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Viersen
Was macht August Peemans in Zukunft?

Viersen. Jahrzehntelang gab's in dem markanten Haus am Hühnermarkt eine Metzgerei. Doch seit vier Jahren steht das Ladenlokal leer. Was soll da rein? Der neue Eigentümer geht einen ungewöhnlichen Weg: Er fragt die Dülkener Von Martin Röse

Vier Jahre ist es jetzt her, dass die Metzgerei Willi Breuer in Dülken geschlossen hat. Aber wer das Gebäude mit dem markanten Schriftzug "August Peemans" am Hühnermarkt betritt, dem steigt auch nach dieser langen Zeitspanne der charakteristische Duft in die Nase. Drinnen, hinter der blitzblank geputzten Glastheke, stecken noch die Preisschilder für "gek. Kinnbacken" (100 g: 1,05 Euro), erholt sich die alte graue Registrierkasse von der Mühsal vergangener Jahrzehnte, werfen die 1931 von C.F. Otto Müller zusammen mit dem lichttechnischen Institut der TU Karlsruhe entwickelten, vernickelten, opalüberfangenen Sistrah-Lampen blendfreies Licht auf den Terrazzoboden des rund 35 Quadratmeter großen Verkaufsraum. Bauhaus as Bauhaus can! Wobei: Die Kacheln, teils mit Blattgold-Ornamenten verziert, sprechen die klare Sprache des Jugendstils. Was für eine Melange!

In New York oder auch in Düsseldorf wäre das leere Ladenlokal längst ein hipper Treffpunkt, es würde eine abgefahrene Cupcake-Manufaktur beherbergen oder ein angesagtes Veggie-Steh-Restaurant. Aber Dülken ist nicht Düsseldorf und auch nicht New York, hier hat's für "August Peemans" bloß zur Leerstand-Olympiade gereicht.

Früher gab's mal 31 Metzgereien in Dülken und Umgebung - jetzt gibt's einen Supermarkt mit Frischetheke. Das Einkaufsverhalten hat sich nun mal verändert. Und Christa Breuer, die zusammen mit ihrem Mann Willi die letzte Metzgerei am Hühnermarkt bis 2013 betrieb, lebt weit weg in Stolberg. Das mag man bedauern, darüber mag man zornig werden, aber Jeremiaden sind Ulf Schroeders Sache nicht. Er kaufte mit seiner Firma Denk-X das mehr als hundert Jahre alte Haus mit den schwarzen Fliesen, ließ es unter Denkmalschutz stellen und hat etwas Besonderes vor: Ideen von Experten zu sammeln, was künftig ins Ladenlokal kommen soll. Und, um das schnell klarzustellen, Experten heißt: Dülkenern. Gleich morgen Abend. Bei August Peemans. Bei Blutwurst-Happen, Brause und Bier. Und dann am Samstagvormittag noch einmal (dann allerdings ohne Bier, stattdessen mit frisch gebrühtem Kaffee). Christa Breuer will auch kommen.

"Ich will den Beweis antreten, dass sich viele Bürger zusammenfinden, um die Entwicklung der Dülkener Altstadt voranzubringen", sagt Schroeders. Er verspricht: "Wir wollen die besten Ideen schnell umsetzen." Die Architektin Christina Lotzemer-Jentges ist überzeugt: "Dieses Haus kann mit neuer Nutzung die Brücke schlagen zwischen Alt und Jung. Die Menschen sehnen sich nach so etwas Authentischem."

Quelle: RP
 
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