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Brüggen
Was Einheimische über Flüchtlinge denken

Brüggen: Was Einheimische über Flüchtlinge denken
David Költgen und Laura Houben gehören dem Projektkursus "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" an der Gesamtschule an. FOTO: Busch
Brüggen. Brüggener Gesamtschüler präsentieren die Ergebnisse eines Projektkurses derzeit im Rathaus. Von Birgitta Ronge

Im März 2015 stellten Schüler der Gesamtschule Passanten in Brüggen und in Lobberich die Frage: "Sind Sie der Meinung, dass es in Deutschland zu viele Ausländer gibt?" 19 von 100 Befragten antworteten mit Ja. Im Dezember wiederholten die Schüler ihre Umfrage, legten erneut 100 Passanten die Fragebögen vor. Diesmal antworteten 31 Befragte mit Ja.

Im Brüggener Rathaus stellen die Schüler der Gesamtschule derzeit die Ergebnisse dieser Umfrage aus. Auf Stellwänden zeigen die Teilnehmer des Projektkurses "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" durch Diagramme, wie Menschen im Kreis Viersen die Flüchtlingssituation im Land einschätzen.

Um vergleichbare Zahlen zu haben, legten die Schüler jeweils 100 Menschen ihre Fragebögen vor. Auf die Frage "Wie stehen Sie zu anderen Kulturen und Religionen?" kreuzten im März 41 Befragte diese Antwort an: "Akzeptiere ich, solange es mich nicht beeinflusst." Im Dezember waren es 63 Befragte. Und erklärten im März 79 Prozent: "Mit Flüchtlingen und Asylbewerbern gehe ich offen um", waren es im Dezember 91 Prozent.

In einer weiteren Umfrage beschäftigten sich Schüler des Projektkurses mit der Einrichtung einer Flüchtlingsunterkunft auf dem ehemaligen Flugplatz in Elmpt. Dafür befragten die Schüler ebenfalls 100 Menschen, unterschieden aber zwischen jungen Leuten unter 18 Jahren und Erwachsenen. Sie stellten beispielsweise fest, dass 50 Prozent der Unter-18-Jährigen die deutsche Asylpolitik für ausreichend halten (Erwachsene: 30 Prozent). Doch nur 18 Prozent der Jungen finden, es werde genug getan, bei den Erwachsenen sind es 42 Prozent.

Etwa 30 Schüler zwischen 17 und 19 Jahren nehmen an dem Projektkursus teil. Unter ihnen sind Laura Houben und David Költgen. "Die Ergebnisse bilden die Stimmungslage ab", sagt Laura Houben (19). "Und die hängt auch davon ab, was gerade im Land passiert." Hätten die Schüler die Umfrage nach den Vorfällen in der Kölner Silvesternacht wiederholt, hätten sie wahrscheinlich erneut andere Ergebnisse erhalten. "Doch die Umfrage zeigt, dass sich die meisten Menschen ein friedliches Zusammenleben wünschen", sagt Houben.

Neben den Ergebnissen der Umfragen haben die Jugendlichen auf Plakaten Zeitungsartikel und Bilder gesammelt. Mitschüler, die aus ihren Heimatländern geflohen sind, berichten von ihrer Flucht. So haben ein 16-jähriges Mädchen aus dem Irak und ein 16-jähriger Junge aus Syrien aufgeschrieben, wie sie aus ihren Heimatländern flohen und nach Brüggen gelangten. Aus dem Text des Jungen spricht große Dankbarkeit. Er schreibt: "Jetzt lebe ich in Sicherheit, die ich seit fünf Jahren nicht hatte."

Die Ausstellung des Projektkurses "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" der Gesamtschule Brüggen ist noch drei Wochen im Rathaus in Brüggen zu sehen. Die Stellwände befinden sich im Flur vor dem Standesamt. Geöffnet ist das Rathaus montags bis freitags von 8 bis 12.30 Uhr sowie von 13 bis 16 Uhr (außer freitags).

Quelle: RP