| 00.00 Uhr

Viersen
Was "Heimat" für Schüler bedeutet

Viersen: Was "Heimat" für Schüler bedeutet
Sie haben sich hohe Ziele gesteckt: Nils Voges (von links), Hannah Graf, Lehrerin Lina Naboreit, Nureldin Osman und René Linke vor einer Nachbildung der Oscar-Statue im Clara-Schumann-Gymnasium. FOTO: Franz-Heinrich Busch
Viersen. Was macht heute Heimat aus? Diese Frage haben sich zehn Schüler des Clara-Schumann-Gymnasiums in Dülken gestellt und sind auf ungewöhnliche Antworten gekommen. In einem von zwei Kurzfilmen, die die Oberstufenschüler für das Projekt "Blow Up" gedreht haben, zeigen die Jugendlichen, dass Musik für sie ein Gefühl des Zuhauseseins hervorruft. "Ein bestimmtes Lied kann ein Gefühl von Heimat vermitteln. Beim Hören fühlt man sich dann einfach wohl", erklärt Hannah Graf, eine der mitwirkenden Schülerinnen. Von Jan Wiefels

Ihre persönliche Definition des Heimatbegriffs präsentieren die Schüler nun einem großen Publikum. Am Sonntag werden im Mönchengladbacher Comet Cine Center ihre beiden Filme gemeinsam mit 17 anderen gezeigt, die während der dreimonatigen Projektphase entstanden sind. Neben dem Clara-Schumann-Gymnasium beteiligten sich auch die Johannes-Kepler-Schule aus Süchteln sowie drei Mönchengladbacher und drei Krefelder Schulen. Gefördert wurde das Filmprojekt von der Kulturabteilung der Stadt Viersen und den Kulturbüros der beiden Nachbarstädte sowie vom Land und der Sparkasse Viersen. Die Kosten betrugen mehr als 40 000 Euro.

In ihrem Kurzfilm "Play" agierten die zehn Dülkener Schüler nicht nur als Drehbuchschreiber, sondern standen auch alle vor der Kamera. Im Mittelpunkt des Films steht ein Schüler, der in der Viersener Fußgängerzone steht. Die Menschen ziehen an ihm vorbei, er fühlt sich unbeachtet. Dann stellt er seinen MP3-Player an, Musik ertönt, und auf einmal tanzen die Passanten um ihn herum. Der Zauber endet abrupt, als die Batterie des Abspielgeräts leer ist. Um diese Idee Filme zu realisieren, hatten die Schüler professionelle Hilfe. Unterstützt wurden sie von René Linke, Projektleiter von "Blow Up", und Nils Voges, Filmdozent an der Ruhr-Universität Bochum. Sie erarbeiteten mit den Schülern neben den Drehbüchern auch Storyboards, in denen die Kameraeinstellungen und Schnitte festgehalten wurden, und übernahmen große Teile der Postproduktion.

Ihrer Kreativität konnten die Schüler freien Lauf lassen, die einzige Vorgabe war das Thema Heimat. Für viele Jugendliche ist der Begriff nicht nur auf den Ort beschränkt, in dem sie aufgewachsen sind. "Viel mehr geht es auch um Freunde und um die Familie. Für manche ist auch der Fußballverein ein Stück Heimat", sagt Hannah Graf. Ihr Mitschüler Nureldin Osman ergänzt: "Für mich ist Syrien meine Heimat, das Land, in dem ich aufgewachsen bin. Und meine Familie." Wie individuell Heimat empfunden werden kann, zeigen die Gymnasiasten mit ihrem zweiten Kurzfilm "Schlaf": Er spielt in einem Bett.

Die Verantwortlichen bewerten das Projekt schon vor der ersten öffentlichen Aufführung am Sonntag in Mönchengladbach als Erfolg. Sowohl Oberstudiendirektor Gunter Fischer als auch René Linke und Nils Voges würden die Zusammenarbeit gerne fortsetzen.

(RP/ac)
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Viersen: Was "Heimat" für Schüler bedeutet


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.