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Viersen
Villa V zeigt Georg Ettls künstlerischen Werdegang

Viersen: Villa V zeigt Georg Ettls künstlerischen Werdegang
Ettl war ein Grenzgänger zwischen ausschweifenden und reduzierten Formen: Der Betonklotz ist an den Seiten mit einem goldenen Pudel verziert. FOTO: Busch
Viersen. "Heimat. Eine Retrospektive" hat Gerda-Marie Voß die Ausstellung mit Werken des 2014 in Viersen verstorbenen Künstlers genannt. Von Sigrid Blomen-Radermacher

Mit viel Begeisterung hat Gerda-Marie Voß etwa 30 Werke von Georg Ettl aus dem eigenen Bestand sowie Leihgaben zusammengetragen. Die Inhaberin der Villa wünscht sich, dass die Besucher der Ausstellung Ettls künstlerischen Werdegang nachvollziehen und damit seinen Weg zur Reduktion verstehen können.

Einer der mindestens drei Heimatorte Ettls war Nittenau in Bayern, wo er 1940 geboren wurde. Mit 19 Jahren wanderte er in die USA aus und kam 14 Jahre später zurück nach Deutschland, um sich in Viersen niederzulassen. Die Viersener Architektin kannte Ettl, der vor etwa einem Jahr starb, seit 40 Jahren. In ihren Diskussionen sei es meist um Frankreich, gutes Essen und um den Raum gegangen.

Für die Kunstkennerin ist Ettl einer, dessen Bildsprache eine vermittelnde Instanz zwischen Kunst und Architektur darstellt, wie die Arbeiten im und für den Raum beweisen. Eindrucksvolle Beispiele finden sich im Viersener Kreishaus oder der Remigiuskirche. In der Villa V jedoch entdeckt der Besucher neben den "typischen" Werken wie die großen, stark reduzierten Menschendarstellungen aus Stahl eine Reihe von Arbeiten, die weniger bekannt sind. So zum Beispiel die Übermalung einer Madonnendarstellung in einem prunkvollen, barock anmutenden Rahmen. Ettl hat über das ursprüngliche Bild einen typischen Ettl-Profilkopf gemalt und zwar so, dass die alte, klassische Malerei durchscheint. Als habe der moderne Mensch die gesamte christliche Ikonographie gewissermaßen "im Kopf".

Ettl war fest verankert in der Kunstgeschichte, die er zitierte und in seine moderne Bildsprache übersetzte. Seine Pferdekopfreliefs von 1977 mag man als das andere, äußerst reduzierte Ende barocker Pferdestandbilder und den Marabu auf goldenem Untergrund als ein Schwelgen in Form und Farbe betrachten.

Hoch interessant ist Ettls Auseinandersetzung mit der Form. In der Villa V sind eine Stufenpyramide und ein "Bewegliches Objekt" (auf Rollen) zu sehen, das wie eine aufeinander geschachtelte Hausform daherkommt. Beide Arbeiten sind vermutlich in den 1970er-Jahren entstanden. Wie ein Nachklang der Minimal Art wirken die klaren Formen aus Beton oder Holz. Und doch bleibt Ettl nicht "minimal": Wenn er einen Teil seiner Form vergoldet, wenn er einen Betonklotz gießt, dessen Seiten ein goldener Pudel ziert, dann erweist er sich als Grenzgänger zwischen ausschweifenden und reduzierten Formen.

Quelle: RP
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