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Viersen
Viersen verkauft mehr Gewerbeflächen

Viersen: Viersen verkauft mehr Gewerbeflächen
Wirtschaftsförderer Thomas Küppers plant, den Verkauf von Viersener Gewerbeflächen in diesem Jahr auf 96.400 Quadratmeter zu erhöhen. Betroffen sind die Standorte Mackenstein, Feldstraße und Schmiedestraße. FOTO: Busch
Viersen. CDU-Ratsherr Fritz Meies fordert bei der Vergabe von städtischen Aufträgen auch die Zahl der Ausbildungsplätze der jeweiligen Unternehmen zu berücksichtigen. Fragen zur 14.000 Euro teuren neuen "App" blieben unbeantwortet. Von Joachim Niessen

Viel Statistik und noch mehr kritische Fragen prägten die jüngste Sitzung des Viersener Wirtschaftsförderungsausschusses, die im Technischen Rathaus an der Bahnhofstraße stattfand. Mehr als drei Stunden musste vor allem Stadt-Wirtschaftsförderer Thomas Küppers Rede und Antwort stehen. Und dabei packten die Politiker einen zentralen Tagesordnungspunkt erst gar nicht an. Es wurde beschlossen, sich mit der "Aktuellen Einzelhandelssituation in den Innenstädten von Viersen-Dülken und Süchteln" in einer Sondersitzung zu beschäftigen. Die Verwaltung wird hierzu eine umfangreiche Vorlage erarbeiten, der Termin werde "zeitnah" erfolgen, so Ausschussvorsitzender Paul Mackes.

Massive Kritik in Richtung Küppers kam gleich zu Beginn der Sitzung von CDU-Ratsherr Fritz Meies: "Ich ärgere mich darüber, dass wir immer erst einmal umfangreich über den Verkauf von Flächen informiert werden, dagegen wichtige Themen wie die Arbeitsplätze und deren Entwicklung in Viersen stets hinterher behandelt werden." In der Tat berichtete Küppers ausgiebig über seine Pläne, den Verkauf von Gewerbeflächen in diesem Jahr auf 96.400 Quadratmeter zu erhöhen. Im Vergleich zu 2015 mehr als das Zehnfache. Nach Aussage des Wirtschaftsförderers sind hiervon die Standorte Mackenstein, Feldstraße und Schmiedestraße betroffen. Bei den Flächen handelt es sich ausschließlich um Neuflächen. Küppers: "Flächen zu verkaufen und damit Umsätze zu erzielen, ist die schönste Nebensache der Welt."

Sich daher "intensiver mit wichtigen und für die Menschen der Stadt zentralen Themen zu beschäftigen", forderte Meies von Küppers: "40 Prozent der Jugendlichen, die in Viersen aus der Schule entlassen werden, haben keinen Ausbildungsplatz bekommen. Das ist eine Katastrophe. Hier müssen wir als Politik aber auch die Verwaltung über richtungsweisende Konzepte nachdenken."

In diesem Zusammenhang legte der Christdemokrat auch beim Thema Flächenverbrauch den Finger in die Wunde. "Wenn wir Flächen abgeben, müssen wir dies auch von der Anzahl der neuen Arbeits- und Ausbildungsplätze abhängig machen, die dort neu entstehen sollen", sagte Meies: "Diese Zahlen sind für Viersen wichtig. So mancher verzweifelte Jugendliche, der sich immer wieder vergeblich um einen Ausbildungsplatz bemüht und oft noch nicht einmal eine Antwort erhält, ist in Gefahr, am Ende in der Psychiatrie zu landen. Hier kostet ein Tag die Stadt 280 Euro. Das sind dann die teuersten Bürger der Republik." Der Ratsherr forderte von seinen Polit-Kollegen, sich Gedanken zu machen, ob bei der Vergabe von Aufträgen der Stadt künftig zu berücksichtigen sei, das diese Unternehmen überhaupt ausbilden.

Auch auf dem städtischen Arbeitsmarkt hat sich die bundesweit positive Entwicklung des vergangenen Jahres nicht grundlegend widergespiegelt. Mit einer Arbeitslosenquote von 9,7 Prozent in der Stadt Viersen im November 2015 erreichte sie den selben Stand wie im November 2014. Im November 2015 waren 3853 Menschen arbeitslos, im Oktober 2014 waren es 3826. Küppers vermeldete für die Stadt Viersen eine durchschnittliche Arbeitslosenquote von 10,0 Prozent, diese liegt über dem Durchschnitt des Kreises, von NRW und des Bundes. Auch die Langzeitarbeitslosigkeit stellt in der Stadt ein zusätzliches Problem dar. Mit 45,0 Prozent im Jahresdurchschnitt ist sie höher als im Kreis Viersen (40,3), im Land (43,6) und im Bund (37,2).

Erfreut zeigten sich die Politiker über die ersten positiven Schritte für die Dülkener Innenstadt durch den im Herbst eröffneten neuen Edeka-Markt. "Ich finde, dass der neue Markt ein Magnet für Dülken ist. Trotzdem muss beobachtet werden, wie sich das für das Zentrum auswirken wird und wie man begleitend nachsteuern muss", so Grünen-Ratsherr Stephan Schulze.

Keine Antwort erhielt Schulze von Küppers zur neuen Viersen-App, die der Wirtschaftsförderer bei der Vorstellung vor einigen Monaten in der "mobilen ersten Liga" der Internet-Auftritte angesiedelt sah. 14.000 Euro wurden damals investiert. Antworten zum Nutzerverhalten sowie zu Zugriffszahlen blieb der Beamte schuldig. Schon bei der Präsentation der städtischen "Viersen-App" im Oktober hatte es massive Irritationen gegeben. Ein Grund: Trotz des mobilen Stadt-Auftritts in der "ersten Liga" des weltweiten Netzes ist dieser im App-Store unter Viersen nicht zu finden.

Quelle: RP
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