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Viersen
Volksbank Viersen kündigt Sparkurs an

Viersen. Die Niedrigzins-Politik der EZB macht den Banken das Geschäftsmodell zunichte. Die Volksbank Viersen will mit konsequentem Kostenmanagement reagieren. "Bei uns steht alles auf dem Prüfstand", kündigt der Vorstand an Von Martin Röse

Den Bilanzgewinn leicht gesteigert (um 44.000 Euro auf 1,6 Millionen Euro), die Mitgliederzahlen leicht erhöht (um 60 auf 10.409), die Dividende stabil bei sechs Prozent: Bei der Vertreterversammlung hatte der Vorstand der Volksbank Viersen am Dienstagabend für die rund 200 Besucher gute Zahlen aus dem Geschäftsjahr 2015 mitgebracht. Aber auch düstere Zukunftsaussichten: "Die Niedrigzins-Politik der Europäischen Zentralbank sehen wir als klaren Angriff auf unser Geschäftsmodell", erklärte Vorstandsvorsitzender Jürgen Cleven. "Wir gehen davon aus, dass wir künftig jährlich eine Million Euro weniger Zinserlöse verbuchen können." Dieser Rückgang werde nicht durch höhere Einnahmen aus Provisionen ausgeglichen werden können. "Wir werden uns auf fallende Ergebnisse einstellen müssen", erklärte Cleven.

Klare Anzeichen dafür sind bereits in der Bilanz fürs vergangene Geschäftsjahr erkennbar: Obwohl das Kreditvolumen gegenüber dem Vorjahr um mehr als sieben Prozent auf 447 Millionen Euro stieg, sanken die Zinserlöse im selben Zeitraum um knapp 1,2 Millionen Euro auf 18,8 Millionen Euro. Mit zum Ausgleich beigetragen hat ein florierendes Vermittlergeschäft - der Provisionsüberschuss kletterte von 5,9 auf 6,9 Millionen Euro.

Erfreulich für den Kämmerer: Knapp 1,7 Millionen Euro Gewerbesteuer zahlte die Volksbank Viersen in 2015 ins Stadtsäckel, an die Vereine der Region schüttete die Volksbank im Rahmen von Sponsoring rund 120.000 Euro aus.

Um im schwierigen Marktumfeld künftig bestehen zu können, will die Volksbank Viersen auf konsequentes Kostenmanagement setzen. "Bei uns steht alles auf dem Prüfstand", kündigte Cleven an. Beispielsweise sei das Outsourcing von einzelnen Teilbereichen denkbar. "Den Bereich Geldwäsche haben wir bereits an die WGZ outgesourced." Auch die Zusammenarbeit mit den benachbarten Volksbanken könne intensiviert werden. Die Schließung von Geschäftsstellen war bei der Vertreterversammlung kein Thema.

Neben sinkenden Erlösen sieht Cleven auch eine Gefahr in steigenden regulatorischen Anforderungen. "Bisher mussten wir Kredite ab einem Volumen von einer Million Euro an die Bankenaufsicht melden. Ab März 2018 ist vorgesehen, dass bereits Kredite ab 25.000 Euro gemeldet werden müssen, bei Zahlungsverzug schon Darlehen ab 100 Euro - das ist Bürokratie pur, das ist Irrsinn!"

Ins Jahr 2016 sei die Volksbank Viersen gut gestartet; das Wachstum liege aktuell bei einem halben Prozent. "Dazu beigetragen hat eine starke Nachfrage nach Baufinanzierungen, aber auch ein starkes Kreditgeschäft mit landwirtschaftlichen Betrieben."

Auch eine Entwicklung: Das Onlinebanking steige enorm an. Jeder dritte Über-65-Jährige nutze bereits das Internet. Ab Mitte Juni soll eine neue App fürs Smartphone Kunden der Volksbank Viersen das Online-Banking erleichtern.

Vorstandsmitglied Michael Willemse kündigte auch den Umbau der Geschäftsstelle Amern an. Neben der Außenhülle soll sich auch in dem Gebäude etwas tun. "Wir werden ausreichende Selbstbedienungsgeräte haben und einen zusätzlichen Geldautomaten aufstellen."

Ob sich die Volksbank Viersen künftig auch Strafzinsen vorstellen könne, wollte ein Genosse an dem Abend wissen. "Vor zwei Jahren hätte ich auf die Frage ,Nie!' gesagt", erklärte Cleven. "Heute kann ich das nicht mehr versprechen. Aber ich verspreche: Wir werden die Letzten in der Bankengruppe sein, die das machen."

Quelle: RP
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