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Viersen
Viersener Mispel - lecker und lustig

Viersen: Viersener Mispel - lecker und lustig
Die Tanzgruppe „Vierscher Mispelblüten“ hat die Mispel auf blauem Grund nachgebildet. FOTO: Busch, Franz-Heinrich sen. (bsen
Viersen. Lebendig und vielfältig ist Viersens Wappenblume: die "Vierscher Mispelblüten" tanzen im Karneval, als Souvenir kauft man gern ein Fläschchen Mispellikör. Und in der Senfmanufaktur wird "Viersener Mispel Senf" hergestellt Von Daniela Buschkamp

Äußerst lebendig sind diese Ableger der Mispel: Neun Teenager tanzen als "Vierscher Mispelblüten" durch den Karneval. Hellgelbe Kleider und Jacken, dazu ein Orden, der Viersens Wappenblume zeigt - das gehört zu ihrer Ausstattung. Für Trainerin Silke Dueckers-Klichowski ist die Namenswahl der Tanzgruppe eine Hommage an die Heimat: "Ich suchte vor fünf Jahren einen Namen, der etwas mit Viersen zu tun hat." Gefunden hat sie ihn in der Mispel: Die zarte Blüte bis Mai und die nur noch selten zu findenden Früchte verbindet die 56-Jährige mit ihrer Heimatstadt: "Die Mispel - das ist Viersen für mich." Wenn die 14- bis 19-Jährigen im Karneval auftreten, dann sie sind Botschafterinnen im Zeichen der Mispel. Regelmäßig trainieren die Tänzerinnen; mindestens einmal die Woche für mehrere Stunden werden die neuen Schritte einstudiert. "Jedes Jahr gibt es eine neue Choreographie, jedes Jahr gibt es ein neues Motto", sagt Dueckers-Klichoswki. Was die heimatverbundene Trainerin bedauert: dass es immer weniger Mispelbäume in Viersen gibt.

Auch Dietmar Päpst, seit 15 Jahren Chef der Alt-Viersener Senfmanufaktur, vermisst die kleinen Bäume. Der 64-Jährige weiß, dass die Früchte einer empfindsamen Diva gleichen: Wer den richtigen Zeitpunkt verpasst und sie nicht am selben Tag weiterverarbeitet, der hat keine Freude an den Früchten. "Wenn heute junge Leute einen Garten mit Mispelbaum übernehmen, dann wird sofort die Kettensäge angeschmissen und es heißt Tschüss für den Mispelbaum." Nachvollziehen kann er das: "Sobald die Früchte reif sind und vom Boden fallen, verströmen sie einen starken Duft, der Ungeziefer anlockt." Und wer die Mispelfrüchte etwa zu Gelee weiterverarbeiten will, darf dies nicht zu früh tun: "Das meiste Aroma entwickeln die Früchte, wenn sie schon fast überreif sind. Dann müssen sie aber auch innerhalb eines Tages weiterverarbeitet werden", sagt Päpst.

Probleme mit der Haltbarkeit gibt es beim Viersener Stadtwappen nicht. Auf blauem Grund sind dort drei Miseplblüten angeordnet. Seit 1450 gehörte die weiße Blüte zum Alt-Viersener Wappen. Erst nach der kommunalen Neugliederung entstand das Stadtwappen in der heutigen Form: Dabei symbolisieren die drei Blüten die Städte Viersen, Süchteln und Dülken (mit Boisheim).

Keine Überraschung, dass sich gerade der Viersener Verein für Heimatpflege um seinen Vorsitzenden Albert Pauly für den Erhalt der Mispel einsetzt. So hat der Verein einen eigenen Band der Schriftenreihe "Viersen - Beiträge zu einer Stadt" herausgegeben, der sich nur mit Viersens Wappenpflanze beschäftigt. Und Köchinnen wie Maria Franken geben aus Liebe zur Heimat traditionelle Rezepte weiter: So lässt sich die Mispel zu Gelee, Gebäck oder geistreichen Getränken wie Likör oder Brand verarbeiten.

Die Mispel ist ein Kernobstgewächs, Botaniker zählen sie zur Familien der Rosengewächse. Ihre Früchte sind zunächst grün-gelblich, kurz vor der Ernte Ende Oktober, Anfang November schimmern sie gold-bräunlich. Durch Nachtfrost wird das zunächst strohige Fruchtfleisch weich und schmackhaft; wenn die Früchte einige Wochen gelagert haben, können sie weiterverarbeitet werden. Das tut Dietmar Päpst teilweise noch selbst. Seine Mispelfrüchte bezieht er über den Nabu. Die Naturschützer wiederum sammeln das selten gewordene Obst in Privatgärten und beliefern Päpst damit. In seinem Sortiment gibt es einen selbst hergestellten Fruchtaufstrich oder auch den "Viersener Mispel Senf". Mit seinen 180 Arten Senf ist er in zahlreichen Regalen von Supermärkten und Feinkostläden vertreten.

Ein beliebtes Geschenk ist auch der Viersener Mispellikör oder der Mispelbrand. "Den Brand fertigen wir nicht selbst. Er ist weniger süß als der Likör und kommt bei den Kunden sehr gut an", sagt Päpst. Im vergangenen Jahr sei die Mispellieferung derart groß gewesen, dass Päpst sich eine weitere Verwendung für die Mispel überlegte. Ein Obstbrand war da naheliegend. Alle Mispel-Produkte seien beliebte Viersen-Souvenirs: "Sie werden nicht nur von Privatleuten, sondern auch von Unternehmen, Schulen oder der Stadtverwaltung gern gewählt."

In diesem Jahr muss sich Päpst noch etwas gedulden: Bis Mitte Oktober ist noch keine Mispel geerntet worden. Das wird auch noch ein wenig dauern. Bei den "Vierscher Mispelblüten" kommt mit dem Sessionsstart die stressigste und auch schönste Zeit des Jahres: Bald werden die neun Mädchen wieder ihr Publikum verzaubern - anders als ihre fruchtige Namenspatin, deren herber Geschmack erst überzeugen muss. Und wer einmal den Orden der "Mispelblüten" erhalten hat, der vergisst weder die Tänzerinnen noch die Wappenblume der Stadt.

Quelle: RP
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