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Viersen
Vom Hauptschüler zum Schülerminister

Viersen: Vom Hauptschüler zum Schülerminister
Die Zehntklässler Céline Schlemann und Umut Alakus bewerben sich als Schülerminister, die mit NRW-Politikern in die Wahl-arena treten. In ihrem Wahl-Video fordern sie den Abbau von Vorurteilen und bessere Förderung für Hauptschüler. FOTO: Knappe Jörg
Viersen. Die Gemeinschaftshauptschule Süchteln beteiligt sich am Projekt "Deine Stimme zählt" der Rheinischen Post. Zwei Schüler haben die Chance, bald mit NRW-Spitzenpolitikern zu diskutieren. Dafür haben sie ein Wahl-Video gedreht Von Nadine Fischer

Die Kamera filmt einen Mann in dunkler Jacke, der auf der Straße steht. Er spricht über Hauptschüler, die seien "das letzte Pack, die kloppen sich immer auf dem Schulhof". Kurz danach ist eine Frau im Bild zu sehen. "Die benehmen sich ja derartig daneben", sagt sie. Und überhaupt, auf der Hauptschule, "da lernt ja so ein Kind gar nix", ergänzt eine zweite. Dann wird der Schriftzug "Die Wahrheit" eingeblendet, gefolgt von Zeichnungen, die zeigen: Hauptschüler sind freundlich, teamfähig, fit für den Alltag, engagiert und kontaktfreudig. Das ist der Inhalt eines zweiminütigen Films, den die 17 Schüler der Klasse 10 B der Gemeinschaftshauptschule Süchteln gedreht haben. Es ist ihr Wahlvideo, mit dem sich die Schule am Projekt "Deine Stimme zählt" von Rheinischer Post, Rheinischem Sparkassen- und Giroverband und Bonner General-Anzeiger beteiligt.

Rund 40 Schulen machen bei dem Projekt mit. Sie haben je zwei Schüler als Abgeordnete gewählt, die sich nun in kurzen Filmen darum bewerben, am 30. März in einer Wahlarena in Düsseldorf mit NRW-Spitzenpolitikern über landespolitische Themen diskutieren zu dürfen. Bis kommenden Montag haben die Abgeordneten der Schulen Zeit, aus ihrer Mitte zwei "Schülerminister" zu wählen - sie treffen dann am 30. März auf die NRW-Politiker.

Für die Gemeinschaftshauptschule Süchteln treten aus der Klasse 10 B Céline Schlemann und Umut Alakus, beide 16 Jahre alt, an. "Es ist wichtig, dass wir mitreden, dass wir unsere Meinung sagen", betont Céline Schlemann. In dieser Woche entscheiden Umut Alakus und sie gemeinsam mit ihren Klassenkameraden, welchen Abgeordneten der anderen beteiligten Schulen sie ihre Stimme geben möchten. "Wir haben uns alle Wahl-Videos zusammen angeschaut", erzählt Alakus. Vier Videos sind die Favoriten der Zehntklässler, zwei Abgeordnete, die darin für sich werben, möchten die Hauptschüler unterstützen - und zwar die beiden, die ihrer Ansicht nach zum Beispiel besonders souverän, freundlich und glaubwürdig sind.

Ihr eigenes Video zu drehen, habe zwei Wochen gedauert, erzählt Yannik Debock. Der 15-Jährige ist Schülersprecher der Gemeinschaftshauptschule, außerdem Schüler der Klasse 10 B. Mit Vorurteilen wie den im Film gezeigten würden Hauptschüler häufig konfrontiert, sagt er. In dem Video möchten die Schüler zeigen, dass ihre Realität eine ganz andere ist. Die Hauptschule als Schulform solle nicht abgeschafft, sondern verändert werden. Sie müsse mehr gefördert werden, betont Alakus. Seine Forderung, mit der er sich um einen Platz als Schülerminister bewirbt: "Es liegt mir am Herzen, dass alle Schulformen gleichwertig behandelt werden; ich will nicht länger zusehen, wie eine Schulform über die Persönlichkeit eines Menschen entscheidet."

Quelle: RP
 
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