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Niederkrüchten
Von 20 Kühen kann kein Landwirt leben

Niederkrüchten: Von 20 Kühen kann kein Landwirt leben
FOTO: Busch
Niederkrüchten. Für die Landwirtschaft in Nordrhein-Westfalen gehen täglich große Flächen verloren — an Bauprojekte, aber auch an Ausgleichsmaßnahmen. Die Betriebe müssen wachsen, um zu bestehen. Ein Besuch bei Paul Coenen in Elmpt Von Heike Ahlen

Kreis-Landwirt Paul Christian Küskens weiß, wie das Bild der "schönen" Landwirtschaft in der Bevölkerung aussieht: 20 Kühe, ein paar Schweine, ein paar Äcker. Doch das entspricht nicht mehr der Realität. Davon könne man keine Familie ernähren, sagt der Niederkrüchtener. "Jeder Betrieb muss spezialisiert sein", erklärt Küskens. Nur mit einer Spezialisierung könne sich der Landwirt mit der gebotenen Tiefe und Nachhaltigkeit um diese Tierart, jenen Acker kümmern. Und mit der Spezialisierung gehe einher, dass man immer größere Betriebe brauche.

Die Landwirtschaft in Nordrhein-Westfalen müsse damit klarkommen, dass praktisch täglich große Flächen verloren gingen. "Wir verlieren etwa 15 Hektar am Tag", sagt Küskens. "Zugunsten von Bauprojekten, aber auch von Ausgleichsmaßnahmen." Ihm sei wichtig, dass die Bevölkerung "mitgenommen" werde, wenn sich die Landwirtschaft verändere: "Wir sind immer noch diejenigen, die sich bemühen, die bestmöglichen Lebensmittel für alle zu produzieren."

Bei einem Besuch im Betrieb P&P Coenen in Elmpt macht sich Landrat Andreas Coenen (CDU) ein Bild von der modernen Landwirtschaft. Der Betrieb ist einer von etwa 30, die in der Gemeinde Niederkrüchten noch existieren. Landwirt Paul Coenen und sein Sohn Clemens, der gerade Abitur gemacht und sich anschickt, in Bonn Agrarwissenschaften zu studieren, um den Betrieb später einmal zu übernehmen, erklärten die "Coenen Group".

Der Betrieb hat in der Landwirtschaft einen guten Ruf als Lohnunternehmen. Ein Lohnunternehmen kommt zum Einsatz, wenn sich ein Landwirt entschließt, nicht mehr alle Maschinen für die Bestellung seiner Äcker selbst zu besitzen, sondern zum Einsäen, Düngen, Ernten oder Strohpressen auf die Dienste eines Unternehmers zurückzugreifen, der diese Arbeiten effizient anbieten kann. Der Großvater von Paul Coenen hatte in den 1950er-Jahren mit 25 bis 30 Hektar einen landwirtschaftlichen Betrieb aufgebaut. Sein Sohn, Coenens Vater, verdingte sich schon 1955 als eine Art Lohnunternehmer. Er fuhr mit Traktor und Hänger Kies für Bauarbeiten auf dem damals recht neuen Flughafen der Royal Airforce. Später kam für Paul Coenen der Einstieg mit dem Pressen von Strohballen für andere Landwirte.

Neben dem Lohnunternehmen gibt es den landwirtschaftlichen Betrieb Paul Coenen jun., der Ackerbau betreibt, und "Bauer Küppers", der den Einzelhandel beliefert, vor allem mit Kartoffeln. Inzwischen gehören 600 Hektar Land zum Betrieb - zwölf andere Betriebe hat Coenen im Laufe der Jahre übernommen. Er und seine Angestellten sind fit in Sachen Landwirtschaft und Agrartechnik. Natürlich würden die Maschinen größer, sagt er, aber dabei gehe es nicht rein um größere Gewinne. Ein Boden könne nur gute Erträge abwerfen, wenn er gut sei.

Deshalb gibt es spezielle Treckerreifen, die dafür sorgen, dass die Erde nicht zu sehr verdichtet wird und auch da, wo die Landmaschine fährt, noch etwas wachsen kann. Vorrichtungen zum Ausbringen von Gülle sorgten dafür, dass der Dünger nicht nur genauer dosiert und damit in geringerer Menge genutzt werde, sondern auch weniger Geruchsbelästigung mit sich bringe.

Der Landrat ist beeindruckt: "Das Beispiel P&P Coenen macht deutlich, wie ein landwirtschaftlicher Betrieb mit Spezialisierung, unternehmerischem Geschick und Flexibilität eine lukrative Nische besetzen kann. Der Fuhr- und Maschinenpark ist imposant. Es freut mich, dass die Firma bei aller Umsatzorientierung auch die Umwelt im Blick hat und schonend mit Böden und Wirtschaftswegen umgeht."

Quelle: RP
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