist ein für den Niederrhein typischer Vierkanthof. Wer ihn besucht, sollte auch das Heiligenhäuschen von 1864 bewundern. FOTO: Knappe Jörg

Schellershof Im Ortsteil Heimer, der historischen "Hemelrader Vroghe", ist ein weiteres "Prachtstück" zu bestaunen. Die Honschaft, erstmals 1381 als Heymenrade urkundlich erwähnt, entwickelte sich an zwei Bächen entlang der heutigen Kempstraße und Heimerstraße. Letztere wird 1648 als Schellerstaete bezeichnet, nach dem Hof "To Schellers", der sich bis 1408 sicher zurückverfolgen lässt. Der Schellershof und eine benachbarte, um 1600 als "To Rütgershus to Schelers" bezeichnete Hofstelle sollen an jener Stelle gestanden haben, an der sich die heutige Hofanlage befindet. Diese, 2001 unter Denkmalschutz gestellt, ist ein für den Niederrhein typischer Vierkanthof, eine geschlossene Hofanlage aus Backstein, bestehend aus Wirtschaftsgebäuden des 19. Jahrhunderts und einem herausgerückten ehemaligen Wohn-Stall-Haus, das im Kern mindestens aus dem 18. Jahrhundert stammt. Ankersplinte bezeichnen das Jahr 1832 und die Initialen IS MS. Das Innere des Wohnhauses, das Tobias Corsten 2011 über seine Bauträgerfirma erworben hat, zeigt in Raumaufteilung und Ausstattung ein landestypisches ehemaliges Wohn-Stall-Haus. Wer den Hof besucht, sollte auch das Heiligenhäuschen bewundern, das 1864 auf der Vorderseite angebracht wurde.

Quelle: RP
 
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