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Serie Kunst Ohne Künstler (2)
Vom Zebrastreifen zu Burens Streifen

Serie Kunst Ohne Künstler (2): Vom Zebrastreifen zu Burens Streifen
Daniel Buren gestaltete den Boden im Wolfsburger Bahnhof. Die Arbeit heißt "Monter et Descendre". FOTO: Wikipedia/Aisano
Viersen. Im Alltag und in der Natur finden wir immer wieder "Bilder", die wie Kunstwerke wirken. Unsere Autorin hat dafür Beispiele in der Region gesammelt. Heute: ein Zebrastreifen auf Pflastersteinen. Von Sigrid Blomen-Radermacher

Viersen Die Kunst liegt auf der Straße, so will man beim Anblick dieses Bildes meinen. Man muss sie nur aufheben - mit den Augen. Solch ein Streifenbild kennen wir alle: Sie helfen beim Überqueren der Straßen und sind nun überhaupt nicht künstlerisch gemeint. Eigentlich. Aber wenn man möchte, dann darf man auch die alltäglichsten und banalsten Dinge unter ästhetischen Gesichtspunkten betrachten.

Blockhafte weiße Streifen in unterschiedlicher Breite ziehen sich über eine graue Fläche. Diese ist durch vieleckige, sich wiederholende Formen regelmäßig strukturiert. Zwischen den Vielecken ist jeweils eine kleine grüne Fläche eingefügt. Die gewählte Perspektive führt zu dem Eindruck, dass die weißen Streifen sich eigentlich endlos wiederholen könnten und das Auge himmelwärts führen.

Die Inspiration im Alltag: Blockhafte weiße Streifen in unterschiedlicher Breite ziehen sich über eine graue Fläche. Endlos könnte sich das wiederholen. FOTO: KN

Schaut man eine längere Zeit auf dieses "Bild", dann entsteht zudem eine optische Täuschung. Die Konturen der Vielecke verbinden sich zu einem Netz, unter dem die weißen Steifen und die graue Fläche verborgen, eingefangen sind. Das Auge springt vor und zurück.

Betrachte ich dieses Streifenbild, muss ich an einen Künstler denken, für den Streifen in allen Farbschattierungen Thema und Motiv seiner Gemälde und Installationen sind: Daniel Buren. Für den Bahnhof in Wolfsburg entwickelte er 2005 eine Raumarbeit, in der sich weiße Streifen auf grauem Grund diagonal durch die Gänge ziehen. "Monter et Descendre" nennt er sie, was ich frei mit "Auf- und Absteigen" übersetzen möchte. Dieses rauf und runter wird das Durchlaufen den Wolfsburger Bahnhofs ganz schön anstrengend, aber anregend gestalten.

Buren wurde 1938 nahe Paris geboren. Im Laufe seiner künstlerischen Tätigkeit entwickelte er sein Markenzeichen: Streifen, die zwar unterschiedliche Farben, aber immer die identische Breite aufweisen (8,7 Zentimeter). Er arbeitet immer ortsbezogen, er bezieht die Atmosphäre, die Funktion des Raumes in die Gestaltung mit ein. Gerne spricht man im Zusammenhang mit Burens Arbeiten vom "Ausstieg aus der Malerei": Schließlich negiert er jegliche Wiedererkennbarkeit (außer natürlich, man denkt an Zebrastreifen), jegliches Motiv und auch die persönliche Handschrift, da er sich auf die immer gleichen Streifen beschränkt. Mit Installationen im Außenraum und in Museen ist er bekannt geworden. Für die Skulpturprojekte-Ausstellung in Münster 1997 etwa ließ er reihenweise Wimpel in horizontalen Streifen über den Prinzipalmarkt hängen und spielte so auch mit dem Gedanken, dass Kunst manchmal dem Alltag recht nah kommt, wenn eine Stadt mit Wimpeln geschmückt wird.

Quelle: RP
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