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Fünfjährigen aus Viersen getötet
Angeklagte im Fall Luca legen Revision ein

Viersen: Fall Luca: Angeklagte legen Revision ein
Die Angeklagten während des Prozesses im Gerichtssaal. FOTO: Hans-Peter Reichartz
Viersen. Zwei Jahre und acht Monate Gefängnis für Amanda Z., lebenslange Haft für ihren Lebensgefährten Martin S.: So urteilte das Gericht Mitte Juni im Prozess um den Tod des fünfjährigen Luca aus Viersen. Doch das Urteil wird nicht rechtskräftig. Beide Angeklagte haben Revision eingelegt.

Das bestätigte Jan-Philipp Schreiber, der Sprecher des Landgerichts Mönchengladbach, auf Nachfrage unserer Redaktion. Martin S. war am 13. Juni wegen Totschlags und Misshandlung zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Die Mutter wurde verurteilt, weil sie die Misshandlungen zugelassen habe.

Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass Martin S. im Oktober 2016 den fünf Jahre alten Luca in dessen Kinderzimmer in Dülken getötet hat. Indizien und die Ergebnisse der rechtsmedizinischen Untersuchung der Leiche waren für die siebte große Strafkammer ausschlaggebend. Der Junge hatte Blut eingeatmet und schwere innere Verletzungen. Doch daran sei der Fünfjährige nicht gestorben: "Luca ist ganz am Ende erwürgt worden", sagte Richter Lothar Beckers bei der Urteilsverkündung. "Was in der Nacht passiert ist, haben wir nicht vollständig ermitteln können", räumte er ein. Martin S. habe Luca "grausam misshandelt", sagte er, das komme einem Mord gleich. 

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Rechtsanwalt Hendrik Rente, der den Lebensgefährten verteidigt hatte, hatte unmittelbar nach der Urteilsverkündung bereits angekündigt, in Revision gehen zu wollen. Er sehe die Schuld seines Mandanten nicht als zweifelsfrei erwiesen an. Schon in seinem Plädoyer hatte er gesagt, dass nur feststehe, dass einer der beiden Angeklagten die Tat begangen haben müsse, dass aber unklar sei, wer von beiden. Auch Felix Menke, der Verteidiger der Mutter, hatte sich mit dem Urteil unzufrieden gezeigt. Er hatte eine Bewährungsstrafe für seine Mandantin erreichen wollen.

Noch liegt die schriftliche Urteilsbegründung nicht vor. Das Gericht hat vom Tag der Urteilsverkündung an sieben Wochen Zeit, diese zu formulieren. Erst wenn sie da ist, müssen die Verteidiger ihre Revisionsanträge begründen. Martin S. bleibt in Untersuchungshaft, Amanda Z. ist auf freiem Fuß.

(hah/naf)
 
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