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Schwalmtal
Was macht einen tollen Spielplatz aus?

Schwalmtal: Was macht einen tollen Spielplatz aus?
Paula (4) und Jakob (7) haben Spaß auf dem Spielplatz Kaiserpark in Waldniel: Die Gemeinde will nun prüfen, wie viele Spielplätze tatsächlich gehalten werden sollen - und welche Geräte fehlen. FOTO: Busch
Schwalmtal. Die Grünen in Schwalmtal möchten ein Spielplatz-Konzept. Sie können sich vorstellen, dass man die Zahl der Spielplätze senkt, die vorhandenen dafür aber besser ausstattet. Eine Arbeitsgruppe soll sich darum kümmern. Von Birgitta Ronge

Ein Spielplatz ist ein Platz, auf dem Kinder spielen können. Aber welche Geräte sollten auf einem Spielplatz stehen, damit Kinder gerne dort spielen? Welche Spielplätze in Schwalmtal werden viel genutzt und welche nicht? Und warum haben manche Spielplätze mehr Besucher als andere? Diese Fragen wird sich in Schwalmtal nun eine Arbeitsgruppe stellen, zu der neben Mitarbeitern der Gemeindeverwaltung und Politikern auch diejenigen gehören sollen, die täglich mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben, zum Beispiel Mitarbeiter der Kinder- und Jugendarbeit.

Grund für die Bildung der Arbeitsgruppe ist ein Antrag der Grünen. Sie hatten festgestellt, dass es in Schwalmtal öffentliche Kinderspielplätze gibt, die in einem schlechten Zustand sind. Und die Zahl der Spielplätze mit "Grundausstattung" insgesamt übersteige den eigentlichen Bedarf der Gemeinde. Es sei besser, wenn man weniger Spielplätze in der Gemeinde hätte, diese aber mit hochwertigeren Spielgeräten ausrüsten würde, als viele Spielplätze vorzuhalten, die in mangelhaftem Zustand seien, meinen die Grünen. Also hatten sie beantragt, dass die Verwaltung beauftragt werden sollte, ein umfassendes Konzept zu erstellen - mit dem Ziel, die Zahl der Spielplätze zu senken und "im Ausgleich dafür die Qualität der verbleibenden Spielplätze spürbar zu steigern". Plätze, von denen man die Spielgeräte entfernen würde, sollten als freie Flächen für freies Spiel zur Verfügung stehen.

Im Ausschuss für Demografie und Soziales der Gemeinde beschlossen die Mitglieder nun einstimmig, dazu eine Arbeitsgruppe einzurichten. Für die Grünen hatte Dr. Thomas Nieberding kurz den Antrag erläutert und erklärt, wie die Fraktion auf die Idee kam: "Wir wollen wissen, ob wir die Spielplätze so brauchen, wie sie sind, und was man tun kann, um Spielplätze für Kinder und Jugendliche attraktiv zu machen." Es müsse ein Konzept her, das allen gerecht werde.

Die Gemeindeverwaltung hatte vor der Sitzung für die Ausschussmitglieder schon ein Konzept erstellt. Die Verwaltung führt darin aus, dass die Gemeinde bei klammer Haushaltslage schon seit Jahren nicht das Geld hat, um die Spielplätze in der Gemeinde attraktiver zu machen. Sie habe nur für Erhalt der Plätze und die Sicherheit sorgen können. Insofern möge sich der "genannte schlechte Zustand" im Antrag der Grünen "auf Attraktivität, nicht jedoch auf Sicherheit beziehen", heißt es in der Vorlage.

Insgesamt gibt es 37 Kinderspielplätze oder Freiflächen in der Gemeinde, eingeschlossen sind darin die Außenflächen der vier gemeindeeigenen Kitas, die nicht öffentlich sind, und die Schulhöfe der sechs örtlichen Schulen. Die Verwaltung listete auf, wo die Spielplätze sind, welche Geräte dort stehen und ob die Plätze häufig oder nicht so häufig von Kindern genutzt werden. Sie schaute auch, wie viele Kinder heute in der direkten Umgebung der Spielplätze wohnen und wie das wohl in zwei Jahren aussieht. Auch markierte die Verwaltung auf einer Karte, wo es Spielplätze in der Gemeinde gibt. Betrachte man das gesamte Gemeindegebiet, so das Fazit, seien die Ortskerne von Waldniel und Amern sehr gut versorgt. Andererseits sei deutlich erkennbar, dass insbesondere in Hehler und Lüttelforst für eine geringe Kinderzahl Spielplätze vorgehalten würden.

Für die Spielplätze hat die Gemeinde Schwalmtal im Haushaltsjahr 2015 rund 141.600 Euro veranschlagt. Den größten Teil davon machen mit 128.500 Euro die Personalkosten für die Mitarbeiter des Bauhofs aus, die sich um die Spielplätze kümmern. Dann rechnete die Verwaltung aus, wie groß die Fläche der Spielplätze insgesamt ist, und rechnete die Unterhaltskosten dagegen. So kam sie auf Unterhaltskosten von 5,40 Euro pro Quadratmeter Spielplatzfläche im Jahr. Als Beispiel dafür, wie viel Geld die Gemeinde sparen könnte, wenn sie einen Spielplatz aufgeben würde, rechnete die Verwaltung vor: Würde man den Spielplatz etwa an der Bernhard-Rösler-Straße aufgeben, der 181 Quadratmeter groß ist, würde man in drei Jahren 2931 Euro sparen. Würde man auf den Spielplatz an der ehemaligen Grundschule Hehler verzichten, würde man in drei Jahren 16.848 Euro sparen. Würde man den Spielplatz am Cleeracker/Obere Kastanienallee aufgeben, würde die Gemeinde in drei Jahren sogar 35.640 Euro sparen, wenn die Unterhaltskosten für die 2200 Quadratmeter große Fläche wegfielen. Insgesamt würde man also, würden diese drei Spielplätze beispielsweise wegfallen, 55.419 Euro in drei Jahren sparen. Die könnte man wieder für moderne Spielgeräte ausgeben. Was solche Spielgeräte kosten, führte die Verwaltung in ihrer Vorlage ebenfalls an. Da gibt es zum Beispiel einen Leuchtturm zum Klettern, der brutto rund 7140 Euro kostet, ein Spielschiff für rund 13.090 Euro oder eine Seilpyramide für 12.375 Euro - alles ohne Montage.

Um ein Gesamtkonzept zu erstellen, sollen diese Daten - also die Unterhaltskosten pro Spielplatz - nun erst mal zusammengetragen werden. Marco Mendorf (FDP) wusste aus eigener Erfahrung als Vater zu berichten, dass es wichtig sei, attraktive Spielplätze zu haben. Ja, ein Spielplatz solle wohnortnah sein, "aber manchmal ist weniger mehr", so Mendorf. Er bat um eine "ergebnisoffene Diskussion" in der Arbeitsgruppe, für deren Bildung der Ausschuss sich schließlich einstimmig aussprach. Thomas Paschmanns (CDU) erinnerte daran, dass man auch über die Sauberkeit auf Spielplätzen sprechen müsse - es könne nicht sein, dass Hundehalter ihre Tiere auf die Spielplätze ließen, um dort ihr Geschäft zu erledigen.

Quelle: RP
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