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Viersen
Vom Stall ins Büro — und zurück

Viersen: Vom Stall ins Büro — und zurück
Landwirt Michael Backes leitet seit 2002 einen Milchviehbetrieb in Süchteln. FOTO: Jörg Knappe
Viersen. Im Dezember sind seine Arbeitstage kürzer, doch viel zu tun hat Landwirt Michael Backes auch jetzt. Seit 15 Jahren hält der Süchtelner Milchvieh. Nicht nur die Tiere müssen täglich versorgt werden: Auch sein Computer braucht Futter Von Nadine Fischer

Die 65 Milchkühe sind längst gemolken, es ist Vormittag, sie stehen im Stall und knabbern am Heu. Auch die rund 40 jüngeren Kühe sind versorgt, die Hofkater Peter und Paul schleichen um ihr Katzenfutter herum. "Jetzt gehe ich ins Büro", sagt Landwirt Michael Backes. "Ich muss noch Geburten erfassen." Zwei Kühe haben an den Weihnachtstagen gekalbt, Informationen dazu pflegt der 52-Jährige in die HIT-Datenbank ein: das zentrale "Herkunftssicherungs- und Informationssystem Tiere" der Landwirtschaftskammern. Lieferscheine kontrollieren, Rechnungen überweisen, Bestellungen aufgeben - auch das gehört für den Süchtelner zur Büroarbeit. "Im Schnitt muss man dafür täglich eine Stunde Zeit einplanen", sagt er. Wenn dann auch noch viel Feldarbeit ansteht, ist das besonders stressig. Jetzt im Dezember hingegen kann sich Backes recht entspannt den Daten und Zahlen widmen.

In einem Flachbau hat der Landwirt sein Büro eingerichtet. "Das war früher der Schweinestall", erzählt er. Vom großen Fenster aus sieht Backes den Innenhof und die Ställe, in denen die Kälber im Stroh stehen. Seit 2002 ist er Leiter des landwirtschaftlichen Betriebs in Süchteln, den vorher seine Eltern Elisabeth und Matthias führten. Elisabeth Backes lebt noch immer auf dem Hof. "Mein Schwiegervater August hat hier ganz klein angefangen, mit zwei Kühen", sagt sie - so hat es zumindest eine Verwandte erzählt. Aber: "Mindestens mein Urgroßvater war auch schon Landwirt", ergänzt ihr Sohn. Als er den Betrieb übernahm, spezialisierte sich Backes stärker auf Milchviehhaltung. Als Viehfutter baut er außerdem auf 14 Hektar Fläche Mais an, rund 30 weitere Hektar nutzt er als Grünland, um Zuckerrüben, Winterweizen und -gerste anzubauen.

Manchmal unterstützen Aushilfskräfte den Landwirt bei der Arbeit, doch den Großteil allerdings erledigt der 52-Jährige alleine. "Derzeit kommt einmal in der Woche ein Praktikant und hilft", erzählt er. Natürlich sei die Arbeitsbelastung hoch, und "es wäre auch mal schön, nicht an sieben Tagen in der Woche bis abends beschäftigt zu sein". Aber das gehe ja nicht nur ihm so, sondern vielen anderen Berufstätigen auch. Immerhin müsse er nicht auf dem Weg zur Arbeit im Stau stehen, sondern er gehe eben einfach durch die Haustür und fange an. Wenn Backes mal krank ist - was sehr selten vorkommt, sagt er -, sucht er sich Hilfe bei Kollegen oder Lohnunternehmern. "Die Produktion geht immer weiter", betont er. So sei das eben in der Milchviehhaltung.

Im Sommer gibt es Tage, an denen Backes 15 Stunden arbeitet. Jetzt im Winter seien es eher sieben bis acht, sagt er. "Man hat nicht den Stress, noch kurzfristig aufs Feld zu müssen, und trödelt ein bisschen rum." Um 6.15 Uhr geht er in den Stall, "als erstes steht das Melken an". Der Landwirt bereitet den Melkstand vor, treibt jeweils bis zu zwölf Kühe hinein, hängt das Melkzeug wieder an, wenn eins der Tiere es losgetreten hat. "Das Ganze dauert morgens zweieinhalb Stunden, abends etwa zweidreiviertel Stunden." Jede Kuh gibt am Tag rund 28 Liter Milch, alle zwei Tage lässt die Molkerei sie bei ihm abholen. Zwischendurch füttert er die Tiere, mistet aus, repariert und wartet Maschinen, erledigt Büroarbeit. "Der Freizeitfaktor ist gering", sagt Backes. Dennoch nimmt er sich Zeit für Hobbys: Er ist als Fähnrich in der Schützengesellschaft St.-Hubertus Süchteln-Hagen aktiv und spielt einmal in der Woche Fußball mit den Mannschaftskameraden von Blau-Weiß Mülhausen.

Je nach Wetterlage hat Backes ab Februar wieder weniger Zeit für seine Hobbys, dann beginnt er, die Felder vorzubereiten. Als Erstes werde gedüngt, sagt er. Auch darüber erfasst er Daten, schließlich müsse er die Düngeverordnung einhalten. Darüber hinaus gibt es eine Kälberverordnung, er muss Pflanzenschutzmaßnahmen aufzeichnen, ein Bestandsbuch für Arzneimittel führen, die Herkunft des Futters nachweisen. Sollte er tatsächlich mal keine Aufgabe zu erledigen haben, ändert sich das in der Regel schnell: "Ich sage immer: Wenn mal nichts ist, kalbt 'ne Kuh."

Quelle: RP
 
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