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Kreis Viersen
Wahl: Werden jetzt die Karten neu gemischt?

Kreis Viersen. Wer kandidiert im Wahlkreis Viersen I für die Landtagswahl? Von Martin Röse

So etwas hatte es im Wahlkreis Viersen I noch nie gegeben - und je nach Parteizugehörigkeit wurde das Ergebnis als "Desaster" oder "Soeintagsowunderschönwieheute" beurteilt: Erstmals seit dem Zuschnitt des Wahlbezirks hatte die SPD die CDU bei einer Landtagswahl am 13. Mai 2012 bei den Zweitstimmen überholt.

Schon häufiger waren die Menschen im Wahlkreis Viersen I von einem Ministerpräsidenten mit SPD-Parteibuch regiert worden. Doch ob der Landesvater nun Wolfgang Clement oder Peer Steinbrück hieß - der Wahlkreis 51 wählte immer mehrheitlich CDU. Bis Hannelore Kraft nach zwei Jahren Minderheitenregierung Neuwahlen ausgerufen hatte.

Nur in Schwalmtal schaffte es die CDU trotz starker Verluste knapp, sich vor der SPD zu behaupten. Doch in den Städten Viersen und Willich überholten die Sozialdemokraten die Christdemokraten. Dass es ausgerechnet in Schwalmtal nicht glückte, kann auch an einem promovierten Diplom-Handelslehrer gelegen haben: Stefan Berger, Direktkandidat der CDU, seit dem Jahr 2000 direkt gewählter Landtagsabgeordneter erhielt deutlich mehr Stimmen als seine Partei und wurde komfortabel erneut direkt in den NRW-Landtag gewählt.

Am 14. Mai wird nun der neue Landtag gewählt. Zeit für einen Blick nach vorn.

Wer tritt an?

Acht Kandidaten machen sich im Wahlkreis Viersen I Hoffnungen, direkt in den neuen Landtag gewählt zu werden. Ihre Kandidatur wurde kürzlich vom Kreiswahlausschuss genehmigt. Allerdings dürften nur zwei echte Chancen haben: Die CDU schickt erneut Stefan Berger ins Rennen. Er wird erstmals von Hans Smolenaers (SPD) herausgefordert. Der gebürtige Dülkener führt die SPD-Fraktion im Kreistag. Die sechs übrigen Kandidaten haben eher theoretische Chancen, zumindest kam es bislang noch nie vor, dass ein Mitglied der kleineren Parteien im Wahlkreis Viersen I direkt in den Landtag gewählt wurde: Die Grünen stellen mit der Viersenerin Martina Maaßen eine Landtagsabgeordnete auf (sie zog bisher immer über die Landesliste ein). Die FDP schickt den amtierenden Viersener Parteivorsitzenden Frank a Campo ins Rennen. Die Linke hat Franz Lohbusch nominiert, die AfD die Schwalmtalerin Ute Reyners. Die Piraten setzen auf Markus Hoffbauer, und als parteiloser Bewerber tritt Volker D'Agnone zur Landtagswahl an. Er gehört zu den Kritikern des geplanten Windparks im Viersener Ortsteil Boisheim.

Könnten weitere Kandidaten über die Liste einziehen?

Jeder Wähler hat bei der Landtagswahl zwei Stimmen. Mit der ersten Stimme werden die 128 Direktkandidaten gewählt. Mit der Zweitstimme wird die Sitzverteilung im neuen NRW-Landtag festgelegt. Auf der Reserveliste jeder Partei stehen die Kandidaten, die zusätzlich in den Landtag einziehen, damit die Sitzverteilung die Stimmen für die Partei widerspiegelt. Allerdings haben fast alle Kandidaten im Wahlkreis Viersen I eher hintere Plätze auf den Landeslisten. Heißt: Die Parteien müssten ein außergewöhnlich hohes Wahlergebnis einfahren, damit die Liste noch zieht. Das sah vor fünf Jahren noch anders aus: Damals zog mit Nico Kern aus Viersen ein Pirat über die Liste in den Landtag ein (Listenplatz sieben), und auch Martina Maaßen aus Viersen gelang über die Liste der Grünen der Einzug in den Landtag. Kern allerdings zog nach Marl und hat bei der Landtagswahl 2017 keinen Listenplatz, und auch Martina Maaßen steht bei der NRW-Wahl am 14. Mai nicht mehr auf der Liste der Grünen.

Wann bekomme ich meine Wahlbenachrichtigung?

Die Deutsche Post rechnet damit, dass am morgigen Mittwoch die ersten Wahlbenachrichtigungen im Kreis Viersen zugestellt werden. Spätestens am Samstag, 22. April, sollten alle Wahlbenachrichtigungen in den Briefkästen sein. Liegt die Wahlbenachrichtigung vor, kann mit ihr auch Briefwahl beantragt werden. Dabei gibt es in diesem Jahr eine Neuerung: Auf der Rückseite ist ein so genannter QR-Code abgedruckt; er kann per Smartphone gescannt werden, dann öffnet sich automatisch eine bereits vorausgefüllte Internetseite, auf der bequem online die Briefwahl beantragt werden kann. Allerdings ist auch der klassische Weg möglich: Antrag mit 70 Cent frankieren und per Post ans angegebene Wahlbüro schicken.

Zeichnet sich eine hohe Wahlbeteiligung ab?

Experten sehen eine hohe Briefwahlanfrage als Indiz für eine hohe Wahlbeteiligung. Die ersten Anfragen nach Briefwahl sind bereits im Viersener Wahlbüro eingegangen, allerdings betonen die Mitarbeiter dort, es handele sich lediglich um vereinzelte Anträge. Ein Trend lasse sich daraus noch nicht ableiten. Die Stadt Viersen geht jedoch von einem weiteren Anstieg der Briefwähler aus und hat die Wahlvorstände für Briefwahlen um drei auf elf verstärkt.

Wann kann ich wählen?

Am Sonntag, 14. Mai, von 8 Uhr bis 18 Uhr, im Wahllokal, das auf der Benachrichtigungskarte angegeben ist. Zur Stimmabgabe müssen entweder die Wahlbenachrichtigung oder der Personalausweis vorgelegt werden.

Quelle: RP
 
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