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Viersen
Vom dritten Mann zum Star mit der Gitarre

Viersen. Bei den Viersener Gitarrentagen überzeugten die Musiker und Vokalisten - und wurden gefeiert. Von Gert Holtmeyer

Nicht nur für die musikalische Organisation der Viersener Gitarrentage zeichnet Timo Brauwers verantwortlich. Vor Konzertbeginn sorgte er erst einmal dafür, dass auch der Getränkebestand in Tommys Workshop aufgefüllt wurde. Und dann kündigte er an, "dass bald etwas passieren wird".

Damit meinte nicht sein eigenes Gitarrenspiel, mit dem er den Abend eröffnete. Das ist zweifellos beachtlich gut.

Virtuos huschten seine beiden Hände nicht nur übers Griffbrett. Auch mit Perkussionseffekten wusste er zu beeindrucken. In "Open sea", in dem ein Floß-Fahrer die Fahrt übers Meer wagt, überraschte er seine zahlreich erschienenen Zuhörer mit der klanglichen Andeutung eines Gewitters.

Bald wurde auch klar, was noch passieren würde: Die Zahl der Mitspieler wuchs übers Duo zum Trio. Für zweistimmige Vokalbeiträge kam Sänger Andreas Lehnen hinzu. Titel, mit denen beide auf Hochzeiten und anderen Festen schon erfolgreich punkteten, verfehlten ihre Wirkung nicht.

Schließlich kam zum Ende des ersten Teils als dritter Mann noch der mit Spannung erwartete Gast aus Finnland hinzu, Petteri Sariola, der Meister des Fingerstyles. Das Gitarren-Duo und Vokal-Trio sorgte für eine gehörige Portion Groove. Dass dabei die wummernden tiefen Töne bis über die Schmerzgrenze hinaus verstärkt wurden, wurde in Kauf genommen und schien auch die meisten nicht zu stören. Im zweiten Teil des Abends konnte Petteri Sariola als Solist die breite Palette seiner Fähigkeiten ausspielen. Man konnte nur staunen. Natürlich hat auch er nur zwei Hände, aber es ist nur schwer nachzuvollziehen, was er damit auf seiner Gitarre zuwege bringt.

Die Trennung zwischen Griff- und Zupfhand wird bei ihm aufgehoben; beide Hände wirbeln mit wechselnden Funktionen übers Griffbrett und über die ganze Gitarre. Die kann er nach Belieben auch als Schlagzeug einsetzen.

Mit der Skizzierung seiner musikalischen Entwicklung ermöglichte Sariola auch einen Blick auf seine verschiedenen stilistischen Orientierungen. Er hat, wie er kurz demonstrierte, das klassische Gitarrenspiel erlernt. Zugleich hat er im Lauf der Zeit immer andere stilistische Vorbilder zuerst imitiert und dann daraus eigene Ansätze entwickelt. Dazu kommt bei ihm noch eine kräftige Portion Humor. So wanderte er, Gitarre spielend, durchs Publikum, um schließlich auf dem einzigen noch freien Stuhl Platz zu nehmen und sein Spiel fortzusetzen.

Er spiele zum zweiten Mal in Viersen, ließ Petteri Sariola sein Publikum wissen. So begeistert, wie er empfangen wurde, könnte er vielleicht auch für weitere Auftritte gewonnen werden.

Quelle: RP
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